Batman ist cool, Nightwing ist cooler

Selten war ein Lego-Spiel besser: Review zu „Lego Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters“

Mit „Lego Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters“ bekommen wir endlich ein neues Lego-Spiel – und, verdammt, hat sich das Warten gelohnt.

Lego Batman steht auf einer Hauskante. Hinter ihm ist der Vollmond.
Du bist Batman – zumindest im fantastischen „Lego Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters“ Foto: Warner Bros. Games

Vier Jahre ist es her, dass Fans von Lego-Videospielen mit der „Skywalker Saga“ ein neues Game bekommen haben. Damals hob man alle neun Hauptfilme der „Star Wars“-Reihe in ein durchaus gelungenes, wenn auch etwas zu umfangreiches Videospielerlebnis. Derselbe Ansatz wird nun auf Batman angewandt – auch wenn im Falle von „Lego Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters“ nicht nur die Filme, sondern auch Serien und andere Videospiele in den Mixer geworfen werden. Diese Mixtur sorgt für ein spaßiges Spielerlebnis, das seinesgleichen sucht …

Das Vermächtnis des dunklen Ritters: Eine Liebeserklärung an Batman

Es ist schon eine ambitionierte Ansage, eine Batman-Geschichte zu erzählen, die sich ausschließlich an Ereignissen aus Filmen, Serien und Videospielen bedient. Man schaut eine Sekunde nicht hin und plötzlich mündet Christopher Nolans „Batman Begins“ in Matt Reeves’ „The Batman“ – und der Witz ist, dass sich die Storyfäden nahtlos ineinander verweben.

All jene, die also Angst haben, dass das neue „Lego Batman“ nichts zu erzählen hat, liegen falsch, denn dieses Spiel liebt nicht nur Batman, sondern alles, was ihn umgibt. So werden beliebtere Filme wie „Batman“ von 1989 genauso ernst genommen wie verspottete Streifen wie beispielsweise „Batman Forever“. Inmitten dessen findet sich sehr viel Herz für den gesamten Batman-Kosmos. Man kann zwar nur eine limitierte Auswahl an sieben Charakteren spielen, dafür tauchen in der Hauptstory, den Sidequests und der Open World Batman-Charaktere aus allen Reihen auf – vom Condiment King bis hin zu Kite-Man.

Lego Batman sieht zu wie Lego Joker im Arkham Asylum von zwei Cops (darunter Lego Aaron Cash) eskortiert wird.
Detailverliebt bis hin zum kleinsten Stein: Selbst düstere Batman-Geschichten wie „Arkham Asylum“ bekommen in „Legacy of the Dark Knight“ ihren eigenen Platz. Foto: Warner Bros. Games

Dazwischen finden sich etliche Referenzen an Dinge, die Batman umgeben. So begegnet einem zum Beispiel ein großer Gegner, der auf dem Internet-Meme basiert, dass Cyclops der Mentor von Batman sei. Aber auch andere Filme wie „Risky Business“ und ausgerechnet „American Psycho“ werden im charmant-typischen Lego-Humor persifliert.

Jedoch kommt da wahrscheinlich zurecht die Frage auf, ob sich diese Liebe auch im Gameplay widerspiegelt.

Gameplay: Wie spielen sich Batman und Co.?

Man sieht Nightwing, Catwoman und Batgirl in Lego-Form.
MVP: Ohne Nightwing läuft in „Legacy of the Dark Knight“ gar nichts. Foto: Warner Bros. Games

Sagte ich gerade noch, dass man zwar nur sieben Charaktere freischalten könne, sei dennoch gesagt, dass in diesem Fall Qualität über Quantität spielt. Statt hunderte Figuren zu haben, die zwar unterschiedlich aussehen, sich aber dennoch recht gleich spielen, wurde hier das Augenmerk darauf gelegt, dass sich Batman und seine „Familie“ ganz unterschiedlich steuern.

So unterscheiden sich die spielbaren Charaktere nicht nur in ihren Fähigkeiten, sondern auch minimal in der Steuerung. Das fällt vor allem bei Nightwing auf, der mit Abstand der beste Charakter im Spiel ist. Egal, ob beim Gleiten in der Open World oder beim Fressepolieren in den Seitengassen Gothams – Nightwing steuert sich mit Abstand am flüssigsten. Dementsprechend ist es auch keine große Überraschung, dass wir ihn am ehesten für das freie Spiel in der Open World empfehlen … vor allem für die Time Trials.

Das Kampfsystem selbst, das an die „Arkham“-Reihe angelehnt ist, spielt sich ebenfalls flüssig, erinnert aber leider auch in jeder Sekunde an die Spielreihe. Die Kämpfe sind aufgrund weniger Möglichkeiten schnell repetitiv und darüber hinaus nie sonderlich herausfordernd – das ist aber voraussichtlich dem Umstand geschuldet, dass das Spiel ja auch für alle Altersgruppen funktionieren soll. All das lässt sich übrigens auch auf die Stealth-Mechanik beziehen, welche zwar nett durchdacht, aber überwiegend optional ist.

Auch das Gleiten und Fahren durch Gotham City musste minimal einbüßen. Während sich der dunkle Ritter und sein Batmobil in „Arkham Knight“ federleicht anfühlen, hat man hier eher das Gefühl, kaum Strecke zu machen – es sei denn, man spielt als Nightwing. Vor allem das Batmobil steuert sich häufig schwerfällig und gibt einem das Gefühl, einen Panzer zu fahren. Die Motorräder sind hingegen weitaus besser im Handling.

Gotham City lebt: So ist die Open World in „Das Vermächtnis des dunklen Ritters“

Video Platzhalter
Video: TVMovie/Warner Bros. Games

Wer schon immer zu wenig zu tun hatte, wird mit der Open World aus „Lego Batman“ auf seine Kosten kommen. Lobenswert ist vor allem, dass nun auch die Jüngeren die traumatische Bürde aufgezwungen bekommen, die Rätsel des Riddlers lösen zu müssen – auch wenn die Puzzle vom Cluemaster deutlich besser sind, insbesondere, weil dieser dich lobt, statt dich zu verhöhnen.

Abgesehen von Denksport muss man aber auch in AR-Trainings antreten, die prinzipiell nur Time Trials in den Rubriken Nahkampf, Batmobilfahren und Parkour sind. Diese wirken auf den ersten Blick bockschwer – oder zumindest unverhältnismäßig für ein Lego-Spiel – bis man das Licht gesehen hat. Das Licht lautet auch in diesem Falle Nightwing, der mit seinem agilen sowie dynamischen Spielstil und seinem flotten Motorrad zum Sieg führt.

Weitere spaßige Nebenaufgaben beinhalten das Einfangen ausgebrochener Zootiere, Einbrüche mit Catwoman, das Sammeln von WayneTech zum Upgraden und Trophäen von Bösewichten, die mehr oder weniger Raum in der Geschichte finden – sozusagen ihre Art zu sagen: „Wir sind auch dabei.“ Freunde von Collectathons werden auf ihre Kosten kommen. All jene mit weniger Ehrgeiz werden das voraussichtlich als sehr repetitiv wahrnehmen.

Kindheitsträume werden wahr: Eine Bathöhle, die man selbst einrichten darf

Ein letztes großes Feature ist die Bathöhle, die gewissermaßen zur Open World gehört. Diese ist zu Beginn des Spiels noch eine tatsächliche Höhle, belohnt aber das voranschreitende Spielen damit, dass man sie upgraden und ausbauen kann. So gibt es Präsentationsräume, in denen man alle Fahrzeuge und Skins anschauen kann, die man freigeschaltet hat, einen großen Batcomputer samt Battelefon und vielleicht versteckt sich sogar Batmite mit seinem eigenen Shop irgendwo.

Die Besonderheit hierbei ist, dass es viele Ecken gibt, die man selbst einrichten darf. Dafür kann man entweder Dekoelemente mit Studs erwerben sowie umstellen oder man kann die Trophäen aus den Minikits der einzelnen Level aufstellen – prinzipiell ein Wink mit dem Zaunpfahl, um zu verdeutlichen, dass man nicht nur ein Lego-Spiel spielt, sondern auch mit Lego spielt.

Änderungen: Das macht „Lego Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters“ fundamental anders als andere Lego-Spiele

Die „Skywalker Saga“ hatte damals schon das übliche Lego-Spiel-Gefühl auf den Kopf gestellt und Batman macht das nun nicht anders. So entfallen hier diesmal Cheat-Codes komplett. Stud-Multiplikatoren gehen nur bis mal vier hoch und auch nur dann, wenn man die Umgebung zerstört oder Schurken verkloppt.

Die roten Steine sind diesmal Collectibles, die man in Levels sammeln kann, die aber nur dekorative Veränderungen an den Fahrzeugen haben. Darüber hinaus kann man alle Level beim ersten Versuch zu hundert Prozent durchspielen, da die Charaktere, die man gestellt bekommt – immer Batman plus die Figur des jeweiligen Kapitels – in der Lage sind, alle Rätsel zu lösen. Neben den roten Steinen kann man nämlich noch fünf WayneTech-Kisten pro Level sowie fünf Trophäen finden, die dann eine große Trophäe ergeben.

Damit ist der Replay-Value der Level zwar geringer, aber die Spielzeit wird dadurch trotzdem nicht verkürzt, da das Grinden nach Studs diesmal aufgrund des geringeren Multiplikators länger dauert.

Bitte mehr: Eine klare Empfehlung für „Lego Batman: Das Vermächtnis des dunklen Ritters“

Der große Vorteil eines Batman-Videospiels, das fast die gesamte umfangreiche Batman-Medienpräsenz abfeiert, ist, dass alle etwas finden können, das sie mögen. Als jemand, der die Nolan-Filme zum Beispiel gar nicht leiden kann, freue ich mich umso mehr, dass auch Spiele wie „Arkham Asylum“ in die Story eingewoben werden.

Die Spielformel von Lego-Spielen bringt auch nach über zwanzig Jahren weiterhin Spaß und findet dennoch stets neue Wege, sich neu zu erfinden. Wenn das das Ergebnis einer vierjährigen Wartezeit ist, dann habe ich absolut kein Problem damit, in Zukunft weiterhin so lange zu warten.

Dementsprechend sollte es auch keine Überraschung sein, dass ich eine klare Kaufempfehlung für das Spiel aussprechen kann – selbst zum Vollpreis, da Umfang, Präsentation und Optik den Preis definitiv rechtfertigen. Lego Batman war selten besser … Nightwing ist trotzdem cooler.