Hurra, der MandaBOREian ist da – Kritik zu „The Mandalorian and Grogu“
Nach knapp sieben Jahren kehrt „Star Wars“ auf die Kinoleinwand zurück … und man fragt sich, warum man die Raumschiffe überhaupt angeworfen hat.

Wir befinden uns im Jahr 2008. Dave Filoni hat gerade den „Star Wars: The Clone Wars“-Film herausgebracht, in dem Rotta the Hutt eine zentrale Rolle spielt. Wir befinden uns im Jahr 2026. Dave Filoni hat gerade „The Mandalorian and Grogu“ herausgebracht, in dem Rotta the Hutt eine zentrale Rolle spielt.
Ungefähr das dürften sich nun alle Kinogänger und Kinogängerinnen denken, sobald sie aus „The Mandalorian and Grogu“ herauskommen sind, denn ebenso wie der „Star Wars: The Clone Wars“-Film nur eine Ansammlung von vier zusammengeschnittenen TV-Episoden war, ist das erste Leinwandabenteuer von Mando und seinem grünen Freund nicht unbedingt mehr …
„The Mandalorian and Grogu“: Wohin treibt es das Duo?

Zeitlich ist der Film zwischen Episode 6 und 7 angesiedelt. Die New Republic fasst langsam Fuß, aber in den unendlichen Weiten des Weltalls gibt es dennoch genügend Personen, die sich das Regime des Imperiums zurückwünschen. Auf ebenjene Personen machen der Mandalorianer (Stimme: Pedro Pascal, wirklich am Set: Brendan Wayne und Lateef Crowder) und Grogu (als er selbst) Jagd.
Ihre Aufträge erhalten sie von Ward (Sigourney Weaver), die nach einem ruchlosen, aber auch namenslosen imperialen Gespenst der imperialen Vergangenheit sucht, welches das nächste Ziel des Duos darstellt. Ihre erste Spur führt sie zu Rotta the Hutt (Jeremy Allen White), dem Sohn von Jabba the Hutt, der sich in einer tödlichen Gefangenschaft als Gladiator befindet.
Egal, ob zuhause oder im Kino – langweilig ist es so oder so
Für mich hat sich das Phänomen „The Mandalorian“ nie so ganz erklärt. Abgesehen von einer Folge (Staffel 2, Folge 1) fand ich unseren Hauptcharakter und seinen allseits präsenten Merchandise-Mitläufer Grogu stets unsympathisch und die Abenteuer, in die sich die beiden begeben, ebenso langweilig.
Dass der Mandalorianer als Figur nicht viel hergibt, beweist sein Kino-Debüt mehr als perfekt. Aufgrund der Tatsache, dass die Zukunft dieses Charakters im Disney-Kosmos mehr als unklar ist, macht man sich gar nicht die Mühe, ihn durch irgendeinen Charakterbogen zu zwingen. Somit bleiben wir mit einer vollends statischen Figur zurück, mit der man nie mitfühlt.
Die Geschichte selbst ist ebenso belanglos wie unsere Hauptfigur. Drehbuchtechnisch macht man nicht einmal einen großen Hehl daraus, dass man augenscheinlich einfach drei bis vier Episoden, die für Staffel 4 der Serie geplant waren, zusammengemixt hat. Das erkennt man vor allem in der Mitte des Films, wo eigentlich schon alles ad acta gelegt werden könnte, man sich aber entschließt, sich im Kreis zu drehen – denn einen 90-minütigen „Star Wars“-Film zu veröffentlichen, wäre ja Frevel. Aber ein kreisrundes Seherlebnis ist leider auch genauso spannend, wie es sich anhört.
Always Be My Jedi: Zwischen Grogu und Europop-Bumsmucke

Seltsamerweise ist mein liebster Aspekt des Films Grogu, den ich sonst fundamental abstoßend finde. Als jemand, der nicht gerne Zeit mit Figuren verbringt, die mehr Merchandise als Charakter sind, war ich positiv davon überrascht, dass der Film das anfänglich vermutete Beiwerk „and Grogu“ vollends ernst meint. Ebenso wie Mando bekommt der kleine grüne Kerl Luft zum Atmen und darf auf eigenen Pfaden wandeln – und entwickelt sich somit zum ersten Mal zu einem Charakter. In einer perfekten Vermengung aus spielbergscher Filmmagie und Stop-Motion-Spielereien bekommt man eine Passage, die „Star Wars“-Fans nicht so schnell vergessen dürften. Passt dieser Abschnitt in die Geschichte? Nein. Ist er trotzdem toll? Ja.
Fast genauso toll ist der Score von Ludwig Göransson. Statt sein mehr oder weniger ikonisches Mandalorian-Theme tausendfach herunterzududeln, hat er sich entschlossen, Wege zu gehen, die bisher noch niemand in einem „Star Wars“-Film gegangen ist. Wer hätte gedacht, dass das, was der musikalischen Untermalung der Reihe bisher gefehlt hat, Europop-Bumsmucke ist? Dass diese mehr als gelungen ist, weiß auch Göransson, der sein neu komponiertes Stück mehrfach ausspielt und im Abspann sogar Pixar-eske verspielte Stücke auspackt. Und so großartig das alles sein mag – ist das wirklich das, was die „Star Wars“-Leinwandrückkehr gebraucht hat?
Als hätte jemand ein „Star Wars“-Buch aufgeschlagen, das niemand lesen will
Es gibt etliche Stimmen, die unken, dass man niemals das Interesse hatte, „The Mandalorian and Grogu“ zu einem Kinoerlebnis zu machen, das „Star Wars“ als Franchise bereichert, sondern vielmehr das Wasser austesten möchte, wie groß die Bereitschaft des Publikums ist, für das Franchise im Kino Geld auszugeben. Und genauso schaut sich der Film auch. Es gibt im „Star Wars“-Universum etliche Bücher, die irgendwo irgendwelche Geschichten erzählen, aber das nur tun, damit man irgendetwas erzählt hat. So ähnlich ist es mit „The Mandalorian and Grogu“, welcher die beiden titelgebenden Charaktere einfach mal präsentiert, damit die Gesellschaft bloß nicht vergisst, dass „Star Wars“ existiert. Und weil er ebenso „süß“ ist und viel Marketingpotenzial mitbringt, ist Grogu das perfekte Bauernopfer für dieses Unterfangen.
Somit bleibt man mit einem „Star Wars“-Abenteuer zurück, das voraussichtlich niemanden vollends abholen wird. Und ehrlich gesagt an alle, die Angst haben, etwas zu verpassen: Ihr verpasst nichts – außer vielleicht Grogus Existenzberechtigung (und Europop-Bumsmucke).









