„Tatort“ heute: Auf eine Runde Cluedo mit Batic und Leitmayr – Kritik zum Fall „Das Verlangen“ aus München
Auch die ARD hat Weihnachtsgeschenke und diese lauten Batic und Leitmayr – in ihrem neuen Fall „Das Verlangen“. Warum dieser Fall grandios ist, kannst du in unserer Kritik lesen.

Was für ein Theater: Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ermitteln in einem ihrer letzten Fälle. Dieser führt in die schillernde Welt des Theaters, wo die beiden „grauen Herren“ einen Mord aufklären müssen. Die Auflösung, warum dieser Fall ein mehr als gelungenes Weihnachtsgeschenk ist, erfahrt ihr wie folgt …
- „Das Verlangen“: Davon handelt der neueste „Tatort“
- Die perfekte Gradwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß: So wäre man in Münster gern
- Ein Fall, der zu den Feiertagen passt: „Das Verlangen“ ist das, was wir verdienen
- Affektiertes Schauspiel: Das zweischneidige Schwert des Theaters
- Besser war es dieses Jahr selten: „Das Verlangen“ ist einer der besten Fälle des Jahres
„Das Verlangen“: Davon handelt der neueste „Tatort“
Pures Chaos in einem renommierten Münchner Theaterhaus: Während einer Aufführung von Tschechows „Die Möwe“ fällt die Schauspielerin Nora Nielsen (Giulia Goldammer) tot um. Für Batic und Leitmayr wird dieser Umstand zu einer stressigen Ermittlung, denn fast jeder und jede Angestellte birgt ein mögliches Motiv, Nielsen umgebracht zu haben. Und während die Proben mit neuer Besetzung für den nächsten Abend begonnen haben, widmen sich Batic und Leitmayr alle Verdächtigen – in einer an ein Kammerspiel-anmutender Erzählung.
Die perfekte Gradwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß: So wäre man in Münster gern
„Wer hat denn dieses Theater gebaut? Kafka?“ Batic und Leitmayr haben die Nase gestrichen voll von der wirren Welt des Theaters. Zurecht, denn das wohl am längsten ermittelnde „Tatort“-Duo findet sich plötzlich in einer Partie Cluedo wieder – oder eben der daraus resultierenden Filmversion „Alle Mörder sind schon da“ (1985).
Das bedeutet, dass die beiden Silberlocken zwar kontinuierlich ermitteln und sich verschiedensten Drehungen und Wendungen gegenüberstehen sehen, sich aber trotz dessen nie zu schade sind, hier und dort einen Spruch zu drücken: „Im Theater hat jeder etwas jedem.“ Damit bilden sie die Antithese zu den Fällen aus Münster, die vielen Zuschauern und Zuschauerinnen zu klamaukig sind und selten den Balanceakt zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß wandern können.
Ein Fall, der zu den Feiertagen passt: „Das Verlangen“ ist das, was wir verdienen
Auch wenn es pure Willkür ist, aber es fühlt sich so an, als hätte die ARD die Beschwerden bezüglich ihrer „Tatort“-Doppelfolge ahnen können, denn nichts, was letzte Woche bemängelt wurde, lässt sich hier finden: keine Untertitel, nicht zu düster und kein Genuschel seitens Wotan Wilke Möhring. Stattdessen wird man in eine leichtfüßige Welt entführt, in der ein klassischer Krimi entführt wird. Ähnlich wie der Fall „Letzte Ernte“ ist „Das Verlangen“ ein Rätsel, bei dem alle Zusehenden mitraten dürfen. Intrigen gibt es eben nicht nur unter manchem Weihnachtsbaum, sondern auch beim „Tatort“.
Affektiertes Schauspiel: Das zweischneidige Schwert des Theaters
Eine Sache, an der sich manch eine und einer aber stören dürfte, ist das Schauspiel. Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl sind hierbei kein Problem – sind die beiden doch nach so langer gemeinsamer Dienstzeit eingespielt –, aber der Rest der Darsteller und Darstellerinnen variiert in der Qualität.
Im Theater gilt meist die Regel, dass man so spielen sollte, dass man noch in der letzten Reihe verstanden werden kann. Nun gibt es jene, denen ein solches Schauspiel gefällt, aber einem großen Teil des Publikums ist so etwas auch zu überzogen. All jene, die zu der zweiten Partei gehören, dürften stellenweise wohl etwas genervt sein, denn ein nicht kleiner Teil des „Tatort“-Theaters zeigt Schauspieler und Schauspielerinnen bei ihrer Arbeit. Einerseits kann man daran jetzt loben, dass der gesamte Cast in der Lage ist, das affektierte Schauspiel von Theaterdarstellern gut einzufangen, aber ändert das etwas an der Tatsache, dass man sich trotzdem Schauspiel ansehen muss, was man sonst meidet?
Besser war es dieses Jahr selten: „Das Verlangen“ ist einer der besten Fälle des Jahres
„Nicht schlecht. Eine gute Vorstellung.“, so eine der Theaterdarstellerinnen zu Batic und Leitmayr gegen Ende des Falles. Und recht hat sie! Das Duo aus München beweist auf seine letzten Tage erneut, dass sie weiterhin eine Qualitätsbastion des „Tatort“ bleiben. Spätestens dann, wenn die beiden Herren das Theater verlassen und sie im Styropor-Schnee stehen, spürt man den Wermutstropfen umso mehr, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die beiden in ihrem letzten Fall ermitteln.
Doch bis diese Zukunftsmusik im nächsten Jahr real wird, steht erst einmal allen Fans der letzte „Tatort“ dieses Jahres bevor. Am 28. Dezember ermittelt nämlich Kommissar Murot (Ulrich Tukur) in Wiesbaden in einem mehr als experimentellen Fall … ob das Experiment gut geht, finden wir alle gemeinsam diesen Sonntag heraus.









