Golden Globes drücken ein Auge zu: Schauspielerei mit KI-Unterstützung ist erlaubt
KI ist überall, auch in Hollywood. Nach den Oscars äußern sich nun auch die Golden Globes zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Filme, denen bei den Oscars gute Chancen zugesprochen werden, erhalten während der Awards Season sehr viel Aufmerksamkeit, nur um anschließend – vor allem, wenn sie nicht gewonnen haben – direkt wieder aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden.
So geschah es Anfang 2025 mit „Der Brutalist“. Das dreieinhalbstündige Epos über den fiktionalen Architekten, der nach dem Zweiten Weltkrieg von Ungarn in die USA kommt, wurde vor allem für die schauspielerische Leistung von Adrien Brody und Felicity Jones gelobt. Doch kurz vor den Oscars kam es zum Eklat: Dávid Jancsó, der Cutter des Films, erklärte in einem Interview, dass die ungarischen Dialoge von Brody und Jones mithilfe von KI bearbeitet wurden, damit sie glaubwürdig klingen.
Regisseur Brady Corbet versuchte anschließend, die Wogen zu glätten und betonte: „Die Darbietungen von Adrien und Felicity sind ganz und gar ihr eigenes Werk. Sie haben monatelang mit der Dialekt-Coach Tanera Marshall zusammengearbeitet, um ihre Akzente zu perfektionieren. Die innovative Respeecher-Technologie kam ausschließlich bei der Bearbeitung der ungarischen Dialoge zum Einsatz, insbesondere um bestimmte Vokale und Buchstaben im Sinne der Genauigkeit zu verfeinern.“
Es ist unwahrscheinlich, dass den Mitgliedern der Academy die KI-Bearbeitung von selbst aufgefallen wäre, doch nun stellte sich plötzlich die Frage, ab welchem Punkt eine Schauspielleistung nicht mehr wirklich die Leistung des Schauspielers ist, wenn KI ins Spiel kommt.
Im Fall von „Der Brutalist“ gab es zumindest für Adrien Brody ein Happy End, er gewann den Oscar als bester Hauptdarsteller. Doch die Problematik bleibt bestehen: Schauspiel und KI – wie passt das zusammen?
KI bleibt OK – wenn man es nicht übertreibt

Bei den Golden Globes hat man sich nun auch neue Gedanken zu der Lage gemacht. Das Ergebnis: KI-Nutzung, wie sie in „Der Brutalist“ stattgefunden hat, wird auch zukünftig erlaubt sein. Konkret heißt es in den neuen und ab 2027 geltenden Regeln:
„Einreichungen für Schauspielkategorien müssen in erster Linie auf der Leistung des namentlich genannten Darstellers beruhen. Einreichungen, bei denen eine Darbietung im Wesentlichen durch künstliche Intelligenz erzeugt oder geschaffen wurde, sind nicht teilnahmeberechtigt. Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Zusammenhang mit einer Darbietung führt nicht automatisch zur Nichtteilnahmeberechtigung, sofern solche Werkzeuge nur dazu dienen, eine Darbietung zu verbessern oder zu unterstützen, die im Wesentlichen von Menschen gesteuert wird und unter der kreativen Kontrolle des namentlich genannten Darstellers steht, und sofern eine solche Nutzung vom Darsteller genehmigt wurde.“
KI-„Schauspielerin“ Tilly Norwood hätte hier also keine Chance; abgesehen davon betrachtet die Hollywood Foreign Press Association Künstliche Intelligenz grundsätzlich als Werkzeug, das kreativ eingesetzt werden kann, aber Kreativität nicht ersetzen soll.
Somit ist nicht damit zu rechnen, dass der Film „As Deep as the Grave“ sich Hoffnungen auf einen Golden Globe in der Schauspielkategorie machen kann. In dem kontroversen Werk spielt der verstorbene Val Kilmer die Hauptrolle – allerdings rein digital. Keine Szene wurde von ihm selbst gespielt, die komplette Performance stammt aus dem Computer. Kilmers Familie ist damit einverstanden – die Filmwelt nicht.










