„Wicked: Teil 2“: „Zum ersten Mal fühl‘ ich mich irgendwie Wicked!“ | Filmkritik
Was auf den ersten Blick wie eine pinke Geschichte über Magie und Freundschaft wirkt, ist in Wahrheit ein düsterer Spiegel unserer Gesellschaft. Aber lohnt sich ein Kinobesuch?

Heute kommt der 2. Teil der Verfilmung „Wicked“ in die Kinos. Alle Musicalfans werden nicht enttäuscht sein – und auch die Message des Films sollte jeden einzelnen von euch vor die Leinwand ziehen. Regie führt wieder der preisgekrönte Regisseur Jon M. Chu. Der Film basiert auf einem der bekanntesten Broadway Musicals „Wicked – die Hexen von Oz“, mit der Musik von Stephen Schwartz und dem Buch von Winnie Holzmann, die gemeinsam mit Dana Fox auch das Drehbuch zum Film verfasste. Die Altersfreigabe liegt diesmal bei 12 Jahren, anders als im ersten Teil, der bereits ab 6 Jahren freigegeben war. Das liegt wohl daran, dass der Teil durchaus etwas düsterer ist als sein Vorgänger…
Das passiert in „Wicked“ Teil 2
Elphaba (Cynthia Erivo) und Glinda (Ariana Grande) gehen getrennte Wege, nachdem Elphaba als „Böse Hexe des Westens“ gebrandmarkt wurde und nun im Verborgenen um die Freiheit der unterdrückten Tiere kämpft und versucht, die traurige Wahrheit über den Zauberer Oz (Jeff Goldblum) zu enthüllen. Glinda dagegen wird zum strahlenden Symbol des Guten – und gerät dabei immer stärker in die politischen Intrigen von Oz und Madame Akaba (Michelle Yeoh).
Während Glindas Hochzeit mit Fiyero (Jonathan Bailey) näher rückt, verschärfen neue Gefahren die Lage in Oz: Ein wütender Aufstand formiert sich, Elphabas Schwester Nessa Rose (Marissa Bode) schwebt in Gefahr, und ein mysteriöses Mädchen aus Kansas taucht auf.
Am Ende müssen Elphaba und Glinda noch einmal entscheiden, ob ihre außergewöhnliche Freundschaft stark genug ist, um den Lauf von Oz endgültig zu verändern.
Der Schein trügt: Worum geht es in der Geschichte wirklich?
Wir sehen in diesem Teil einen Kontrast von dem Guten und „Schönen“, aber nicht immer Echten – und dem Wahren, aber „Hässlichen“. Sowohl Glinda als auch Elphaba wollen eigentlich nur an das Gute glauben, und dafür kämpfen. Elphaba geht dabei den einsamen und radikaleren Weg, bleibt aber ihren Werten dabei immer treu. Glinda dagegen, scheint auf den ersten Blick das perfekte Leben zu führen. Verlobt mit Fiyero, eine eigene Suite in der Smaragdstadt und sogar eine Seifenblase, mit der sie vermag, sich schwebend fortzubewegen, obwohl sie keine eigene Magie besitzt. Nach und nach wird klar, dass das alles nur eine Fassade ist. Fiyero liebt in Wahrheit Elphaba, und dass der Zauberer von Oz sowie Madame Akaba die Bösen in der Geschichte sind, dürfte bereits im ersten Teil schon deutlich geworden sein. Und trotzdem: Glinda möchte dieses Leben als „die Gute“ so sehr, dass sie darüber hinwegsehen kann.

„Wicked“ Teil 2: Ein politisches Statement
Der zweite Teil ist definitiv weniger pink und „bubbly“, aber dafür im Hinblick auf die politische Lage wertvoll. Wir sehen, das vermeintlich „Schöne“, was sich doch als unecht entpuppt. Es ist nur ein Schein, eine Lüge, die die Menschen glauben, weil es einfacher ist. Den Tieren wird im Film die Bedeutung als Sündenbock für die Gesellschaft zugeschrieben. Der Film spiegelt auf unglaublich glaubwürdige Weise unsere Gesellschaft wider und wie sie funktioniert: Die Menschen suchen sich immer einen Sündenbock.
In einer Szene wird diese Ebene besonders deutlich: Die Tiere wollen fliehen. Elphaba versucht sie zu stoppen und ermutigt sie weiterzukämpfen. Das zeigt vor allem ihre Stärke und ihren Mut. Wir erfahren vorher, wie sie all die Zeit allein gelebt hat, in einer bescheidenen Waldhütte – und trotzdem findet sie immer wieder die Kraft für sich und diejenigen, die keine Stimme haben, einzustehen. Sie glaubt immer an das Gute und, dass sie die Welt noch ändern könne. Die Tiere dagegen sind es leid, ständig kämpfen zu müssen. Sie müssen fliehen vor der Unterdrückung von Oz, weil sie nicht so leben können. Auch das wiederum ist die Realität vieler Menschen auf der Welt, die ihre Heimat verlassen müssen, weil sie von oberen Mächten unterdrückt werden.

Eine weitere Ebene eröffnet auch die „einfache“ Sprache und die spektakuläre Show, die bei den Zuschauer:innen zunächst für Verwirrung sorgen kann. Diese Reaktion im Publikum ist vermutlich Absicht – denn im Film passiert genau das: Oz und Madame Akaba nutzen die Mittel zur Inszenierung ihrer Realität und ihrer Propaganda, um das Volk zu überstimulieren und damit zu verhindern, dass sie anfangen Dinge zu hinterfragen. Das ist gleichzusetzen mit der Inszenierung in der Politik, wie wir sie vielfach auf der Welt finden.
Der Film zeigt auf spannende und emotionale, aber auch zugängliche und erschreckend aktuelle Weise wie Politik und Gesellschaft funktioniert und stellt diese Art und Weise damit stark unter Kritik, personifiziert durch die Rolle der Elphaba.
Schauspiel und Musik: Perfekte Symbiose
Die schauspielerische Leistung von Cynthia Erivo und Ariana Grande waren herausragend, ebenso deren Gesangs-Performances. Die Chemie der beiden macht auch hier den Film aus, vor allem die emotionalen Szenen am Ende, wo besonders Ariana Grande heraussticht. Aber auch Cynthia Erivo bleibt ihrer Authentizität aus dem ersten Teil treu und verkörpert die Rolle der Elphaba so echt, dass man bei einigen Szenen das Gefühl hat, sie würden gar nicht schauspielern. Wer die beiden aus ihren Interviews kennt, weiß auch, dass sie auch im realen Leben eine sehr tiefe Verbundenheit haben, welche On-Screen deutlich zu sehen ist. Aber auch Jonathan Bailey, Jeff Goldblum und Michelle Yeoh können ihre Charaktere weiterentwickeln, auch wenn das Ende offenbleibt und nicht ganz klar wird, wie es mit all den Charakteren weitergeht.
Die Musik von Stephen Schwartz berührt auf eine ganz besondere Weise und untermalt das Gesehene hervorragend. Sowohl Ariana als auch Cynthia haben aber noch jeweils einen weiteren Song dazu bekommen. Die getreue Erzählung der Geschichte „Der Zauberer von Oz“ verleiht dem Film noch mehr Tiefe und überzeugt genauso, wenn nicht noch besser, wie im ersten Teil.
Kritik: Dieser Schlüsselmoment kommt zu kurz
Es gibt einen sehr wichtigen Moment, wahrscheinlich einer der wichtigsten im Film, dessen Auflösung viel zu kurz kommt. Ein kurzer Moment, der Aufschluss darüber geben soll, warum Elphaba so ist, wie sie ist: Ein Kind aus zwei Welten. Die Scheinwelt bricht daraufhin zusammen. Doch dieser Wendepunkt wird fast schon nebenbei erwähnt.
Wichtig ist auch: Wer die Originalgeschichte „Der Zauberer von Oz“ nicht kennt, sollte sich die vorher zumindest mal durchlesen. Die Verschmelzung der Storylines ist perfekt umgesetzt, doch ohne das eine, kann das andere nicht funktionieren. Wer das Ende verstehen möchte, und auch das Schicksal von Bok (Ethan Slater), Fiyero und Elphaba, der sollte einen Blick ins Original werfen.
Fazit: Lohnt sich ein Kinobesuch?
Wer nach dieser Kritik nicht überzeugt ist, der sollte erst recht ins Kino gehen und in die fabelhafte Welt von Oz eintauchen. Sowohl das Musical als auch die beiden Filme erzählen eine berührende Geschichte darüber, was eine tiefe Freundschaft alles bewirken kann und wie wichtig es ist für sich, und für andere einzustehen! Der zweite Teil schafft es ebenso zu „verhexen“, wie bereits der Erste.
Quellen
Universal Studios / WICKED Teil 2









