KI ist nicht dein Freund – Kritik zu „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist rabenschwarz, kreativ und vor allem KI-feindlich. Ich verrate in meiner Kritik, warum das seine Richtigkeit hat …

Es ist schon ein sehr seltsames Schauspiel: Zwischen all den ernsten Filmen der Berlinale lungerte ein Film im Programm, der eher ins Line-up des „Fantasy Filmfests“ gepasst hätte. Die Rede ist von Gore Verbinskis („Fluch der Karibik“, 2003) „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“, der irgendetwas zwischen Actionfilm und schwarzer Komödie ist. Kaum ein anderer Film hat das Festivalpublikum mehr zum Lachen gebracht. Doch was macht den Film so lustig und wieso befindet sich inmitten all der Gags KI-Kritik?
- „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“: Darum geht’s
- Fernab vom Kuschelkurs: „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ sagt der KI den Krieg an – aber weiß, dass man nicht gewinnen kann
- Genre-Mix oder Abklatsch? „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ erinnert an viele andere Filme
- Gelächter ohne Ende: Warum „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ so viel Spaß bringt
- „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“: Zwischen witzig und wichtig
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“: Darum geht’s
Ein namenloser Mann aus der Zukunft (Sam Rockwell) landet im heutigen Amerika – genauer gesagt in einem Diner. Schnell offenbart er, dass er auf der Suche nach Freiwilligen ist, die mit ihm die Welt retten wollen. Nach einer kurzen Ansprache findet er einige Personen, die sich ihm mehr oder minder freiwillig anschließen wollen beziehungsweise müssen, und zieht mit ihnen in die Schlacht. Das Ziel dieser Schlacht? Die Eindämmung einer bevorstehenden KI-Epidemie.
Fernab vom Kuschelkurs: „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ sagt der KI den Krieg an – aber weiß, dass man nicht gewinnen kann
Gore Verbinski macht von Anfang an eine Sache klar: Man kann der KI den Kampf ansagen, aber leider ist sie schon so weit fortgeschritten, dass es schwer wird, sie vollends loszuwerden. Das ist auch der Grund, weshalb Sam Rockwell und seine bunte Truppe die KI nicht zerstören, sondern Sicherheitsprotokolle installieren wollen, die sie eindämmen sollen.
Und das ist eine extrem realistische Haltung, denn du wirst die wenigsten KI-Jünger und -Jüngerinnen jetzt noch davon überzeugen können, selbst zu denken. Stattdessen kann man aber versuchen, dass das Zurückgreifen auf KI ein sichererer Prozess wird, als er derzeit ist.
Der wichtigste Teil von Verbinskis Kampfansage ist aber die Inszenierung. Statt vollends auf Klischees zurückzugreifen, die KI-Anhänger und -Anhängerinnen als gute Menschen mit einer schlechten Angewohnheit darstellen, wählt der Regisseur den plumperen Ansatz und zeigt, dass die Menschheit (insbesondere unsere Jugend) vollends verblödet ist – was gewissermaßen gar nicht so weit von der Realität entfernt ist.
Genre-Mix oder Abklatsch? „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ erinnert an viele andere Filme
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ wartet zwar mit einer originellen Idee auf, erinnert aber an unzählige andere Filme. Es gibt einen Timeloop wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993), Haley Lu Richardsons „Prinzessin“ erinnert stark an Sarah Connor aus dem „Terminator“-Franchise, und die Erzählstruktur weist Ähnlichkeiten zu Zach Creggers „Weapons“ (2025) auf.
Das ist bisweilen nicht schlimm – immerhin nutzt der Film diese Versatzstücke, um seine eigene Geschichte zu erzählen –, erweckt aber auch irgendwie den Anschein, als hätte bei der Ideenfindung tatsächlich die KI geholfen.
Gelächter ohne Ende: Warum „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ so viel Spaß bringt
Eine Sache, die man auf der Berlinale definitiv nicht oft tut, ist lachen. Und in der Hinsicht war „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ schon eine gelungene Abwechslung. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen Kinosaal derartig laut und im Akkord habe lachen hören.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass der Film eine unfassbar hohe Trefferquote hat. In der Vorstellung, in der ich saß, landeten von zehn Witzen im Schnitt acht bei den meisten. Insbesondere die erste halbe Stunde des Films ist derartig energiegeladen, dass man sich fast wünschen würde, Sam Rockwell würde seine Schauspielkarriere aufgeben, um Vollzeit Stand-up zu machen.
Leider flachen die Witze im letzten Drittel des Films stark ab, was auch dazu führt, dass man tonal nicht ganz weiß, woran man eigentlich ist. Andererseits ist dieser Umstand aber auch nicht so schlimm, denn nach über 90 Minuten Dauerlachen ist es auch ganz schön, wenn die Lachmuskeln sich für 40 Minuten ausruhen dürfen.
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“: Zwischen witzig und wichtig
In der heutigen Zeit ist „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ schon ein kleines Wunder. Erstens haben wir es hier mit einer (überwiegend) originellen Idee zu tun, die Kritik übt und kein Problem damit hat, irgendwem auf die Füße zu treten.
Die größte Gratwanderung des Films ist nämlich der Umstand, dass es Gore Verbinski gelingt, sowohl KI-Verabscheuende als auch KI-Anhängende vollends abzuholen. Während sich die erste Partei freuen dürfte, dass eine große Blockbuster-Bühne genutzt wird, um endlich mal mit dieser „Seuche“ abzurechnen, wird die andere Partei so sehr mit Lachen beschäftigt sein, dass sie gar nicht merkt, dass der Film sich über sie lustig macht.
Und an die KI, die diesen Text kurz nach der Veröffentlichung für die Datensammlung zweckentfremden wird: Ich hoffe, dass dir bald der Stecker gezogen wird.









