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Resident Evil 2 im Test: So viel Horror steckt wirklich drin! | PS4, Xbox One, PC

Willkommen zurück in der Hölle von Raccoon City. Mit dem schaurig-schönen Remake von Resident Evil 2 zelebriert Capcom die Essenz von Survival-Horror so eindringlich wie noch nie. Wie uns der moderne Anstrich des Spiele-Klassikers gefallen hat, erfahrt ihr in unserem Test!

Resident Evil 2 Capcom
Resident Evil 2 im Test: So gut hat uns der Survival-Horror wirklich gefallen! Foto: Capcom

Klaustrophobie. Dieses Gefühl der völligen Eingeengtheit und Angst. Nicht mehr zu wissen, wie man aus einer ausweglosen Situation herauskommt. Kein anderes Spiel der jüngeren Vergangenheit hat mich als Spieler auch körperlich so vereinnahmt, wie das Remake von "Resident Evil 2". In den Gängen des Raccoon City Police Departements, umgeben von Dunkelheit, wankenden Zombies und einer nervenzerfetzenden Sound-Kulisse habe ich die vielleicht intensivsten Videospiel-Momente seit sehr langer Zeit erlebt. Und trotz Herzrasen, Angstschweiß und purem Stress: Den Controller gibt man in der Rolle von Leon oder Claire nur ungern aus der Hand.

Resident Evil 2: Die Stadt der Untoten ruft

Zwanzig Jahre ist es her, dass Spieler erstmals in die Rollen der Resident Evil 2-Protagonisten Leon und Claire geschlüpft sind. In Videospieljahren tatsächlich eine Ewigkeit. Auch deshalb musste das Remake des Capcom-Klassikers von Grund auf neu gestaltet werden. Mit der neuen RE Engine, die auch bei Resident Evil 7 zum Einsatz kam, gehört Resident Evil 2 visuell zu den eindrucksvollsten Titeln der Reihe: Das zeigt sich schon in der Intro-Sequenz der Leon-Kampagne, als ein LKW-Fahrer genüsslich in seinen Burger beißt, nur um im Radio zu erfahren, dass ein seltsamer Virus die Runde macht, der Menschen in wandelnde Bestien verwandelt. Schon der Start am Rande von Raccoon City vermittelt nicht nur in den Zwischensequenzen eine erstaunlich cineastische Aufmachung: Als Polizei-Frischling Leon durchforsten wir eine scheinbar verlassene Tankstelle und treffen natürlich auch zwangsläufig auf unsere fleischeslüsternen Widersacher. Hier zeigt sich auch erstmals die effektive Over-the-Shoulder-Perspektive, die natürlich eine der größten Änderungen zum Original darstellt.

Resident Evil 2 Claire, Tyrant and Licker
Resident Evil 2: Die neue Perspektive sorgt für einige Schreckmomente          Capcom Foto: Capcom

In der Tankstelle treffen wir auch erstmals auf Claire. Immer wieder kreuzen sich die Wege der beiden "Resident Evil 2"-Protagonisten im Verlauf der jeweiligen Singleplayer-Kampagne. Zu Beginn haben die Spieler noch die Wahl, ob sie mit Claire oder mit Leon in die Welt von „Resident Evil 2“ abtauchen wollen. Ein zweifaches Durchspielen lohnt sich nicht nur zur Achievement-Jagd: Denn trotz einiger Parallelen unterscheiden sich die jeweiligen Spiel-Erfahrungen teilweise deutlich voneinander. Wie im Original geht es auch in "Resident Evil 2" um den Ausbruch des G-Virus und die Jagd auf die Schuldigen der Umbrella-Corporation. Klar: Besonders subtil entwickelt sich die Geschichte nicht unbedingt. Doch die Atmosphäre erinnert meist an ein sympathisches B-Movie und beinhaltet einige äußerst emotionale und dramatische Höhepunkte, die wir euch natürlich nicht verraten möchten.

Limitierung ist der Schlüssel

Trotz neuer Engine und visueller Pracht bleibt "Resident Evil 2" seinen Wurzeln gameplaytechnisch treu: Die ersten Stunden verbringen Spieler bei "Leon" bspw. komplett im Raccoon City Police Departement, begeben sich auf die Suche nach Schlüsseln, Medaillons und Tresor-Passwörtern und fluchen immer wieder innerlich, wenn das Inventar voll ist und der nächste Speicherpunkt sehr fern. Und selbstverständlich ist die Schrottflinten-Munition verdammt knapp, was natürlich besonders ärgerlich ist, weil diese verdammten Untoten sich selbst nach einer Ladung von Pistolen-Salven gerne mal wieder vom Boden erheben. Immerhin: An den bewährten Schreibmaschinen kann (fast) unendlich oft gespeichert werden. Und die große Truhe zum Gegenstände ablegen ist nicht nur einmal Gold wert.

Diese Arten der künstlichen Limitierung mögen auf den ersten Blick fast schon etwas altbacken wirken: Doch die bewährte RE-Formell wirkt sich auf das Gameplay fast nur positiv aus. Denn dieser Stress der konstanten Hilflosigkeit, weil durch die zerbrochenen Fenster neue Zombies krabbeln, die Munition knapp wird und gleichzeitig ein unbesiegbarer Tyrann im Nebenraum lautstark in unsere Richtung marschiert, sind eben das dunkle Herz und die Seele von "Resident Evil 2". Und dann gibt es die Gegenseite: Es gibt kaum ein erfüllenderes Gefühl als die Kombination eines Schlosses herauszufinden und endlich den wichtigen Gegenstand zu bekommen, denn man seit einer Ewigkeit in den Gängen des Raccoon City Police Departements sucht. Rätsel und Kombinationsmöglichkeiten wurden teils von Grund auf neu entwickelt oder überarbeitet und wirken insgesamt sehr gut ins Spielgeschehen integriert.

Hübsche Untote | Von Kräutern und Craften

Von einer grafischen Brillanz eines "Red Dead Redemption 2" oder eines „God of War“ ist „Resident Evil 2“ trotz RE-Engine noch ein wenig entfernt: Dazu wirken vor allem die Texturen oftmals eine Spur zu unscharf und grobkörnig. Und trotzdem setzt die Präsentation des Capcom-Remakes die Messlatte in diesem Jahr schon erstaunlich hoch: Und das liegt nicht nur an der fantastischen Ausleuchtung des Spiels, sondern vor allem an den detaillierten Spieler- und NPC-Modellen. Man staunt nicht nur einmal nicht schlecht, wenn man einem Zombie mit einer Schrottflintensalve nicht nur um einen Kopf kürzer macht, sondern ihm auch noch fieserweise eine Armlänge abnimmt. Fast jeder Zombie wirkt wie ein bedrohliches Unikat. Und das macht die einzelnen Konfrontationen mit teilweise unfassbar expliziten Gore-Effekten auch umso spannender und bedeutungsvoller. Etwas seltsam erscheint nur hin und wieder das Trefferfeedback: Verschwendet man eine wertvolle Schrottflintensalve, obwohl man seinen Widersacher genau im Visier hatte, dann kann das einen fast zur ähnlichen Weißglut bringen, wie auf den Tyrant bzw. Mr. X im falschen Moment zu treffen.

Resident Evil 2 Capcom
Der Gore-Faktor erreicht in "Resident Evil 2" neue Maßstäbe!          Capcom Foto: Capcom

Neben Rätseln werden Spieler immer wieder auch zu kleineren Crafting-Einlagen gezwungen: So lassen sich aus verschiedenen Schießpulver-Arten neue Munition herstellen. Heilkräuter stellen glücklicherweise nicht nur Gesundheit her oder bekämpfen Vergiftungen, sondern wirken in Kombination auch umso effektiver. Und immer wieder lohnt es sich mysteriöse Gegenstände genauestens anzuschauen, um bspw. auf der Rückseite einen geheimen Schalter zu finden. Generell gewinnt das Inventar-Management nie die Oberhand, sondern wirkt gut in das Geschehen integriert.

Vier gewinnt - ein Stück Tofu

Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich die Kampagnen von Leon und Claire zwar nicht komplett, doch weisen vor allem im weiteren Verlauf einige große Unterschiede auf. Wer das Spiel dann beendet, wird mit einer aus dem Original wohlbekannten B-Storys belohnt - mit einigen spannenden Neuerungen in der jeweiligen Geschichte. Und wer nach vier Durchgängen dann immer noch nicht genug von Zombies, Mutanten und Raccoon City hat, darf sich am berühmt-berüchtigten Tofu-Modus austoben. 

Resident Evil 2: Fazit

Was für ein alptraumhaft-schöner Start ins Spielejahr 2019: Das Remake von Resident Evil 2 zelebriert Survival-Horror in seiner reinsten Form und liefert uns schon zu Jahresbeginn einer der intensivsten Spiele-Erfahrungen der letzten Zeit. Dank der tollen RE-Engine zaubert Capcom nicht nur eine von Grund auf überarbeitete Fassung seines Spiele-Klassikers auf die modernen Konsolen (und den PC), sondern begeistert mit einer tollen Präsentation, einer unfassbar nervenzerfetzenden Soundkulisse und mit der wohl gelungensten Darstellung von Zombies in der Videospielgeschichte. Selbst das etwas altbackene Gameplay bekommt dank neuer Rätsel, Crafting-Möglichkeiten und der schicken Third-Person-Perspektive in jeder Hinsicht ein Upgrade spendiert. So müssen moderne Remakes aussehen!

Testbericht: David Rams

Resident Evil 2 erscheint am 25. Januar für PS4, Xbox One und PC

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