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„Tatort“ heute: „Diesmal ist es anders“ … wohl eher alles wie immer – Kritik

Ballauf schmust rum und Schenk döst weg. Die dieswöchige „Tatort“-Wiederholung ist ganz okay, aber das sind viele andere Dinge auch. Warum dem so ist …

Klaus J. Behrendt tanzt mit Jenny Schily.
Wahre Liebe oder ein schneller Flirt? Ballauf (Klaus J. Behrendt) hat in „Diesmal ist es anders“ eine neue Liebschaft. Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke

Ihr neuester Fall war ein absoluter Höhepunkt der letzten „Tatort“-Saison. Nun melden sich Ballauf und Schenk aus Köln mit einer Wiederholung aus dem Jahr 2024 zurück, die eher durchschnittlicher Natur ist. Was sind die Schwächen und die Stärken von „Diesmal ist es anders“?

„Diesmal ist es anders“: Darum geht es im „Tatort“ heute

Ein zweiter Frühling für Ballauf (Klaus J. Behrendt): Der Ermittler ist nun mit einer Journalistin (Jenny Schily) zusammen – zum Ärgernis von Kollege Schenk (Dietmar Bär), den es stört, dass sein Partner zunehmend abgelenkt ist. Als wäre das nicht genug, kreuzt der Mordfall eines Mannes, der Kölner Promis erpresst hatte, die Pfade mit Ballaufs neuer Liebschaft.

„Tatort“: Darf Ballauf glücklich sein?

Per se ist es nichts Neues, dass der „Tatort“ seinen Ermittlern auch mal eine Charakter-Episode widmet, aber es kommt seltsamerweise so selten vor, dass es schon auffällt. Diesmal dreht sich nämlich alles um Ballauf, während Schenk weitestgehend im Hintergrund bleibt. Das Interessante daran ist hierbei, dass generell die Frage aufkommt, ob Ermittler im „Tatort“ überhaupt Dinge erleben dürfen.

Häufig sind die Figuren Schablonen mit drei bis vier Eigenschaften, an die sich die Zuschauerschaft binden kann, denn man muss sich ja an kaum etwas erinnern. Es gibt Teams, die das anders handhaben, wie zum Beispiel das aus Frankfurt, wo die Charaktere sich (bisher) weiterentwickeln dürfen, aber nach über 90 Fällen sind Ballauf und Schenk nur Figuren, die da sind, um da zu sein.

Deswegen weiß man auch, wie konsequent die Entscheidung sein kann, dass Ballauf plötzlich in festen Händen ist – insbesondere dann, wenn sie so präsent im Fall thematisiert wird. Und das führt zu einem ganz anderen Problem …

Ambitioniert … aber unfassbar vorhersehbar

Innerhalb der ersten fünf Minuten von „Diesmal ist es anders“ weiß man schon, dass eigentlich alles wie immer ist. Im Viertelstundentakt hofft man, dass der Fall bald sein Ende finden würde – nicht etwa, weil er jetzt unbedingt langweilig wäre, sondern viel eher, weil man die Auflösung schon kennt.

Man wagt zwar mit den Figuren ausnahmsweise andere Wege, aber von der Geschichte her wird dieselbe Formel wie eh und je wiedergekäut. Es gibt zwar den Ansatz, etwas über Shitstorms und die Cancel Culture zu erzählen, aber ebenjener Ansatz ist so unausgereift und darüber hinaus inkonsequent, dass das den Fall auch nicht sonderlich aufwertet. Was „Diesmal ist es anders“ hingegen aufwertet …

Retorte und dazwischen ein paar nette Ideen

Immerhin gibt sich der Kölner „Tatort“ stets technisch die Mühe, aus den anderen Beiträgen der Reihe herauszustechen. So arbeitet man Ballaufs Beziehung zum Beispiel auf, indem man die inneren Gedankengänge des Paares als Voice-over darstellt. Nicht revolutionär – aber immerhin etwas.

Diese Idee wird in einer Szene auf die Höhe getrieben, in welcher Ballauf den Tathergang rekonstruiert und so das Geschehen zumindest in seinem Kopf kurz pausiert. Darüber hinaus wurde für die Folge ein Schlagersong komponiert, der selbst Schlagermuffeln wie mir gefallen dürfte. Und auch zu Beginn bekommt man eine kurze, aber dennoch stimmungsvolle Montage präsentiert.

„Diesmal ist es anders“: Fans schalten ein – der Rest vielleicht auch

Der Kölner „Tatort“ ist diesmal reichlich anders, aber nicht unbedingt besser. Alle, die hoffen, Dietmar Bär zu Gesicht zu bekommen, dürften in die Röhre gucken, denn bis zur letzten Viertelstunde ist Ballaufs bessere Hälfte kaum zu sehen – was zuweilen sehr frustrierend ist, denn der Schauspieler sorgt für die besten Momente des Falls.

Dennoch sollte man sich folgendes Zitat von Schenk, das er Ballauf gegen Ende entgegenwirft, zu Herzen nehmen: „Du weißt alles. Ich weiß nichts.“ Ungefähr so dürften sich alle fühlen, die heute Abend den „Tatort“ schauen. Man bekommt nicht viel, aber immerhin etwas. Das ist mehr, als Ballauf bekommt.