Filmkritik

„Stromberg – Wieder alles wie immer“ stellt Kino-Rekord auf – doch wie gut ist der Film wirklich?

Ein herrlich chaotisches Wiedersehen: „Stromberg – Wieder alles wie immer“ bringt die alte Capitol-Crew zurück, liefert Nostalgie, derbe Sprüche und frischen Cringe – trifft aber nicht immer den Ton der guten alten Zeit.

Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) gestikuliert am Schreibtisch.
Nach elf Jahren kehrt Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) zurück auf die Leinwand. Foto: MadeFor/Stephan Rabold

Manchmal werden die Karten ja noch einmal ganz neu gewürfelt – und manchmal zieht man einfach wieder die gleichen alten Mobbing-Asse aus dem Ärmel. Genau dieses wohlig-beklemmende Gefühl beschert uns „Stromberg – Wieder alles wie immer“, das große Reunion-Spektakel, das beweist: Auch zwanzig Jahre nach Kantinen-Gulasch ohne Veggie-Alternative und Teambuilding durch Demütigung funktioniert dieses ganz spezielle Universum erstaunlich gut. Oder wie Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) es formulieren würde: „Ich bin ganz der Alte, nur in besser.“ Spoiler: in mancherlei Hinsicht stimmt das sogar.

Der neue „Stromberg“-Streifen hat im Kino einen fulminanten Start hingelegt. Direkt zum Auftakt lockte er 217.067 Zuschauerinnen und Zuschauer in die roten Sessel. Teil 2 von „Wicked“ kann von solchen Rekordbesucherzahlen hierzulande nur träumen. Einzig „Zoomania 2“ kann Bernd und seiner Crew die Stirn bieten, bezwingt „Wieder alles wie immer“ sogar um Längen.

Doch wie viel Substanz steckt hinter dem neu entfachten „Stromberg“-Hype?

Schon in den ersten Minuten fährt der Film all das auf, was Fans seit Jahren vermisst haben: betretenes Schweigen, falsch verstandene Lebensweisheiten und das Gefühl, dass sich irgendwo zwischen Druckern, Kaffeemaschinen und Personalakten die Menschheit evolutionär verlaufen hat. Und dann kommt endlich die alte Truppe zusammen.

Erstklassige Nostalgie: Die Capitol-Familie ist zurück

Endlich erfahren wir, was aus den alten Cringe-Heldinnen und -Helden wurde: Wo sie heute arbeiten, wer jetzt mit wem zusammen ist, wer sich verändert hat und wer auf dem Entwicklungsstand von damals stehengeblieben ist.

Wenn Ernie (Bjarne Mädel) ins Bild tritt, mittlerweile als selbst ernannter Anti-Mobbing-Guru mit Buch, Coaching und „Du-bist-kein-Opfer“-Attitüde, dann knirscht es zunächst gewaltig. Nicht, weil sein neues Ich schlecht gespielt wäre – im Gegenteil –, sondern weil diese Figur so sehr mit der Opferrolle verwoben war, dass sein neues Selbstbewusstsein fast ein eigener Plottwist ist. Für alte Fans fühlt es sich ein wenig an wie „Burger auf der Autobahnraststätte“: Man versteht, wie es passieren konnte, aber ganz richtig ist das hier nicht.

Tanja Steinke (Diana Staehly) hingegen wirkt, als habe sie die Capitol nie verlassen: betont kompetent, leicht genervt, und dank ihres mittlerweile erwachsenen Pflegesohns Marvin (Max Kluge) manchmal kurz vor mütterlichem Nervenzusammenbruch. Marvin arbeitet jetzt in der Poststelle, steht aber intellektuell eher „in der Warteschlange“. Herrlich. Als Stromberg entdeckt, dass der junge Mann queer ist, versucht er sich im „woken“ Gespräch – und landet, wie erwartet, irgendwo zwischen peinlich und unbeholfen. Aber Marvin nimmt’s sportlich. Man spürt: Die Jugend hat sich weiterentwickelt. Stromberg nicht.

Ulf (Oliver Wnuk) wäre „so ’ne Art Bereichsleiter“ geworden, wenn er nicht „keinen Bock“ gehabt hätte. Was absolut Sinn ergibt. Manche Menschen sind einfach geboren für die ewige Sandwichposition im Bürogefüge. Ein Rebell mit feschem Beintattoo ist er aber trotzdem, keine Frage!

Und dann ist da Jennifer „Schirmchen“ Schirrmann (Milena Dreissig) – die heimliche Gewinnerin dieses Films. Ihre neue Beziehung mit dem jüngeren Content-Creator Julian (László Branko Breiding) ist toxisch auf eine Art, die selbst Trash-TV in die Knie zwingen würde. Julian filmt ALLES. Und zwar auf die unangenehme „Ich habe keine Medienkompetenz, aber Influencer-Attitüde“-Art. Dass er für Stromberg ein Sicherheitsrisiko ist, versteht sich von selbst. Und dass Jenny erklärt, sie sei im Grunde nur mit Julian zusammen, da ihr früher allzu oft fehlgeleitetes Bauchgefühl (Grüße an Bernd Stromberg gehen raus!) ihr „ganz, ganz klar“ davon abgeraten, ist purer Stromberg-Humor. Großartig!

Ernie, Stromberg und Ulf sitzen bei einem Bierchen zusammen.
Bernd Stromberg ist zurück – und behandelt Ernie und Ulf fast genauso schlecht wie früher. Foto: Stephan Rabold/MadeFor Film

Stromberg – jetzt auch mit Gendersternchen (theoretisch)

Bernd selbst arbeitet inzwischen bei einem Multi-Purpose-Unternehmen, wo er – so behauptet er zumindest – wieder eine Chefposition innehat. Am Kaffeeautomaten versucht er sich im Gendern, was ungefähr so geschmeidig läuft wie ein Windows-Update von 2002. Dass seine Position dort später ganz anders aussieht, ist keine Überraschung – aber durchaus ein amüsanter Seitenhieb auf moderne Arbeitskultur. Oder wie Stromberg sagen würde: „Wir stellen hier keine Arbeit bereit, wir stellen Aufgaben zur Verfügung.“

Ganz der Alte also. Und doch … in der zweiten Filmhälfte zeigt die Figur eine neue, aggressivere Seite. Plötzlich wird Stromberg körperlich – was irritiert, weil es den bisherigen Charakterrahmen sprengt. Hier merkt man deutlich: Die Reunion trägt nicht durchgehend. Die zweite Hälfte verliert an Leichtigkeit und verlässt häufiger die sichere Humor-Schiene.

Der Film selbst scheint das zu wissen, versorgt uns als Entschädigung mit massig neuen Stromberg-Sprüche wie: „Der Sündenbock ist kein Herdentier“ oder „Mit zwei Armleuchtern im Raum wird’s ja nicht automatisch heller“.

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Erste Hälfte Top, die zweite eher so lala

Gerade weil die zweite Hälfte erzählerisch etwas ausfranst, wirken die Momente umso stärker, in denen der Film auf seine eigentliche Superpower setzt: die alte Capitol-Truppe im direkten Kontakt. Das erste große Wiedersehen der Crew gehört klar zu den Highlights – hier prallen vertraute Dynamiken aufeinander, als hätte niemand in den letzten zwanzig Jahren auch nur einen einzigen Tag Teambuilding versucht. Und spätestens beim gemeinsamen Abend in der Kneipe zeigt der Film, wie gut dieses Ensemble immer noch harmoniert: leicht schäbig, leicht betrunken, leicht überfordert – genau die Mischung, wegen der man Stromberg liebt. Da stimmt der Rhythmus, da stimmt der Biss, und obwohl alles ein bisschen anders ist, funktioniert doch alles wie damals.

Und auch, wenn Fans aus nachvollziehbaren Gründen auf Erika (Martina Eitner-Acheampong) verzichten müssen, gibt es im Mittelteil zumindest ein Wiedersehen mit einer anderen wichtigen Frau aus Strombergs altem Leben: Nicole Rückert (Angelika Richter). Die besucht er spontan – offenbar für ein Verzweiflungs-Stelldichein. Dramaturgisch natürlich weniger relevant, aber ein netter Gruß aus der Vergangenheit. Auch hier liefert Stromberg einen Satz, der so maximal neben der Spur ist, dass man sich zwischen Lachen und Fremdscham hin und her windet: „Das war ja alles vor Me-Too. Das wusste damals ja keiner mit den Frauen.

Im direkten Vergleich zum schönen Auftakt des Films fällt das Ende mit seiner großen TV-Reunion überraschend blass aus. Eigentlich hätte das der fulminante Abschluss sein können – ein letztes großes Stromberg-Feuerwerk mit Fremdscham-Garantie. Doch statt Bernd und der alten Chaoscrew bekommt vor allem Julian unverhältnismäßig viel Raum, was dem Finale die Luft rausnimmt. Das typische Stromberg-Knistern bleibt aus, echte Cringe-Momente werden verschenkt, und die ganze Inszenierung wirkt eher pflichtbewusst glattgezogen als pointiert bissig.

Der neue „Stromberg“-Film ist nicht perfekt, aber sehr nah dran an dem, was Fans wollen

„Stromberg – Wieder alles wie immer“ trifft oft den richtigen Ton, besonders am Anfang. Die Dialoge sitzen, die Figuren funktionieren weitgehend noch so, wie wir sie lieben, und manche Szenen sind Comedy-Gold. Jenny bleibt wunderbar authentisch. Ulf und Tanja haben sich noch weiter voneinander entfernt, was sie uns umso vertrauter macht. Stromberg selbst ist eine Mischung aus Witzfigur, Mitleidsträger, Relikt und Spiegel moderner Absurditäten – und manchmal immer noch ein „Spermie mit Chef-Potenzial“.

Doch der Film schwächelt, wenn er lauter und physischer werden will. Der Humor trägt, die Nostalgie trägt – aber nicht jede neue Idee. Trotzdem: Für Fans ist dieses Wiedersehen ein Geschenk, das genug Stromberg-Feeling liefert, um mehrfach laut zu lachen und sich gleichzeitig vor Fremdscham im Kinosessel vergraben zu wollen.

Oder um es mit Stromberg zu sagen: „Manchmal werden die Karten ganz neu gewürfelt… auch wenn das Spiel eigentlich schon fast aus ist.“

„Stromberg – Wieder alles wie immer“ läuft seit dem 4. Dezember 2025 im Kino!

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