Vorwürfe über Vorwürfe

„Michael Jackson: The Verdict“: Das steckt hinter der Netflix-Doku

Auch Wochen nach dem Kinostart von „Michael“ ebbt das Interesse an dem verstorbenen Popstar nicht ab. Eine Doku auf Netflix zeigt nun aber eine der vielen Schattenseiten des Weltstars …

Michale Jackson zeigt mit zwei Fingern „Peace“, während er mit Jackie Jackson in ein Gerichtshaus geht.
2005 wurden Michael Jacksons Vorwürfe der Pädophilie vor Gericht verhandelt. Foto: IMAGO / ZUMA Press

Kaum eine Figur des öffentlichen Lebens war so schillernd wie Michael Jackson und vollbrachte es gleichzeitig, derartig viele Fragen aufzuwerfen: War Michael Jackson schwul? War Michael Jackson pädophil? Stimmen all die Vorwürfe, die Jackson gemacht wurden? Die Antworten auf die erste und die letzte Frage lauten Nein – zumindest, wenn man Michael Jacksons Familie fragt, denn Joe und Jermaine Jackson dementierten die Gerüchte um Michaels Sexualität bereits 2010.

Und was die zweite Frage nach der Pädophilie betrifft, scheint es noch einiger Aufarbeitung zu bedürfen. Das würde zumindest die neueste Doku „Michael Jackson: The Verdict“ erklären, die nun in drei Teilen auf Netflix ergründen will, ob der Superstar tatsächlich pädophile Tendenzen besaß.

Welchen Fall arbeitet „Michael Jackson: The Verdict“ auf?

2005 fand in den Vereinigten Staaten der Fall „People v. Jackson“ statt, in welchem ergründet werden sollte, ob Michael Jackson sexuelle Beziehungen zu Minderjährigen geführt haben soll. Der ausschlaggebende Punkt dafür war eine Dokumentation aus dem Jahr 2003, in welcher Jackson mit dem damals 13-jährigen Gavin Arvizo Händchen hielt und seine Entscheidung, mit Kindern in einem Zimmer zu schlafen, verteidigte. Es folgten Ermittlungen, welche nicht nur die Anschuldigungen der Belästigung von Minderjährigen, sondern auch das Verabreichen von Rauschmitteln an Minderjährige, um sie zu belästigen, umfassten. All diese Ereignisse sollen auf seiner Neverland Ranch stattgefunden haben.

Gavin Arvizo sitzt mit Michael Jackson auf einer Couch und lehnt seinen Couch gegen die Schulter.
Gavin Arvizo besuchte Michael Jackson mehrmals auf seiner Neverland Ranch. Foto: IMAGO / Photo News

Jackson lernte Gavin Arvizo im Jahr 2000 kennen, da er dessen Chemotherapie finanziell unterstützte. Daraus entstand eine „Freundschaft“, die auch dazu führte, dass Arvizo seinen Förderer auf der Neverland Ranch besuchte. 2003 traten beide zusammen in der Doku „Living with Michael Jackson“ auf, die dann zum Beginn der späteren Verhandlungen führte und dafür sorgte, dass etliche Prominente im Rahmen der Gerichtsverhandlung auf den Plan traten.

Prominente Starzeugen: Wer sagte für und wer gegen Jackson aus?

Man sieht eine Gerichtszeichnung von Michael Jackson anlässlich seiner Gerichtsverhandlung im Jahr 2005.
Eine Gerichtszeichnung gab 2005 Einblicke hinter die Türen von Michael Jacksons Prozess. Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Während die Zeuginnen und Zeugen der Strafverfolgung prinzipiell nur aus Personen bestanden, die aus dem Kreis der vermeintlichen Opfer kamen oder selbst als vermeintliche Opfer galten, äußerten sich im Rahmen der Verteidigung viele Stars. Mit dabei waren unter anderem Chris Tucker, Jay Leno und George Lopez. Die wohl wichtigste Person war aber „Kevin – Allein zu Haus“-Darsteller Macaulay Culkin, der zusammen mit seinem Bruder Kieran zu den Kindern gehört haben soll, die in Jacksons Bett geschlafen haben. Mit „in Jacksons Bett schlafen“ ist übrigens gemeint, dass der Popstar zu Übernachtungen eingeladen haben soll, bei denen er selbst auf dem Boden schlief und sein Bett den minderjährigen Gästen überließ.

Kieran Culkin und Macaulay Culkin werden verschmitzt lächelnd fotografiert.
Kieran und Macaulay Culkin sollen mehrfach bei Michael Jackson übernachtet haben. Foto: IMAGO / Avalon.Red

Culkin bestätigte diese Umstände zwar, merkte aber an, dass Michael Jackson ihn niemals sexuell belästigt habe und vertrat diesen Standpunkt zuletzt noch 2020. Neben den prominenten Vertretern der Verteidigung konnte man auch einige weitere Personen antreffen, die ebenfalls als vermeintliche Opfer gehandelt wurden, die Vorwürfe jedoch zurückwiesen. Interessant ist dabei, dass zu diesen Personen auch Wade Robson gehörte, der seine Aussage 2013 änderte und doch angab, dass Jackson ihn belästigt habe.

Urteil: War Michael Jackson pädophil?

Die Antwort auf diese Frage ist ambivalenter Natur. Auch wenn die Meinungen diesbezüglich bis heute auseinandergehen, gab es im Rahmen der Gerichtsverhandlungen ein klares Urteil. Jackson wurde von allen Geschworenen nach siebentägiger Beratungszeit als unschuldig befunden und freigesprochen. Dennoch war Michael Jacksons Image dadurch stark angekratzt, was unter anderem dazu führte, dass sich der Weltstar mehr und mehr zurückzog. Als er 2009 eine ausverkaufte Tour ankündigte, konnte er trotzdem keine Sponsoren oder Marketingpartner finden, die mit ihm zusammenarbeiten wollten.

Im Laufe der Zeit folgten etliche weitere Dokumentationen wie etwa „Leaving Neverland“, die sich ebenfalls mit dem Thema Pädophilie auseinandersetzten. Auch der in diesem Jahr erschienene Kinofilm „Michael“ musste stark überarbeitet werden, da er auf einen Fall einging, der sich 1993 ereignete und ebenfalls entsprechende Vorwürfe beinhaltete.

Wer sich intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, kann sich nun auf Netflix die bereits erwähnte dreiteilige Dokumentation „Michael Jackson: The Verdict“ anschauen. Auch wenn es derzeit schwer vorstellbar erscheint, könnte sich möglicherweise auch der zweite Teil von „Michael“ diesem Prozess widmen. Wann ebenjener Film erscheinen soll, kann man in diesem Artikel nachlesen.

Quellen