Sarah Engels: Düstere Prognose – selbst die ARD glaubt nicht an Deutschland
Am Samstag wird es wieder Zeit, sich an 25 ESC-Beiträgen zu erfreuen, um sich anschließend über das end- und erfolglose Voting zu ärgern.

Es läuft eigentlich wie immer: Mit Sarah Engels und ihrem Song „Fire“ wurde ein deutscher Beitrag für den ESC gewählt – und die vorherrschende Meinung lautet: Das kann ja nicht klappen! Das kann als Kritik an Engels oder „Fire“ selbst verstanden werden, muss es aber nicht, denn hierzulande tut man gut daran, wenn man pessimistisch oder zumindest nicht mit dem Sieg im Kopf an den ESC herantritt.
Wirkliche Erfolge sind selten und lange her, Fans des Gesangswettbewerbs hoffen höchstens, dass sich unser Beitrag nicht blamiert. Aber dann kommt kurz vor dem ESC die gefährliche Hoffnung: Engels, so sagt man, soll bei den Generalproben alle begeistern, mit einer beeindruckenden Bühnenshow und einer überarbeiteten Version von „Fire“. Könnte es also wirklich sein, dass 2026 ein kleines Wunder geschieht und wir den ESC endlich wieder nach Deutschland holen? Nein!
Nicht mal die ARD hat Vertrauen

Um dem ESC-Hype gerecht zu werden, bietet die ARD-Mediathek aktuell diverse Shows, Clips und andere Programme an, darunter auch die neue Dokumentation „70 Jahre ESC – More than Music“.
Darin kommen Experten und prominente Fans wie Caro Worbs und Miguel Robitzky vom Podcast „too many tabs“, Guildo Horn, Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst, Jean Paul Gaultier, Olli Schulz und Hape Kerkeling zu Wort, loben das kollektive Erfolgserlebnis, die Mode der vergangenen ESC-Jahrzehnte und den europäischen Zusammenhalt. „So lange es den ESC geben wird, hat die Demokratie in Europa eine Chance“, fasst Kerkeling es zusammen.
Das soll jedoch nicht bedeuten, dass beim ESC jeder dieselben Chancen hat. „Dieses Gefühl, dass wir so ein bisschen die Loser-Nation sind, die sowieso nichts reißen wird, das hat man ja irgendwie immer“, findet Olli Schulz und Hape Kerkeling kann das auch leicht erklären: „Die Deutschen haben keine Lobby. Wenn der Lette auftritt, dann kriegt er automatisch auch Punkte aus Estland und Litauen. Singt der Schwede, dann freut er sich über Punkte aus Dänemark und Finnland und Island. Singt der Deutsche – dann kriegt er nicht mal einen Punkt aus Österreich. Wir stehen da allein auf weiter Flur. Mit lustig lassen sie uns nicht gewinnen – Deutschland ist nicht lustig in den Augen der anderen Europäer. Wir können nur zu Tränen rühren in Unschuld. Dann vergibt man uns alles.“
Der Pyrovision Song Contest
Das klingt vernünftig und erklärt vielleicht den Sieg von „Ein bisschen Frieden“, doch im Fall von Lena Meyer-Landrut und „Satellite“ verließ man sich in Deutschland nicht auf tränenreiche Unterwürfigkeit. Viel eher ist es wohl Stefan Raab zu verdanken, der Lena schon vor dem ESC nicht nur dem deutschen, sondern auch dem europäischen Publikum bekannt machte. Mit schnellen Kostümwechseln und Pyroeffekten lässt sich keiner mehr zum Voten hinreißen, das machen schließlich alle. Wichtiger ist, was – und wer – im Kopf bleibt.
Und da hat Sarah Engels, bei allem guten Willen, keine guten Chancen. Aber immerhin: blamieren wird sie uns wohl nicht und solange man die Hoffnung wieder ordentlich verstaut, um sie für den ESC 2027 wieder aus dem Schrank zu holen, kann man sicher auch beim diesjährigen Eurovision Song Contest viel Spaß haben.










