Manchmal ist ein Hype eben nur ein Hype – Kritik zu „Obsession“
Sei vorsichtig, was du dir wünschst: Manchmal wünscht man sich zum Beispiel einen guten Horrorfilm und bekommt stattdessen „Obsession“ …

Es gibt sie jedes Jahr: die großen Hypes, die mit Vorschusslorbeeren überschüttet werden. Und während das Gefälle bei herkömmlichen Filmen meist noch sehr gering ist, sieht das im Horrorgenre schon etwas anders aus. Mit „Obsession“ hat man einen dieser alljährlichen Horrorhypes – leider einen dieser Vertreter, die beweisen, warum man überhaupt von einem Gefälle spricht.
„Obsession“: Handlung des Horrorfilms

Bear (Michael Johnston) hat ein großes Problem: Er ist unsterblich in seine Kindheitsfreundin und Kollegin Nikki (Inde Navarette) verliebt, doch er weiß nicht, wie er ihr es sagen soll. Als Nikki dann eine ihrer Ketten verliert, möchte er ihr eine neue kaufen, findet aber statt besagter Kette ein „One Wish Willow“ – ein Objekt, das angeblich einen Wunsch erfüllen kann. Nichtsahnend zerbricht Bear das Objekt, nachdem er Nikki erneut nicht sagen konnte, was er für sie fühlt, und wünscht sich, dass sie unsterblich in ihn verliebt wäre. Entgegen allen Erwartungen scheint sich der Wunsch zu bewahrheiten – doch schnell muss Bear feststellen, dass unsterbliche Liebe fordernd bis tödlich sein kann.
Nie gruselig, aber auch nie lustig: „Obsession“ steht zwischen den Stühlen
Es ist zuweilen frustrierend, wenn ein Film das Potenzial mitbringt, wirklich großartig zu sein, aber nie weiß, wie man dieses ausschöpfen kann. Als Beispiel dafür muss heute „Obsession“ herhalten, der versucht, ein Horrorfilm mit einer Prise Humor zu sein, sich aber nie darauf festlegen will, worauf man eher ein Augenmerk werfen sollte.
Es gibt einen Moment im letzten Drittel des Films, der so plötzlich und fies um die Ecke kommt, dass ich regelrecht in meinem Kinositz aufgesprungen bin. In diesem Moment wiegt Regisseur Curry Barker, seines Zeichens früherer YouTuber, das Publikum in nahezu romantischer Sicherheit und führt diese mit einem Schockmoment ad absurdum. Leider lässt der Rest des Films solche frechen Momente vermissen. Nikki, die den Horror in dem Film erzeugen soll, steht eine Sache fundamental im Weg: Schauspielerin Inde Navarette sieht nie gruselig, sondern immer zierlich und niedlich aus – selbst in den furchtbarsten Momenten des Films. Man versucht ihr zwar durch etliche Spielereien eine gruselige Präsenz zu verleihen, aber das klappt in den seltensten Fällen.
Gleichzeitig lockern die humorvollen Elemente die ohnehin wackelige Gruselstimmung viel zu sehr auf. Ein erfahrener Regisseur hätte gewusst, wie man mit diesen Dingen umgehen sollte, aber Curry Barker fehlt noch die gewisse Expertise. Ebenso wie die Philippou-Brüder muss er an dem, was er tut, noch reifen, um auf Durchschnittsware wie „Talk to Me“ (2022) „Bring Her Back“ (2025) folgen lassen zu können.
Zuckersüß und realistisch: „Obsession“ bringt die richtige Energie mit
Man kann sich jetzt darüber streiten, ob Curry Barker ein sehr später Millennial oder ein sehr früher Gen-Zler ist, aber das ist auch egal, denn was die Filmlandschaft gerade braucht, ist jemand, der es versteht, den Zeitgeist dieser Altersgruppe zu transportieren.
Curry Barker ist sehr nahbar in dem, was er auf die Leinwand bannt. Denn das, was Bear am Anfang des Films durchmacht, widerspricht jedem Gedanken des Eskapismus. Die Zerrissenheit, einer sehr engen Freundin erzählen zu wollen, dass man in sie verliebt ist, es aber nicht tut, weil man Angst hat, sie als Freundin verlieren zu können, ist mehr als nachvollziehbar. Die Dialoge seiner Charaktere sind – mit Abstrichen beim Archetyp, den Barkers Freund Cooper Tomlinson spielt – stets realistisch und erinnern mich an Gespräche, die ich mit Gleichaltrigen führe.
Dennoch verlaufen sich die Gespräche manchmal, da die Dialoge aus unerfindlichen Gründen gelegentlich in unnatürliche Stille münden. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass von zehn Witzen im Schnitt nur zwei landen.
Das Problem mit der „Obsession“ – sie kreiert Hypes
Das größte Problem von „Obsession“ ist aber die Erwartungshaltung. Ich habe immer diesen Vergleich: Jemand, der noch nie „Herr der Ringe“ gesehen hat, aber sein ganzes Leben lang hört, wie toll die Filmreihe sein soll, hat es total schwer, diese unvoreingenommen zu sehen. So ähnlich ist es mit den großen Horrorhypes – oder Hypes im Allgemeinen.
Ich erinnere mich daran, dass irgendwer geschrieben hatte, dass „Obsession“ der Film sein wird, über den alle reden werden – und ich frage mich: Warum? Ja, man hat nette Ideen, aber wie bereits erwähnt, mangelt es an der Umsetzung. Ich erwischte mich beim Schauen mit jeder Minute mehr dabei, darauf zu warten, dass noch die eine Sache passiert, die für mich endgültig einordnet, warum dieser Film eine solche Besonderheit im Hype-Echo darstellt. Aber es hat sich mir nie erschlossen. Die einzige Erklärung, die ich dafür habe, ist, dass diese Leute entweder schon lange oder gar noch nie einen Horrorfilm gesehen haben.
„Obsession“: Wichtige Motive halbherzig umgesetzt
„Obsession“ hat wichtige Dinge zu erzählen: über toxische Beziehungen, Freundschaften und die Veränderungen, die man durchgeht, wenn man verliebt ist – und wovor man die Augen verschließen mag. Aber für mich persönlich passt das Gesamtpaket nicht.
Man hat es mit dem üblichen Phänomen zu tun: Jemand kommt aus einem Bereich, in dem ein niedriger Anspruch herrscht (YouTube), und überrascht plötzlich damit, doch ein paar Dinge auf dem Kerbholz zu haben. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass diese Person unfehlbar ist und plötzlich ein Meisterwerk kreiert hat. Viel eher wurde hier die Erwartungshaltung des Publikums unterwandert und ihnen mehr geliefert als erwartet. Dass mehr aber nicht immer automatisch besser ist, zeigt „Obsession“.









