Cagematch: Wie Nicolas Cage die Musikgeschichte veränderte
Nicolas Cage schafft nicht nur Filmmagie, sondern auch Rockballaden – zumindest ansatzweise, denn sein Film „Stadt der Engel“ sorgte für einen der besten Songs aller Zeiten.

Heutzutage ist es schwieriger denn je für Schauspieler oder Schauspielerinnen, einen Fußabdruck in dem breit gefächerten Kosmos der Medienlandschaft zu hinterlassen. Oder gibt es irgendjemanden, der oder die sich in zehn, zwanzig, dreißig oder gar hundert Jahren noch an Glen Powell erinnern wird, weil er Hollywood mit „Anyone But You“ (2023) regelrecht durcheinandergebracht hat? Wohl kaum!
Bei Nicolas Cage ist das hingegen etwas anderes, denn nicht nur hat der Schauspieler in unzähligen Filmen mitgewirkt, die aus den vollends richtigen oder aus den vollends falschen Gründen in die Filmgeschichte eingegangen sind, sondern auch im Rahmen seiner langlebigen Karriere derartig viele seltsame Dinge getan, dass es schwer ist zu sagen, wofür man sich eigentlich an ihn erinnern sollte. Um in diesem Themenfeld endlich für etwas Klarheit zu sorgen (und um der ausgelutschten These, ob Cage nun gut oder schlecht sei, aus dem Weg zu gehen), wird die Reihe „Cagematch“ ins Leben gerufen, in der ich ergründen will, warum diese Schauspielikone überhaupt eine Schauspielikone ist. Das heutige Thema: „Stadt der Engel“ oder wie Nicolas Cage die Musikgeschichte veränderte.
„Stadt der Engel“: Ein Schutzengel namens Seth
In der schier unendlichen Auswahl der Nicolas-Cage-Filme ist „Stadt der Engel“ (1997) eher ein Film, der sich im Mittelfeld finden lässt. Zwar nicht so vergessen wie „Red Rock West“ (1993) oder „Frozen Ground“ (2013), aber auch nicht so ikonisch wie andere Hits aus Cages 90er-Run wie „The Rock“ (1996) oder „Snake Eyes“ (1998). Basierend auf dem Wim-Wenders-Film „Der Himmel über Berlin“ (1987) erzählt „Stadt der Engel“ die Geschichte von Seth (Nicolas Cage), der ein Engel ist, der sich unsterblich (oder doch sterblich?) in die Chirurgin Maggie (Meg Ryan) verliebt.
Der Film schlug verhältnismäßig große Wellen – zumindest für einen tragischen Liebesfilm – und spielte fast das Vierfache seines Budgets von circa 55 Millionen Dollar ein. Nicolas Cages Karriere war damit weiterhin auf einem damals scheinbar unaufhaltsamen Hoch, aber selbst er hätte nicht ahnen können, dass seine Performance im Film einen der bekanntesten Songs aller Zeiten beeinflussen sollte.
Radio Goo Goo Dolls: Was Nicolas Cage mit „Iris“ zu tun hat
Was wäre ein Film ohne seinen Soundtrack? Man stelle sich nur die „Guardians“-Filme vor, die sich ohne James Gunns unverkennbaren Musikgeschmack wohl kaum vom Rest der Marvel-Suppe abgehoben hätten. Doch in den 90ern waren Soundtracks noch viel wichtiger als im Hier und Jetzt – denn wenn man diese damals richtig angegangen ist, konnte man auch daraus noch große Summen herausquetschen.
Dasselbe dachte sich wohl auch das Vater-Sohn-Produzenten-Duo Bob und Rob Cavallo, als es darum ging, „Stadt der Engel“ musikalisch auszuschmücken. Neben dem Song „Uninvited“, der von Alanis Morissette für den Film beigesteuert wurde, sprach man auch die Goo Goo Dolls an, um einen Song zu schreiben. Goo-Goo-Dolls-Frontmann John Rzeznik reichte nur kurze Zeit später eine absolute Rockballade ein. Der Name: „Iris“.
Jahre später gab Rzeznik an, dass es vor allem Cage war, der ihn inspirierte, diesen Kultsong zu komponieren: „Ich habe über die Situation von Nicolas Cages Charakter in diesem Film nachgedacht. Dieser Typ ist komplett bereit, seine Unsterblichkeit aufzugeben, nur weil er ein menschliches Gefühl spüren will. Und ich dachte mir so: „Wow! Wie fantastisch muss jemand sein, dass du bereit bist, alles für diese Person aufzugeben.“ Das ist ein ziemlich harter Gedanke.“
Das Nachwirken: Nicolas Cages Aufprall und „Iris’“ Einschlag
Zu sagen, dass sich „Iris“ gut verkauft hätte, wäre eine Untertreibung. Neben etlichen Chart-Erfolgen und einer Live-Performance im Jahr 2001, die dafür genutzt wurde, um Geld für die Opfer des 11. Septembers zu sammeln, ist es vor allem die epische Bandbreite der Ballade, die dem Song verhalf, bis heute ein Stück Musikgeschichte zu sein.
Man könnte sogar mutmaßen, dass „Iris“ seinen Ursprung ausgehend von „Stadt der Engel“ transzendiert hat und mittlerweile der Film das Anhängsel zum Song ist – und nicht andersherum.
Nicolas Cages Karriere florierte danach noch einige Jahre stark weiter und im Gegensatz zu den Goo Goo Dolls schaffte er es, bei der breiten Masse für viele Dinge bekannt zu sein … auch wenn der Schauspieler Mitte der 2010er ebenso hart auf dem Boden der Tatsachen aufschlug wie Seth in „Stadt der Engel“. Dennoch sollte er über zwanzig Jahre später noch einmal die Musikgeschichte verändern. Doch das ist eine Geschichte für ein anderes Mal …









