Resident Evil Requiem im Test: Zwei ungleiche Partner
Das nächste Capcom-Horror-Kapitel „Resident Evil Requiem“ führt mit zwei Perspektiven Fans der alten und neuen Games zusammen. Doch wie viel Survival Horror steckt wirklich im neunten Teil?
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Seit ich vor fast 30 Jahren bei meinem Freund Björn den Director's Cut von „Resident Evil“ auf der PlayStation gespielt habe, bin ich der Capcom-Reihe völlig verfallen.
Der japanische Hersteller hat mit dem OG nicht nur mal eben ein neues Videospielgenre kulturell zementiert, sondern auch mich persönlich in die Survival-Horror-Obsession getrieben. Selbst meine Abschlussarbeit habe ich darüber verfasst.
Seither zocke ich so gut wie jeden Genrebeitrag mit großer Leidenschaft – und nicht nur Big-Budget-Games wie das exzellente „Silent Hill 2“-Remake, sondern auch Indie-Spiele wie das PSX-Lookalike „Signalis“ oder den Klon „Tormented Souls 2“.
Klar habe auch ich entsprechend hinter „Resident Evil Requiem“ hergehechelt, vor allem nach den vielversprechenden Trailern zum Spiel, welche ein spielerisches Back-to-the-Roots versprachen.
Und ich kann euch versprechen: Das ist es wirklich – wenn auch nur zu Anfang.

Spoiler-Hinweis zu Resident Evil Requiem
Bevor ihr jetzt richtig Angst bekommt: Wir spoilen euch hier keine Aha-Erlebnisse aus dem Spiel und gehen auch nicht im Detail auf bestimmte Locations ein – die seht ihr noch früh genug! „Requiem“ ist ein Teil voller Überraschungen, die wirklich niemand vorwegnehmen sollte. Was viele Kollegen übrigens gerade tun: Meidet beispielsweise aktuelle News-Meldungen zu den Trophäen-Leaks, allein die verderben euch nämlich einiges.

Im Trauma-Hotel
Die grobe Handlung von „Requiem“ (alias „Resident Evil 9“) brauche ich euch wahrscheinlich nicht groß erklären, deswegen mache ich's kurz:
Die FBI-Agentin Grace Ashcroft (eine ganz neue Protagonistin im Resi-Universum) soll einen blutigen Mord in einem verlassenen Hotel untersuchen – wo ein wahnsinniger Serienkiller vor Jahren bereits ihre Mutter abgeschlachtet hat.
Die Ereignisse spielt ihr in einem atmosphärischen Intro nebst Vergangenheits-Flashback selbst nach, was vor allem durch die voreingestellte Ego-Perspektive sehr an „Resident Evil 7“ erinnert.
Schnell wird die ohnehin traumatisierte Grace jedoch vom durchgeglühten Doktor Victor Gideon in ein finsteres Sanatorium entführt – wo dann das eigentliche Spiel beginnt.

Ambivalenz in der Irrenanstalt
Bevor ihr jedoch wie früher die weitläufige Irrenanstalt erkundet, feiert Entwickler Capcom in zwei kurzen Abschnitten andere moderne Horrorspiele.
So stellt ihr erst schleichend und völlig waffenlos in der Finsternis der Schwesternstation den Strom wieder her, während euch ein monströses Wesen stalkt, das jederzeit aus Löchern in der Decke hervorbrechen und wieder darin verschwinden kann.
Das klaustrophobische Gameplay auf engstem Raum und die unvorhersehbare, krallenbewehrte Kreatur erinnern stark an das geniale „Amnesia: The Bunker“ und geben einen kurzen Vorgeschmack auf die inszenatorische Stärke von „Resident Evil Requiem“ – und den enormen Abwechslungsreichtum des Spiels.

Als ihr nämlich auf der Spur nach Victor Gideon als „Resident Evil 2“-Held Leon S. Kennedy das Sanatorium stürmt, macht das Gameplay in Nullkommanichts eine 180-Grad-Wendung:
In den engen Gängen der Station bedrängt euch zwischen EKGs und Infusionsständern ein Mob von Zombies, welche wie in „Resident Evil 4“ sogar spastisch die Kettensäge schwingen – nur, dass ihr dieses Mal neben der Handfeuerwaffe auch zum Dieselbrummer greift und ein wahres Gemetzel unter den Untoten veranstaltet.
Bevor sich aber leichtfällig Overpowering einstellt (den Genickbruch jedes Survival-Horror-Games), reißen uns die Macher auch schon wieder die Säge aus der Hand und richten die Kamera nach einer missglückten Befreiung wieder auf Grace – und es beginnt der Traum eines jeden „Resident Evil“-Fans ...

Zwei Figuren, zwei Perspektiven
„Resident Evil Requiem“ hat zwei Kamera-Perspektiven, zwischen denen ihr unabhängig von Grace und Leon jederzeit wechseln könnt. Die Egosicht orientiert sich an den letzten beiden Teilen, während die Third-Person-Ansicht ans „Resident Evil 2“-Remake erinnert. Beide Varianten spielen sich sehr gut, wir hätten uns aber einen Schnellwechsel per Taste gefreut – ihr switcht nämlich nur über das Menü.

Kampf um jede Kugel
Denn zumindest in den nächsten Stunden erwartet euch das beste „Resident Evil“ seit langem: Mit Grace erkundet ihr das wunderschön gestaltete und weit verzweigte Sanatorium, wobei vor allem in den ersten 60 Minuten gnadenloser Survival-Horror winkt.
Mit im Schnitt höchstens fünf Patronen in der Waffe kämpft ihr um jede Kugel – und schießt ihr mal daneben, geht euch die Düse und es bleibt nur die Flucht. Doch das ist leichter gesagt als getan. Die Untoten hören und sehen zwar nicht gut, sind aber unberechenbar und kesseln euch gerne spontan ein.
Erst nach gewisser Zeit habt ihr etwas mehr Ressourcen – doch auch dann nur gerade genug. Die Spielbalance ist dabei nahezu perfekt und ihr trefft strategische Entscheidungen am laufenden Bande:
Soll ich lieber drei Patronen oder eine Arzneispritze craften? Und nehme ich jetzt die Magnum-Pistole Requiem aus der Vorratskiste – oder habe ich dann gleich keinen Platz für den nächsten Schlüsselgegenstand? Hier ist das neue „Resi“ wirklich genau wie früher.

Crafting in Resident Evil 9: Das Blutentnahmegerät
„Resident Evil 9“ erhält mit dem Blutentnahmegerät ein originelles Crafting-System: Mit dem praktischen Werkzeug zapft ihr aus von Gegnern hinterlassenen Pfützen, Eimern oder sogar einer Badewanne Blut. Das rote Glück kombiniert ihr dann mit Metallteilen und anderen Items zu hilfreichen Gegenständen. Möglich sind beispielsweise Patronen und Medizin, später sogar dauerhafte Perks für Grace. Die Rezepte dafür schaltet ihr aber erst nach und nach frei.

Das Krankenhaus der Rätsel
Apropos früher: Nicht nur beim Kampf geht alten Fans das Herz auf: Denn die Puzzledichte in „Resident Evil Requiem“ ist hoch. Zwar sind die Rätsel selbst nicht so knifflig wie damals, dafür verteilen sie sich übers ganze Areal.
Viele Türen sind verschlossen und lassen sich nur durch Schlüssel, codierte Armbänder oder Kurbeln öffnen. So entwickelt die Erkundung des Anwesens durch das stufenweise Freischalten einzelner Bereiche den Reiz eines Metroidvanias – nur dass dort nicht jedes Backtracking zum schweißtreibenden Spießrutenlauf wird.

Noch mehr Nostalgie kommt aber durch zahlreiche Anspielungen auf die alten Spiele auf: Ein Treppenaufgang erinnert perspektivisch und vom Farbton her frappierend an eine Speicherraum-Location aus Teil 1, in der Garage winkt eine Überraschung nach „Resident Evil 4“-Art.
Auch der Plot verweist gleich an mehreren Stellen auf die Vorgänger – auf diese Punkte wollen (und dürfen) wir aber aus Spoiler-Gründen nicht eingehen.
Du spielst das Game auf der Switch? Dann lohnt sich der Nintendo-Switch-2-Pro-Controller in der Resident-Evil-Requiem-Edition:
Leon: Action und Exploration statt Horror
So weit, so klassisch „Resident Evil“. Doch wie bereits der letzte Trailer verraten hat, geht es in „Requiem“ schließlich auch mit Leon zurück ins verwüstete Raccoon City – und hier ändern sich Atmosphäre, Setting und Gameplay drastisch.
Auf der Suche nach drei Schlüssel-Items erkundet ihr nämlich (meist bei hellem Tageslicht) ein ziemlich großes, halboffenes Gebiet. Die Puzzles treten dabei fast gänzlich in den Hintergrund und machen Platz für deutlich mehr Action.

Die macht durch die Bank Laune und motiviert zusätzlich durch ein Upgrade-System für eure Waffen. Dank Leons Tracking-Armband bekommt ihr nämlich durchs Töten von Gegnern Punkte, welche ihr an Versorgungskisten klug in die Verbesserung eurer Schießprügel investiert.
Das Spiel schmeißt euch außerdem wie einst Teil 4 in einige überraschende Stresssituationen wie etwa den brandheißen Besuch der örtlichen Tankstelle oder das Erklimmen eines eingestürzten Wolkenkratzers.
Das Problem an der Sache: In Raccoon City verbringt ihr rund doppelt so viel Zeit wie mit Grace im Krankenhaus – was durchaus auf Kosten des Pacings geht. Außerdem ist die komplett verwüstete Stadt nicht das originellste und optisch schönste Setting unter der Sonne.

Bei der Erkundung der zerstörten Stadt und dem Looten der Gebäude denken wir zwar häufig an „The Last of Us 2“ – vermissen in „Requiem“ aber die erfrischenden Farbtupfer von Naughty Dogs Meisterwerk.
Echter Grusel kommt mit Leon zudem nur in vereinzelt finsteren Abschnitten wie einem überflutenden Parkhaus oder den U-Bahn-Tunneln auf, während ihr aufgrund der vielen automatischen Checkpoints auch selten um euer Leben fürchtet.
Umso schöner also, dass es mit Grace im großen Finale noch einmal deutlich spannender zugeht. Wo es genau hingeht, dürfen wir jedoch nicht verraten – freut euch aber auf einige Überraschungen!
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Fazit: Resident Evil Requiem
Ich bin ehrlich mit euch: Als langjähriger „Resident Evil“-Fan war ich zwischendurch leicht enttäuscht von „Requiem“. Das liegt aber nur daran, dass das erste Spieldrittel mit seinem tollen Setting und dem starken Survival-Horror-Einschlag einfach so viel besser ist als ein Großteil des übrigen Games.
Zwar macht die abwechslungsreiche Action mit Leon immer großen Spaß, ist aber nie so gut und gruselig wie der rätsellastigere Ausflug mit Grace. Und vergleicht man das postnukleare Raccoon City mit einem gewissen spanischen Dorf, zieht „Resident Evil Requiem“ definitiv den Kürzeren. Dennoch ist der neueste Teil in puncto Spielspaß eine klare Empfehlung, denn richtige Schnitzer leistet sich Capcom nicht.
Alles zur Grafik findest du im Resident Evil Requiem Tech-Check:
Resident Evil Requiem Systemanforderungen: Diesen PC braucht ihr
Ihr wollt „Resident Evil Requiem“ am PC spielen? Die Systemanforderungen hat Capcom bereits offiziell enthüllt. Die folgenden Specs muss euer Computer erfüllen.
Mindestanforderungen:
Prozessor: Intel Core i5 8500 oder AMD Ryzen 5 3500
Arbeitsspeicher: 16 GB
GPU: Nvidia RTX 1660 mit 6 GB oder Radeon RX 5500 XT mit 8 GB
VRAM: 6 GB
OS: Windows 11 (64-bit)
DirectX: Version 12
Empfohlene Anforderungen:
Prozessor: Intel Core i7 8700 oder AMD Ryzen 5 5500
Arbeitsspeicher: 16 GB
GPU: Nvidia RTX 2060 Super mit 8 GB oder Radeon RX 6600 mit 8 GB
VRAM: 8 GB
OS: Windows 11 (64-bit)
DirectX: Version 12
Wann kommt Resident Evil Requiem?
„Resident Evil Requiem“ erscheint am 27. Februar 2026 für PC, PS5, Xbox und Nintendo Switch 2. Um 0 Uhr deutscher Zeit kannst du das Spiel aus den jeweiligen Stores herunterladen. Ein „Resident Evil Requiem“-Preload ist ab dem 25. Februar bereits möglich.
Was hat Resident Evil Requiem für eine Spielzeit?
Wir haben die Hauptstory von „Resident Evil Requiem“ in knapp 12 Stunden abgeschlossen. Die Spielzeit ist aber natürlich je nach Spielart individuell.
Welcher Resident-Evil-Teil ist der schwerste?
Natürlich rein subjektiv, aber das schwerste „Resident Evil“ ist unserer Meinung nach das Remake vom zweiten Teil – denn der Tyrant X stalkt euch gnadenloser als im Original und kesselt euch ständig ein. Direkt danach folgt das allererste „Resident Evil“ ohne automatische Zielerfassung als Chris Redfield und das vom Leveldesign hoch anspruchsvolle „Code Veronica“.
Welcher Resident-Evil-Teil ist der beste?
Wir feiern am meisten „Resident Evil 2“ in der Originalversion auf PlayStation. Das weitläufige Polizeirevier hat die genialste Serien-Location und der Wiederspielwert ist enorm. Nicht ohne Grund vermissen Fans beim Remake das Diskwechsel-Feature des Originals.
Welches ist das gruseligste Resident-Evil-Spiel?
Während manche Spieler:innen „Resident Evil 7“ aufgrund seines Settings und der immersiven Ego-Perspektive als am gruseligsten ansehen, finden wir das Gamecube-Remake vom ersten Teil am erschreckendsten. Die knackscharfen vorgerenderten Hintergründe sorgten für die bisher realistischste Grafik und Zombies standen zu unvorhersehbaren Zeiten wieder auf. Brrr!








