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„Off Campus“: Warum die deutsche Synchronisation Jules’ Identität verändert

In „Off Campus“ geht in der deutschen Fassung ein zentrales Detail verloren. Erfahre, in welchem Fall die Synchronisation problematisch ist.

Tucker (Jalen Thomas Brooks) und Jules (Julia Sarah Stone) in „Off Campus“.
Tucker (Jalen Thomas Brooks) und Jules (Julia Sarah Stone) in „Off Campus“. Foto: Liane Hentscher / Prime

Hast du bemerkt, dass die deutsche Fassung von „Off Campus“ im Vergleich zum englischen Original ein wichtiges Detail unter den Tisch fallen lässt? Und nein, die Rede ist nicht von Tuckers texanischen Akzent – stattdessen wird durch die unglückliche Wortwahl der Synchronisation Jules Gender verschwiegen. Denn Jules ist nonbinär, was in der deutschen Übersetzung untergeht.

Wie Jules Identität in der Synchronisation verloren geht

In der deutschen Übersetzung der Serie „Off Campus“ geht verloren, dass Jules, Logans jüngeres Geschwisterteil, nonbinär ist – das heißt, Jules identifiziert sich weder als Frau, noch als Mann und fühlt sich keinem Geschlecht zugehörig. Dieses wichtige Detail über Jules Identität dürfte den meisten, die die Serie auf Deutsch anschauen, nicht auffallen. Im Original dagegen ist es meist richtig gelöst, Jules Gender ist kein großes Thema, sondern ganz natürlich Teil ihres Charakters.

Jules (Julia Sarah Stone) führt den Gossip-Account „The Fifth Line“ in der Serie „Off Campus“.
Jules (Julia Sarah Stone) führt den Gossip-Account „The Fifth Line“ in der Serie „Off Campus“. Foto: Liane Hentscher / Prime

Ein Beispiel ist die Szene zu Beginn von Folge 2, in der Garrett und Hannah ihren Plan schmieden, wie sie alle von ihrer vorgetäuschten Beziehung überzeugen wollen. Darin kommen Jules und der Briar-U-Tratsch-Account „Fifth Line“ zur Sprache. Auf Hannahs Frage, wer Jules sei, antwortet Garrett im Original: „My best friend's younger sibling. They run the account.“ Hier wird durch die Pronomen they/them sofort deutlich, dass sich Jules als nonbinär identifiziert.

In der deutschen Fassung sagt Garrett: „Mein Kumpel ist Jules' Bruder. Der gehört der Account.“ Durch diese Wortwahl wird es zwar nicht direkt ausgesprochen, aber impliziert, dass Jules weiblich ist. In dieser Szene wird deutschen Zuschauer:innen also nicht bewusst, dass sich Jules keinem Geschlecht zugehörig fühlt.

Jules (Julia Sarah Stone) und Logan (Antonio Cipriano) in „Off Campus“.
Jules (Julia Sarah Stone) und Logan (Antonio Cipriano) in „Off Campus“. Foto: Liane Hentscher / Prime

In einer anderen Szene löst die Show etwas besser, aber auch nicht perfekt. Im Englischen sagt Dean über Jules in Folge 3: „She is not a girl. She is a person in a girl's body“, worauf Jules gespielt gerührt entgegnet „Ah Dean, Neanderthals can evolve“. Aber selbst hier wäre das Pronomen „they“ passender gewesen als „she“.

Im Deutschen wird hier übersetzt mit: „Sie ist keine Frau, sondern ein Mensch im Körper einer Frau.“ Spätestens hier sollte es zumindest aufmerksamen Zuschauer:innen auch in der deutschen Fassung auffallen, dass Jules nicht weiblich, sondern nonbinär ist. An vielen dürfte es aber auch vorbeigehen, da im Verlauf der Staffel dennoch weibliche Pronomen verwendet werden.

Macht es sich die deutsche Synchro zu einfach?

Dem Streamingdienst sowie der deutschen Synchronisation von „Off Campus“ kann man vermutlich nur zum Teil einen Vorwurf machen, denn das größere Problem ist die deutsche Sprache, die immer noch nicht über den passenden Wortschatz verfügt.

Auch in der deutschen Sprache gibt es zwar das dritte Geschlecht, das sich nicht in der binären Geschlechtertrennung wiederfindet. Häufig gibt es die drei Optionen männlich, weiblich, divers. Und dennoch gibt es im Deutschen kein offizielles oder grammatikalisch standardisiertes Äquivalent für die geschlechtsneutralen englischen Pronomen they/them, da die deutsche Sprache zu stark auf männlich oder weiblich ausgelegt ist. Eine Alternative ist die Verwendung von Neopronomen wie dey/deren oder xier. Aber eine optimale Lösung gibt es noch nicht.

Warum die Figur Jules in der Serie ergänzt wurde

Mit Jules führt die Serie eine neue Figur ein, die es in den Büchern nicht gibt. Mit ihrem Klatsch-Account steht sie leicht außerhalb des eigentlichen Geschehens und übernimmt eine beobachtende Rolle. Genau das war laut der Co-Showrunnerin Gina Fattore entscheidend: Man habe „diese Figur, die ein bisschen außerhalb von allem steht – besonders beim Eishockey“ gebraucht, um auch Zuschauer:innen ohne Sportbezug abzuholen und die Welt von Briar U zugänglicher zu machen. Jules bündelt Informationen, ordnet Dynamiken ein und schafft so Orientierung in einem Umfeld, das stark vom College-Hockey geprägt ist.

Gleichzeitig betont die Co-Showrunnerin Louisa Levy, dass durch Jules niemand aus der Buchvorlage ersetzt wurde: „Wir haben niemanden aus dem Buch ersetzt.“ Die Figur sei bewusst als Ergänzung konzipiert. Logan hat weiterhin seinen Bruder Jeff – nur wird dieser in der Serie nicht direkt gezeigt. Stattdessen eröffnet Jules ihm eine zusätzliche zwischenmenschliche Ebene und bringt eine neue emotionale Perspektive ins Spiel. Auf diese Weise erweitert die Adaption ihr Figurenensemble, ohne zentrale Beziehungen der Vorlage zu streichen.