„Arme Menschen genüsslich gegeneinander ausgespielt“

ZDF kassiert Programmbeschwerde – diese Sendung ist der Stein des Anstoßes

Präsentierte das ZDF in einer Dokumentation zum Thema Bürgergeld ein verzerrtes Bild? Beim Fernsehrat ging nun zumindest eine Beschwerde ein.

Das ZDF-Logo, durchzogen von einem Blitz.
Die Regisseurin des ZDF-Programms hat sich mittlerweile gerechtfertigt. Foto: ZDF/Freepik

Eine ZDF-Dokumentation über Bürgergeld sorgt für heftige Kritik – und führt nun zu einer offiziellen Programmbeschwerde. Der Verein „Sanktionsfrei“ hat beim ZDF-Fernsehrat Beschwerde eingelegt und wirft dem Sender vor, die Berichterstattung sei weder sachlich noch ausgewogen.

Am 14. Mai 2026 lief im ZDF die Sendung „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“. Im Mittelpunkt stand der Alltag von Menschen im Bürgergeldbezug. Besonders umstritten war ein Mann, der nach eigenen Angaben seit vier Jahrzehnten bewusst vom Staat lebt.

In der Dokumentation prahlt er: Nach der Lehre wurde ich mal kurz arbeitslos und stellte fest: Ups, du kriegst ja ohne zu arbeiten doch eine ganze Menge Geld. So schlecht ist das ja gar nicht.“ Er bekommt monatlich 1.750 Euro vom Staat und erklärt, wie er es geschafft habe, „fast ununterbrochen den Anspruch auf das deutlich lukrativere Arbeitslosengeld zu sichern“.

Auch an anderer Stelle lobt er das deutsche Sozialsystem: „Es hätte in keinem anderen Land der Welt so funktioniert – weder in Holland, Schweiz, Dänemark, wo auch immer. Kompliment und Dankeschön an den deutschen Staat!“ Zudem wurde ein Mann gezeigt, der neben dem Bürgergeld rund 45.000 Euro schwarz verdient haben soll.

„Sanktionsfrei“ reicht Beschwerde ein

Der Verein „Sanktionsfrei“ reicht nun eine Programmbeschwerde beim ZDF-Fernsehrat ein. Der Vorwurf: Die Berichterstattung sei weder sachlich, ausgewogen noch diskriminierungsfrei.

Auf Instagram schreibt der Verein: „Die Sendung arbeitet aus unserer Sicht mit drastischen Einzelfällen, fehlender Einordnung und mehrfachen pauschalisierenden negativen Zuschreibungen gegenüber Bürgergeldbeziehenden.“

Zu den zentralen Kritikpunkten gehören laut dem Verein:

  • Sozialleistungsbetrug werde verzerrt dargestellt

  • Erkrankungen würden bagatellisiert

  • Migration werde problematisch und unbelegt mit Sozialleistungsmissbrauch verknüpft

Helena Steinhaus, Gründerin des Vereins, schrieb auf Instagram: „Hier werden auf 45 Minuten arme Menschen genüsslich gegeneinander ausgespielt und rassistische Ressentiments geschürt.“

Die Moderatorin der Sendung, Sarah Tacke, hat sich nun zu Wort gemeldet und die Kritik zurückgewiesen. Auf der Plattform X schreibt sie: „Klar ist: Die allermeisten beziehen Bürgergeld zu Recht. Aber ein System muss Missbrauch verhindern – sonst verliert der Sozialstaat Akzeptanz. Und die neue Grundsicherung bringt zwar härtere Sanktionen, ein echter Systemwechsel ist sie aber nicht.“

Quellen