„Der Astronaut“ – Kritik: Spektakuläre Science-Fiction mit Herz, Humor & Harry Styles
Nach „Der Marsianer“ muss in „Der Astronaut“ schon wieder ein einzelner Mann im All über sich hinauswachsen. Doch so allein ist er diesmal gar nicht ...

Mit dem Science-Fiction-Roman „Der Marsianer“ gelang Andy Weir der große Durchbruch. So realistisch wie möglich begleitete das Buch den Astronauten Mark Watney, der versehentlich auf dem Mars zurückgelassen wird und nun versuchen muss, in dieser unwirtlichen Umgebung zu überleben und dabei Kontakt zur Erde herzustellen.
Dabei verliert sich Weir zwar in endlosen Erklärungen, streut aber immer wieder kleine Witze und Popkultur-Anspielungen ein, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Das gelingt nur bedingt, allerdings erinnert Weir dabei an einen sympathischen Lehrer, der einen zwar weiterhin schwer bei Laune halten kann, über dessen schwache Witze man aber doch höflich lacht.
Ein noch größeres Geschenk für Weir war nach dem Einstieg auf den Bestsellerlisten, dass Ridley Scott sein Buch verfilmen wollte. Mit Matt Damon in der Hauptrolle kürzte „Der Marsianer“ die Geschichte genau an den richtigen Stellen und verband den Mix aus Abenteuer, Action und Nachhilfeunterricht auf so runde Art und Weise, dass in diesem seltenen Fall die Verfilmung tatsächlich besser als das Buch war.
Mit diesem doppelten Erfolg im Rücken verfasste Andy Weir seinen Roman „Der Astronaut“ bereits in dem Wissen, dass eine Verfilmung wohl nur eine Frage der Zeit sein würde. Bei dieser Science-Fiction-Geschichte lag der Fokus diesmal mehr auf der Fiktion, wobei Weir es sich auch diesmal nicht verkneifen konnte, alle Abläufe bei den Experimenten im Buch genau zu beleuchten – mit einem Augenzwinkern natürlich.
Erneut entstand ein Bestseller und mit der nun erscheinenden Verfilmung geht die Erfolgswelle noch deutlich weiter: „Der Astronaut“ ist nicht nur ebenfalls besser als die Romanvorlage – die Adaption mit Ryan Gosling übertrifft sogar „Der Marsianer“ und ist schon jetzt ein Genre-Meisterwerk, wie man es seit Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen hat.
Yeah, Science!

Ryland Grace wacht allein und verwirrt in einem Raumschiff auf. Die anderen Crewmitglieder? Tot. Die Mission? Unbekannt. Erst nach und nach erinnert sich Grace an die Ereignisse auf der Erde, die diesen Flug ins Unbekannte so überlebenswichtig machen. Doch kann ein Mann ganz allein die ganze Welt retten?
Das ist im Grunde die Ausgangslage von „Der Astronaut“. Der Trailer zum Film verrät bereits deutlich mehr und auch mit mehr Vorwissen funktioniert die Geschichte noch wunderbar, doch im besten Fall beginnt man diese Reise wie Ryland Grace selbst: unwissend und neugierig.
„Der Astronaut“ springt immer wieder von der Gegenwart im Raumschiff zurück zur Vergangenheit auf der Erde, um ein reines interstellares Kammerspiel handelt es sich hier also nicht. Dennoch setzt der Film sein ganzes Vertrauen in Ryan Gosling, er allein muss die Handlung über weite Strecken auf seinen Schultern tragen – und das gelingt ihm problemlos.
Gosling, der zu Beginn seiner Karriere vor allem in kleineren Dramen überzeugte, konnte in den letzten Jahren auch immer wieder sein komödiantisches Talent beweisen. Das kommt ihm in „Der Astronaut“ zugute, denn als humorvoller Sympathieträger fällt es dem Publikum nicht schwer, Ryland Grace schnell ins Herz zu schließen.
Zudem harmoniert Gosling überraschend gut mit Sandra Hüller, die auf der Erde die recht undankbare Rolle der humorlosen deutschen Missionsleiterin mit Leben füllt und mit ihrer Interpretation von Harry Styles‘ „Sign of the Times“ einen eigenen denkwürdigen Moment abbekommt.
„Interstellar“, nur nicht so schwülstig

Während „Der Astronaut“ den humorvollen Ton und die „Wissenschaft ist cool!“-Kernaussage mit „Der Marsianer“ teilt, geht die neueste Weir-Verfilmung einen Schritt weiter und bietet vor allem in der zweiten Filmhälfte ein bildstarkes Sci-Fi-Spektakel. Dabei weicht man tonal nie zu sehr von der positiven Grundstimmung ab, sorgt mit einigen spannenden und dramatischen Momenten aber für ein sehr rundes und emotionales Gesamtbild.
Das Ergebnis ist ein waschechter Crowdpleaser erster Güte, ein großer Sommer-Blockbuster – nur eben im März.










