Alle Wege führen nach RomCom – Kritik zu „Solo Mio“
Nach Jahren der Kino-Abwesenheit meldet sich Kevin James mit „Solo Mio“ zurück – aber ist diese RomCom ein würdiges Comeback oder gibt es einen Grund dafür, dass man James jahrelang nicht mehr auf der Leinwand sehen konnte?

Wo war Kevin James? Das dürfte sich zumindest das durchschnittliche Kino-Publikum fragen, welches den „King of Queens“-Star und treuen Wegbegleiter von Adam Sandler seit „Hotel Transsilvanien 3“ (2018) nicht mehr im örtlichen Lichtspielhaus gesehen haben dürfte. Zwar tauchte der einstige Comedy-Star in etlichen Streaming-Filmen auf, aber abgesehen davon kann man nicht unbedingt behaupten, dass er eine große Präsenz genossen hätte. Und das ist augenscheinlich ein Problem, denn „Solo Mio“ beweist, dass die RomCom und Kevin James eigentlich ein Comeback verdient hätten …
„Solo Mio“: Darum geht es in dem Kevin-James-Film
Matt Taylor (Kevin James) hat den größten Tag seines Lebens vor sich, denn er soll die Liebe seines Lebens heiraten – und das in Rom. Doch das vermeintliche Glück dreht sich sehr schnell, als er am Altar stehengelassen wird und nun planlos sowie tieftraurig in Rom zurückbleibt.
Aber dieser Umstand soll sich ändern, als er die Entscheidung trifft, die geplanten Aktivitäten der Flitterwochen alleine durchzuführen. Dabei begegnet er zwei weiteren Paaren, die schnell merken, dass der nun alleinstehende Matt Chemie mit der Kaffeebesitzerin Gia (Nicole Grimaudo) hat, und machen es sich zur Mission, die beiden miteinander zu verkuppeln.
That’s amore – so in etwa: „Solo Mio“ weckt Gefühle an vergangene Zeiten
Woran es in der heutigen Filmlandschaft mangelt, ist harmloses Füllmaterial. Klar, die Streamer sind voll damit, aber meistens steckt in ebenjenem Füllmaterial auch nicht unbedingt die Ambition, etwas Wertiges zu kreieren.
Bei „Solo Mio“ ist das etwas anders. Das ist ein Film, der zwar nie richtig wertig ist, aber sein Herz so sehr am rechten Fleck trägt, dass man ihm auch nicht böse sein kann. Beim Schauen fühlt man sich stark an die ebenso harmlosen RomComs der frühen 2000er erinnert. Nichts, was hier passiert, wäre nicht schon mal in einem anderen Film passiert, aber gleichzeitig wird man dadurch zunehmend nostalgischer, denn „Solo Mio“ schreibt es sich auch nicht auf die Fahne, mehr als eine klassische RomCom zu sein.
Und das scheint sich ausgezahlt zu haben, denn der Film hat mittlerweile schon das Sechsfache seines Produktionsbudgets von 4 Millionen US-Dollar eingespielt. Damit füllt der Streifen die Lücke der Small- beziehungsweise Mid-Budget-Filme, die heutzutage kaum noch im Kino stattfinden – auch einer der Gründe dafür, weshalb man den eigentlich so charmanten Kevin James kaum noch im Kino sieht.
Kevin James: „Solo Mio“ indeed

Apropos Kevin James: Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal einen Mann im Kino gesehen habe, der den tollpatschigen und trotteligen Romantiker so charmant wie James gespielt hat. Der Mann hat über die Jahre nichts von seinem Esprit sowie Charisma verloren und wertet Witze, die anderen zu trottelig wären, auf.
Bei Kevin James reicht es schon aus, den Mann allein auf ein Tandem zu setzen und schon muss man schmunzeln. Und solche Szenen gibt es in diesem Film zuhauf. So wird man bei einer Szene im Glauben gelassen, dass Matt soeben auf einer Feier eine Frau mit in sein Hotelzimmer genommen hätte. Entsprechend schnaubend kommt er in das Zimmer – bis offenbart wird, dass er allein und so angetrunken ist, dass er seine Jacke nicht ausziehen kann.
Andere Leute würden sich weigern, so etwas zu spielen, aus Angst, dass die Gesellschaft sie als eine Sache abstempeln würde, aber Kevin James nimmt diese Rolle dankbar an. Im Interview zu „Solo Mio“ verriet er uns, dass er noch nie so eine gute Zeit beim Drehen hatte wie bei diesem Film. Klar, das mag vielleicht den schönen Drehorten geschuldet sein, aber ich persönlich finde, dass man das auch an seiner Performance merkt.
Stadt der Engel? Das klaffende Problem von „Solo Mio“
Auch hier gilt, dass es den normalen Kinogängern und Kinogängerinnen nichts sagen wird, aber wenn man zu Beginn das Logo der Angel Studios sieht, dann weiß man, dass der Stoff, der folgt, schwierig sein kann. Um das einzuordnen: Die Angel Studios sind darauf spezialisiert, Inhalte zu vertreiben und zu produzieren, die mit einer christlichen Message übereinstimmen. Daran ist per se nichts schlecht, aber die Art und Weise der Darstellung ist dabei immer entscheidend.
So brachte das Studio in der Vergangenheit mit Filmen wie „Brave the Dark“ oder „The Last Rodeo“ zwei sehr pathetische Filme heraus, die ihre christlichen Werte und Ansichten nicht mehr subtil, sondern omnipräsent darstellten. Glücklicherweise ist „Solo Mio“ da ein eher harmloser Kandidat im Portfolio des Studios, was aber gleichzeitig auch erklären würde, warum der Film so harmlos ist. Statt dorthin zu gehen, wo es schmerzhaft wäre, ist die Welt hier noch einigermaßen in Ordnung. Alle sind verheiratet und für etwas derberen Humor wie in früheren Kevin-James-Komödien ist auch kein Platz.
So entsteht, zumindest bei mir, immer wieder so ein kleines schmutziges Gefühl beim Schauen, da ich ja weiß, dass das, was ich schaue, mit bestimmten Werten und Ausrichtungen zu tun hat. Und per se ist an christlichen Werten auch gar nicht so viel falsch, aber wenn man dann noch im Hinterkopf hat, dass Kevin James auch überzeugter Katholik ist, dann setzt sich langsam, aber sicher ein Puzzle zusammen, bei dem man gar nicht weiß, ob man das volle Bild sehen will.
„Solo Mio“: Klein, aber fein
Harmloser als „Solo Mio“ wird das Kinojahr 2026 voraussichtlich nicht – zumindest inhaltlich. Wer einfach mal für 90 Minuten abschalten und hier und dort etwas schmunzeln will, bekommt definitiv die Chance – eine Art Kevin-James-Garantie.
Dennoch sollte man auch hinterfragen, was man guckt und ob man Filmen mit einer mal mehr und mal weniger klaren politischen und/oder religiösen Ausrichtung eine Chance geben sollte. Im Fall von „Solo Mio“ dürfte hierbei zwar kein großer Schaden entstehen, jedoch weiß man auch nie, wohin das führen kann. Im Zweifelsfall aber erstmal nach Rom – und somit auch ins Kino.









