Game of Thrones: George R.R. Martin lässt Tyrion sterben – falls die Geschichte jemals endet
Die Geschichte von „Game of Thrones“ soll in George R.R. Martins Büchern ein völlig neues Ende nehmen. Manche Figuren würden jedoch davon profitieren, wenn Martin sein Werk nie vollendet.

George R.R. Martins Fantasy-Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ startete 1996, der erste Band erschien im deutschsprachigen Raum 1999. Innerhalb eines Jahrzehnts folgten drei weitere Romane. Doch seit der Veröffentlichung von „Ein Tanz mit Drachen“ im Jahr 2011 ist kein neuer Band der Hauptreihe erschienen.
Damit warten Leser inzwischen seit rund 15 Jahren auf den sechsten Teil, „Die Winde des Winters“ (The Winds of Winter).
„Winds ist die Priorität“
In einem Interview mit dem Hollywood Reporter äußert sich Martin erneut zum Stand der Arbeiten – und räumt ein, dass der Druck von außen spürbar ist. Er sagt: „Mir wurde deutlich gemacht, dass ‚Winds‘ die Priorität ist.“ Gleichzeitig gibt er zu, dass ihm das Schreiben nicht immer leichtfällt: „Manchmal bin ich einfach nicht in der Stimmung dafür.“
Martin erklärt, dass er derzeit noch an mehreren anderen Projekten arbeite, darunter weitere „Dunk-und-Ei“-Novellen sowie eine Fortsetzung von „Feuer und Blut“. Erst wenn er diese Verpflichtungen abgeschlossen habe, könne er sich vollständig dem nächsten Roman widmen. „Ich denke, wenn ich einfach einige dieser anderen Dinge von mir abschütteln könnte, könnte ich ‚Die Winde des Winters‘ ziemlich bald beenden.“
Selbstkritik und ständiges Umschreiben
Der Autor spricht offen darüber, wie mühsam sein Schreibprozess verläuft. Häufig lese er ältere Kapitel erneut – und sei mit dem Ergebnis unzufrieden. „Ich öffne das letzte Kapitel, an dem ich gearbeitet habe, und denke: ‚Oh verdammt, das ist nicht besonders gut.‘ Und dann fange ich an, es umzuschreiben.“
Gerate er bei einer Figur ins Stocken, wechsle er kurzfristig die Perspektive: „Oder ich beschließe: ‚Dieses Tyrion-Kapitel kommt nicht voran, also schreibe ich lieber ein Jon-Snow-Kapitel.‘“
Wenn er allerdings längere Zeit ungestört arbeiten könne, stelle sich meist doch Fortschritt ein: „Wenn ich nicht unterbrochen werde, passiert es – zumindest war es früher so –, dass ich früher oder später doch wieder hineinkomme.“
Kein Happy-End für Tyrion
Besonders aufmerksam verfolgen Fans Martins Aussagen zu Tyrion Lannister, einer der zentralen Figuren der Reihe. Während Tyrion in der HBO-Serie „Game of Thrones“ das Finale überlebt und unter König Bran Stark als Hand des Königs dient, deutet Martin für die Bücher ein deutlich anderes Ende an. Er sagt: „Ich sehe kein glückliches Ende für Tyrion.“ „Sein ganzer Handlungsbogen war von Anfang an tragisch.“
Martin geht noch einen Schritt weiter und deutet an, dass Tyrions Geschichte sogar tödlich enden könnte. Er erinnert daran, dass er in den Romanen nie davor zurückgeschreckt sei, zentrale Figuren sterben zu lassen. „Ich wollte mehr Menschen töten. Nicht die, die sie [in der Serie] getötet haben. Sie haben es zu einem glücklicheren Ende gemacht.“
Ein tragisches Ende müsse jedoch nicht zwangsläufig den Tod bedeuten. Auch ein Weiterleben könne in seiner Welt von Leid geprägt sein.
Auch Sansa ist in Gefahr
Im selben Interview spricht Martin auch darüber, dass der enorme Erfolg der TV-Serie einzelne Entscheidungen verändert habe. Als Beispiel nennt er Sansa Stark. „Ich wollte Sansa sterben lassen, aber sie war in der Serie so sympathisch, dass ich sie vielleicht leben lasse.“
Diese Aussage verdeutlicht, dass sich Buch- und Serienhandlung im Laufe der Jahre gegenseitig beeinflusst haben – auch wenn sie sich in zentralen Punkten deutlich unterscheiden.
Buch und Serie gingen getrennte Wege
Nachdem „Game of Thrones“ die veröffentlichten Romane eingeholt hatte, erzählten die Showrunner David Benioff und D. B. Weiss die Geschichte ohne vollständige literarische Vorlage weiter.
Zwar habe Martin ihnen wichtige Eckpunkte für „Die Winde des Winters“ und den geplanten Abschlussband „Ein Traum von Frühling“ (A Dream of Spring) mitgeteilt, doch wie eng diese Vorgaben umgesetzt wurden, bleibt unklar. Sicher ist nur, dass Martin selbst ein deutlich düstereres Ende im Sinn hatte als jenes, das schließlich im Fernsehen zu sehen war.
Fans spekulieren allerdings, dass Martins geplantes Ende für die Bücher eigentlich ähnlich verlief wie in der Serie. Da die HBO-Produktion durch die letzte Staffel jedoch in Ungnade fiel, könnte Martin durch ein neues Buchende eine Kurskorrektur vornehmen – sofern ihm Zeit und Kreativität hold sind.
Viele Projekte, wenig Abschluss
Neben den Romanen ist Martin weiterhin stark in die Serienproduktion eingebunden. Er fungiert als Executive Producer für „House of the Dragon“,auch wenn ermit den Änderungen der Serie unzufrieden ist, und für „A Knight of the Seven Kingdoms“.
Trotz der anhaltenden Ungeduld vieler Leser betont Martin immer wieder, dass er sich nicht zu einem Abschluss drängen lassen wolle. Für ihn stehe die Qualität über allem. Ob „Die Winde des Winters“ tatsächlich erscheint – und ob Tyrion Lannister das Ende von „Das Lied von Eis und Feuer“ erlebt –, bleibt damit weiterhin offen.











