„Tatort“ heute: Märchenstunde im Ersten – Kritik zum Fall „Das jüngste Geißlein“ aus dem Schwarzwald
Seit dem letzten Schwarzwald-„Tatort“ sind nicht einmal zwei Monate vergangen, und schon sind Tobler und Berg mit einem neuen Krimi zurück. Die Antwort, ob der Fall „Das jüngste Geißlein“ funktioniert, haben wir parat …

Ein Mädchen in einem Uhrenkasten, komplizierte Fronten zwischen Tobler und Berg und eine Leiche im Fluss: Der neueste Fall „Das jüngste Geißlein“ aus dem Schwarzwald fährt allerlei Geschütze auf – doch macht man viel Lärm um nichts, oder haben wir es hier mit einer Perle zu tun?
- „Das jüngste Geißlein“: Handlung
- Märchenstunde im wahrsten Sinne des Wortes: „Das jüngste Geißlein“ wirkt einschläfernd
- Der Berg ruft und Tobler tobt: Die zwei Lichtblicke in „Das jüngste Geißlein“
- Mehr Kinder als im Kinderfernsehen: „Das jüngste Geißlein“ führt das Muster weiter
- Fazit: Perfekt zum Einschlafen – mehr aber auch nicht
„Das jüngste Geißlein“: Handlung
Eigentlich wollte Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner) entspannt in den Tag starten, doch eine besorgte Anwohnerin schickt ihn zu einem Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Dort entdeckt er ein junges Mädchen (Hanna Heckt), das sich in einem Uhrenkasten versteckt. Die Befragung des Kindes stellt sich als Herausforderung heraus, da sie unter selektivem Mutismus leidet. Dennoch ist Ermittlerin Tobler (Eva Löbau) determiniert, herauszufinden, was mit den Eltern des Kindes passiert ist.
Märchenstunde im wahrsten Sinne des Wortes: „Das jüngste Geißlein“ wirkt einschläfernd
Was man dem neuesten Fall aus dem Schwarzwald lassen muss, ist, dass sich Mühe gegeben wurde. Ähnlich wie bei „Murot und der Elefant im Raum“ lässt sich erkennen, dass es einen inszenatorischen Stil gibt. Ein gewisses Maß an Passion sprüht einem vor allem entgegen, wenn der „Tatort“ tatsächlich anfängt, eine eigene Interpretation von „Der Wolf und die sieben Geißlein“ darzubieten.
Aber dieser künstlerische Ansatz hilft nicht über die Tatsache hinweg, dass man sich durch einen unsäglich langweiligen „Tatort“ quälen muss. Die Frage danach, wer in dieser Geschichte der Wolf sein könnte, wird zwar gegen Ende interessant aufgelöst, aber bis man an diesem Punkt überhaupt ankommt, muss man sich durch 70 bis 80 Minuten gähnender Langeweile kämpfen.
Der Berg ruft und Tobler tobt: Die zwei Lichtblicke in „Das jüngste Geißlein“

Dabei meint man es im Schwarzwälder „Tatort“ grundsätzlich gut. Kaum ein anderer Beitrag aus dieser langlebigen Kriminalreihe setzt so sehr auf Kontinuität und einheitliche Charaktere. Anders als in Dresden, wo sich Charaktereigenschaften aus den Fingern gesaugt werden, sind Tobler und Berg Figuren, die stets an dem zu nagen haben, was in den vorherigen Fällen passiert ist.
Diesmal ist es Tobler, die sich sehr schwer damit tut, ohne ihren Kollegen Berg zu arbeiten. Die Verbundenheit beider und die damit einhergehende romantische Spannung erinnert in den stärkeren Momenten an Mulder und Scully aus „Akte X“, denen man auch nur „Küsst euch endlich!“ entgegenrufen wollte. Leider sind Tobler und Bergs gemeinsame Momente in diesem „Tatort“ spärlich, was ebenfalls erklären dürfte, warum das Seherlebnis eher dürftig ist.
Mehr Kinder als im Kinderfernsehen: „Das jüngste Geißlein“ führt das Muster weiter
Ein weiterer Kritikpunkt ist einer, den ich schon für den Fall „Nachtschatten“ aus Dresden aufgebracht hatte: In letzter Zeit hängen sehr viele Fälle mit Kindern zusammen, was per se nichts Schlechtes ist, aber die Krimireihe doch etwas eintönig wirken lässt. Allein die letzten drei Fälle hatten Kriminalvergehen rund um Kinder in den Fokus der Handlung gestellt, weshalb man nur hoffen kann, dass dieser Umstand in den kommenden Wochen nachlässt.
Fazit: Perfekt zum Einschlafen – mehr aber auch nicht
Mehr gibt es über „Das jüngste Geißlein“ auch kaum zu sagen. Es ist ein klassischer „Tatort“ im furchtbarsten Sinne: langweilig und ebenso ungefährlich. An den schönen Bildern aus dem Schwarzwald wird sicherlich manch einer oder manch eine seine oder ihre Freude haben – passt die Optik doch sehr gut zu den Schneemassen, die sich in Teilen Deutschlands niederlegen –, aber mehr als das bekommt man kaum geboten. Tobler und Berg haben Besseres verdient – die Zuschauer und Zuschauerinnen auch.









