Interview

„Dead of Winter“ mit Emma Thompson: Basiert der Thriller auf einer wahren Geschichte?

Wie viel Realität steckt in „Dead of Winter – Eisige Stille“? Emma Thompson spricht im Interview über die Inspiration hinter dem Thriller und überraschend wahre Details.

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Video: Xcel Production

Eine Frau allein in der Wildnis Minnesotas. Kein Handyempfang, eisige Temperaturen, und plötzlich wird sie Zeugin eines Verbrechens. In „Dead of Winter – Eisige Stille“ spielt die zweifache Oscar-Preisträgerin Emma Thompson eine Heldin, die man so selten im Kino sieht.

Wir haben mit der Schauspielerin über ihre erste Reaktion auf das Drehbuch, die Herausforderung wortloser Szenen und die besondere Inspiration hinter der Figur gesprochen.

Der Thriller von Regisseur Brian Kirk feierte seine Weltpremiere beim Locarno Film Festival, wo Thompson mit dem Ehren-Leoparden für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Kinostart in Deutschland ist der 19. Februar 2026.

„Ich habe sofort die Sprache geliebt“

Als Emma Thompson das erste Mal vom Projekt hörte, war es vor allem das Drehbuch, das sie überzeugte: „Ich habe das Drehbuch gelesen und sofort die Sprache geliebt. Mir gefiel, wie still alles ist, wie wenig die Figur spricht. Es geht viel mehr um Handlungen, ums Tun und ums Überleben – auf eine sehr besondere Art.

Was sie besonders faszinierte: Die Hauptfigur Barb bricht mit gängigen Klischees. „Sie ist eine ganz normale Frau. In vielen Filmen würde sie im Hintergrund stehen und Tee kochen. Hier aber steht sie im Mittelpunkt und tut Außergewöhnliches. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass das auf die meisten Frauen zutrifft.“

Warum Emma Thompson stille Szenen liebt

Emma Thompson schaut in die Ferne und lächelt
Emma Thompson begeistert in „Dead of Winter“. Foto: IMAGO / Lehtikuva

Tatsächlich lebt „Dead of Winter“ von intensiven Momenten ohne Dialog. Die Kamera bleibt nah an Barb, jede Regung zählt. Für Thompson ist genau das reizvoll: „Ich mag das sogar lieber. Die Kamera ist wie ein Suchscheinwerfer, wie ein Röntgenblick. Wenn man wirklich denkt, was die Figur denkt, sieht die Kamera das.

Gerade weil Barb niemandem gegenübersteht, müsse sie nichts verbergen. „Sie kann ihre Gedanken zeigen. Genau das war einer der Gründe, warum ich diesen Film machen wollte. Ich liebe es, ohne Worte zu spielen.“

So hat sich Emma Thompson ihrer Rolle angenähert

Um sich der Figur zu nähern, entwickelte Thompson wie gewohnt eine detaillierte Hintergrundgeschichte. „Ich überlege mir, wie das Leben dieser Figur ausgesehen haben muss, welche Erwartungen sie hatte, was sie verletzt hat, woran sie gewöhnt ist, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.“

In diesem Fall spielte die Natur eine zentrale Rolle. Barb ist in Minnesota aufgewachsen – mit extremen Wintern. „Die Natur formt uns wie ein Gletscher die Landschaft. Ihre spirituelle Stärke kommt aus ihrer Verbindung zur Natur und aus ihrer Fähigkeit, mit der Kälte umzugehen.

Diese Verbindung wird im Film fast selbst zur Figur – die eisige Wildnis wird zum Gegner, aber auch zu einer Quelle, aus der sie Kraft schöpft.

Wie viel Wahrheit steckt in „Dead of Winter“?

Besonders spannend: Das Drehbuch wurde von einer realen Person inspiriert – der Tante des Regisseurs.„Seine Tante Tracy war eine große Inspiration. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mit ihr zu sprechen, und sie redet wirklich genau so.“ Auch ihre Widerstandskraft beeindruckte Thompson: „Sie ist jemand, der Dinge einfach hinnimmt – und wenn es nicht anders geht, sagt sie: ‚Okay, dann mache ich das jetzt eben.‘“

Sogar eine dramatische Geschichte über den Urgroßvater im Sturm ist laut Thompson tatsächlich wahr.

Darum geht es in „Dead of Winter – Eisige Stille“

Im Film reist Barb (Emma Thompson) in die abgeschiedene Wildnis Nord-Minnesotas, um die Asche ihres verstorbenen Mannes an einem See zu verstreuen. Doch die Reise nimmt eine dramatische Wendung, als sie Zeugin einer Entführung wird.

Ganz auf sich allein gestellt, nimmt Barb den Kampf auf – gegen ein skrupelloses Entführer-Paar (gespielt von Judy Greer und Marc Menchaca) und gegen die tödliche Kälte.

Neben Thompson sind außerdem Laurel Marsden und Gaia Wise, Thompsons Tochter, zu sehen. Die Filmmusik stammt von Oscar-Preisträger Volker Bertelmann.

„Wenn alles zusammenpasst, ist das extrem erfüllend“

Trotz jahrzehntelanger Karriere haben sich Thompsons Ansprüche kaum verändert. „Es geht immer um das Drehbuch. Nicht nur um meine Rolle, sondern um das gesamte Schreiben.

Filme seien etwas Geheimnisvolles. Manchmal funktioniere selbst ein großartiges Skript am Ende nicht. Doch bei diesem Projekt habe alles zusammengepasst: „Wenn alles zusammenpasst – das Buch, die Regie, die Schauspieler, die Musik –, so wie bei diesem Film, dann ist das extrem erfüllend. Es ist das perfekte Zusammenspiel all der Kunstformen, die Kino ausmachen.“

Mit „Dead of Winter – Eisige Stille“ zeigt Emma Thompson einmal mehr, warum sie zu den beeindruckendsten Schauspielerinnen unserer Zeit gehört.