Auf den Hund gekommen … leider

Hundsmiserabel wäre noch wohlwollend – Kritik zu „Eat Pray Bark“ auf Netflix

Alexandra Maria Lara, Rúrik Gíslason und allerlei Hunde: Das verspricht die Hundekomödie „Eat Pray Bark“ auf Netflix. Doch was dabei herauskommt, ist ein einziges Armutszeugnis …

Rúrik Gíslason wird von einem Dalmatiner abgeleckt.
Schlafende Hunde soll man nicht wecken – außer man möchte wie im Falle von „Eat Pray Bark“ mit Rúrik Gíslason (Bild), eine schlechte Komödie abliefern. Foto: Stephan Rabold / Netflix

Mittlerweile sind deutsche Netflix-Produktionen nichts mehr Neues – weder im filmischen noch im seriellen Bereich. Mit „Crooks“-Staffel 2 geht die Frederick-Lau-Erfolgsserie in die nächste Runde, und an der filmischen Front konnte man zuletzt „Brick“ mit Matthias Schweighöfer schauen. Und tatsächlich nähert sich „Eat Pray Bark“ mit Alexandra Maria Lara und Rúrik Gíslason „Brick“ in puncto Qualität sehr stark analso in der Hinsicht, dass beide Filme keine Qualität mitbringen.

„Eat Pray Bark“: Wovon handelt der Netflix-Hundefilm?

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Video: Netflix

Die Politikerin Ursula (Alexandra Maria Lara) hat ein sehr großes Problem: Nachdem sie sich in einer Talkshow verplappert, gilt sie in der Öffentlichkeit als Hundehasserin und sieht sich einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt. Als Gegenmaßnahme sieht sie sich gezwungen, die Hündin Brenda zu adoptieren, die aber widerspenstiger ist als gedacht.

Prompt wird sie von ihrer PR-Vertretung ins Nirgendwo geschickt – genauer gesagt in die Tiroler Berge, wo der legendäre Hundetrainer Nodon (Rúrik Gíslason) nicht nur Brenda, sondern auch die Hunde und Hündinnen vier weiterer Personen trainieren soll. Darunter finden sich illustre Charakterköpfe wie das Paar Ziggy (Doğa Gürer) und Helmut (Devid Striesow) sowie die extrovertierte Babs (Anna Herrmann) und der introvertierte Hakan (Kerim Waller). Und während Ursula versucht, vor allen zu verstecken, wer sie wirklich ist, stolpert der Rest der Gruppe in ein Mysterium, das den Verlauf des Trips verändern wird.

Aller guten Dinge sind drei – außer beim Drehbuchschreiben

Zu viele Köche versalzen bekanntlich die Suppe, und dasselbe scheint auch für Drehbuchautoren zu gelten. Es mag sich unvorstellbar anhören, aber drei Personen waren damit beschäftigt, das Drehbuch für „Eat Pray Bark“ zu schreiben – was noch absurder klingt, da sich der Film dem größten Vorwurf vieler Netflix-Produktionen nicht entziehen kann: Er ist so simpel geschrieben, dass man nicht einmal hinschauen müsste, um zu verstehen, was gerade passiert.

Darüber hinaus stammt hier alles aus der Retorte. Keine Idee ist wirklich individuell. Wohin soll die Reise von Alexandra Maria Laras Figur führen, wenn sie am Anfang keine Hunde mag? Jeder Charakterbogen ist vorhersehbar, jede Wendung erwartbar, und keine Figur ist mehr als ein Klischee. Die einzige originelle Idee war es, das Klischee eines streitenden Pärchens nicht von einem Mann und einer Frau, sondern von zwei Männern spielen zu lassen – für mehr Spannung sorgt das aber auch nicht.

Zurecht stellt sich jede Sekunde die Frage: Wie kann es sein, dass drei Personen gebraucht wurden, um einen Film zu schreiben, der sich in jeder Sekunde so anfühlt, als wäre er von einer KI erdacht?

Wiedergutmachungspotenzial, dein Name sei Rúrik Gíslason

Rúrik Gíslason steht vor einer Bergkulisse und zeigt mit seinem Finger in die Ferne.
Hinfort schlechte Gefühle: Rúrik Gíslason ist da, um „Eat Pray Bark“ aufzuwerten. Foto: Sasha Ostrov / Netflix

Es dürfte bei Weitem keine Neuigkeit sein, dass Rúrik Gíslason ein wirklich starker Sympathieträger istdas bewies er bereits in „Let’s Dance“. Doch in „Eat Pray Bark“ darf er mal er selbst sein und geht in der Rolle des Hundetrainers sehr auf … zumindest, wenn er spielen darf, denn zur Hälfte seiner Spielzeit wird er sexualisiert.

Wohlgemerkt: Nichts von dem, was er sagen und tun muss, ist im Entferntesten lustig – vielleicht mit der Ausnahme einer Szene, in der er an den jungen Dieter Hallervorden erinnert. Aber es ist auch egal, ob er seine Sache gut oder schlecht macht, denn die Spielfreude und Ernsthaftigkeit, die er für diese Rolle mitbringt, helfen dem Film, sich mit Ach und Krach über die Ziellinie zu schleppen. Leider ist das große Problem, dass Rúrik Gíslason nicht ausreichend im Film zu sehen ist. Statt ihm mehr Raum für Schabernack einzuräumen, muss man sich vor allem mit den platten Nebencharakteren abgeben.

Nie schön und nie gut: Gefährliche Kombi

Darüber hinaus ist „Eat Pray Bark“ ein Film, der optisch nicht viel hermacht. Vieles ertrinkt in Sets, die kaum unansprechender sein könnten. Wer sich auf schöne Aufnahmen der Tiroler Berge freut, wird enttäuscht sein, denn die meisten Sets bestehen hier nur aus digital erweiterten Hintergründen. Mal sitzt man zwar an einem Fluss, aber wer in seinem Leben schon einmal einen echten Fluss gesehen hat, wird der aus „Eat Pray Bark“ nicht vom Hocker hauen.

Auf den Hund gekommen – schön wär’s

Zwar nicht digital, aber dennoch ebenso kaum präsent: Hunde und Hündinnen. Der Film präsentiert sich ganz klar als Hundekomödie und vergisst dabei zwei elementare Dinge: den Humor und die Vierbeiner.

Die Anwesenheit von Humor ist selbstverständlich subjektiv, aber über die Präsenz von Hunden und Hündinnen lässt sich nicht diskutieren. Natürlich sind die besten Freunde und Freundinnen des Menschen in „Eat Pray Bark“ zu sehen, aber sie spielen keine große Rolle. Viel eher sind all diese Tiere auf verschiedenste Art und Weise eine Last für ihre Besitzer und Besitzerinnen. Wenn sich jedoch alle kontinuierlich nur über Hunde beschweren, dann hat man nicht verstanden, warum sich Menschen Hundefilme anschauen. Und bevor jetzt jemand sagen will, dass diese Differenzen natürlich gegen Ende hin überwunden werden: Das ändert doch nichts daran, dass ich die meiste Zeit einen Film schaue, in dem die Tiere als Last und Hindernis dargestellt werden.

„Eat Pray Bark“: Beiß niemals die Hand, die dich füttert

Auch wenn ich mich hier endlos beschwere, kann ich mir durchaus vorstellen, dass genug Leute „Eat Pray Bark“ mögen werden – aber auch nur, weil sie dafür „nur“ die Netflix-Abokosten bezahlen mussten. Aber möchte man nicht mehr für sein Geld?

Mir sind die 4,99 Euro im Monat für das Netflix-Abo egal – immerhin kann ich sie von der Steuer absetzen –, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand, der „Eat Pray Bark“ zu Hause schaut und den Film für gut befindet, dasselbe sagen würde, wenn man den Streifen im Kino gesehen hätte.

Um es kurz zu halten: In „Eat Pray Bark“ wird nur gebellt und selten gebissen – und wenn gebissen wird, dann in die Hände all jener, die tatsächlich gute Inhalte für ihre Abogebühren verlangen.