„Michael“ verzichtet auf Missbrauchsvorwürfe

Von HBO gelöscht: Hier kannst du „Leaving Neverland“ noch streamen

Das Biopic „Michael“ verpasst Michael Jackson ein absolutes Saubermann-Image. Die Dokumentation „Leaving Neverland“ ist hingegen fast verschwunden.

Diverse Polaroids, die Michael Jackson mit verschiedenen Kindern zeigen.
Mehrere Anschuldigungen aus „Leaving Neverland“ wurden seit der Veröffentlichung widerlegt oder zumindest angezweifelt. Foto: TMDB

Die Diskussion um Michael Jackson begleitet auch das neue Biopic Michael weiter – allerdings nur indirekt. Denn während der Film die Missbrauchsvorwürfe gegen den Sänger komplett ausspart, ist die Doku „Leaving Neverland“ in den USA inzwischen aus rechtlichen Gründen aus dem Programm von HBO Max verschwunden.

„Leaving Neverland“ lief 2019 zuerst bei HBO und galt vielen als Dokumentation, die Jacksons Vermächtnis dauerhaft prägen könnte. Doch nach einem juristischen Vergleich mit dem Jackson-Nachlass wurde der Film nach sechs Jahren von der Plattform entfernt. Laut Regisseur Dan Reed fallen die Rechte an der Doku im Jahr 2029 wieder an ihn zurück, dann plant er eine erneute Veröffentlichung.

Warum HBO die Doku entfernte

Reed verweist auf einen alten Vertrag zwischen Jackson und HBO über eine Konzertaufnahme aus Budapest von 1992. Darin habe es eine Non-Disparagement-Klausel gegeben, also eine Vereinbarung, die abwertende Aussagen über Michael Jackson untersagt haben soll. Der Jackson-Nachlass habe argumentiert, diese Klausel gelte dauerhaft auch für spätere HBO-Produktionen – eine Sicht, die Reed als „offensichtlich absurd“ bezeichnete.

Aus Sicht des Regisseurs ist besonders bitter, dass der Film zwar aus dem US-Programm verschwunden ist, aber eben nicht aus der Debatte. In den USA ist es aktuell nur möglich, „Leaving Neverland“ durch inoffizielle Uploads auf YouTube zu streamen.

Ein Film ohne dunkle Kapitel

Dass die Vorwürfe im neuen Biopic nicht vorkommen, war offenbar keine kreative, sondern vor allem eine juristische Entscheidung. Ursprünglich sollte „Michael“ mit den Anschuldigungen von 1993 beginnen und ein großer Teil des dritten Akts den Folgen des Skandals gewidmet sein. Nach dem Hinweis auf eine Vergleichsklausel im Fall Jordan Chandler wurden diese Szenen jedoch gestrichen.

Stattdessen endet der Film nun nicht mit den schwersten Vorwürfen gegen Jackson, sondern mit einem Bild des Stars auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Genau das sorgt jetzt für Kritik, auch wenn eine wahrscheinliche Zweiteilung des Films die Jahre der Anschuldigungen eh in den nächsten Film verschoben hätten.

So findest du den Stream

Wer sich selbst ein Bild machen will, kann „Leaving Neverland“ in Deutschland aktuell bei RTL+ streamen. Dort ist die Dokumentation als zweiteilige Serie gelistet, inklusive der einzelnen Episoden. Auch „Leaving Neverland 2 – Kampf um die Gerechtigkeit“ ist dort verfügbar.

Quellen