TV-Tipp am Samstagabend

„Zielfahnder – Kalte Sonne“ heute in der ARD: Ein Krimi, der an die Substanz geht

Menschenhandel, Malta und eine eiskalte Täterin. Zielfahnder Kalte Sonne zeigt die dunkle Seite eines globalen Systems.

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Die Zielfahnder Lars Röwer und Hanna Landauer sind auf der Flucht und müssen sich entscheiden, ob sie ins Meer springen. Foto: © ARD Degeto Film/WDR/W&B Television GmbH/Mark Cassar/Getty Images/Leni Wesselman

Die ARD zeigt heute um 20:15 Uhr den vierten Film der „Zielfahnder“-Reihe. „Zielfahnder – Kalte Sonne“ führt das Ermittlerduo nach Malta und erzählt eine Geschichte, die weit über klassische Krimispannung hinausgeht. Es ist ein Film über Macht, Gewalt und ein System, das im Verborgenen funktioniert und doch erschreckend real ist.

„Zielfahnder – Kalte Sonne“ Handlung: Eine Flucht, die alles noch schlimmer macht

Im Zentrum steht die skrupellose Menschenhändlerin Maria Weinert (Susanne Wuest), die ein internationales Netzwerk namens „Pink Rose“ aufgebaut hat. Junge Frauen, sogar Minderjährige, werden darin systematisch ausgebeutet und zur Ware gemacht.

Eigentlich soll Weinert vor Gericht gestellt werden, doch ihr gelingt die Flucht. Ihre Spur führt auf die Mittelmeerinsel Malta. Genau dort setzen Landauer (Ulrike C. Tscharre) und Röwer (Hanno Koffler) an und stoßen schnell auf ein neues, beunruhigendes Detail:

Auf der Flucht hilft der Sprung ins Meer: Lars Röwer (Hanno Koffler, li.) hilft seiner Kollegin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre).
Auf der Flucht hilft der Sprung ins Meer: Lars Röwer (Hanno Koffler, li.) hilft seiner Kollegin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre). Foto: © ARD Degeto Film/WDR/W&B Television GmbH/Darrin Zammit Lupi

Offenbar plant die Täterin, sich mithilfe eines Schönheitschirurgen ein neues Gesicht und damit eine neue Identität zu verschaffen. Der Arzt Hendrik Meingast (Godehard Giese) und seine labile Frau Ursel (Kim Riedle) geraten ins Visier der Ermittlungen.

Während Landauer sich Ursel nähert und eine brisante Vergangenheit aufdeckt, zieht sich die Schlinge um Weinert immer enger. Doch die Verbrecherin schlägt zurück und bringt die Zielfahnder selbst in Lebensgefahr.

„Zielfahnder – Kalte Sonne“ Besetzung: Ein starkes Duo trifft auf eine kompromisslose Gegenspielerin

Ulrike C. Tscharre und Hanno Koffler tragen den Film mit einer ruhigen, präzisen Präsenz. Ihr Zusammenspiel wirkt eingespielt, fast beiläufig, was der Geschichte zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht. Große Gesten bleiben aus, stattdessen bestimmen Blicke, Pausen und kleine Verschiebungen im Ton die Dynamik.

Im Zentrum steht jedoch Susanne Wuest. Ihre Maria Weinert ist keine Figur, die laut werden muss, um bedrohlich zu wirken. Gerade ihre Kälte, ihre Kontrolle und ihr kalkuliertes Vorgehen machen sie so schwer greifbar. Es ist eine Darstellung, die den Film nachhaltig prägt.

Die gewissenlose Maria Weinert (Susanne Wuest) betreibt einen weltumspannenden Prostituiertenring mit dem Namen „Pink Rose“ und steht nun vor Gericht.
Die gewissenlose Maria Weinert (Susanne Wuest) betreibt einen weltumspannenden Prostituiertenring mit dem Namen „Pink Rose“ und steht nun vor Gericht. Foto: © ARD Degeto Film/WDR/W&B Television GmbH/Mark Cassar

ARD Krimi heute 20:15 Uhr: Warum „Zielfahnder – Kalte Sonne“ mehr ist als ein Thriller

Regisseur Stephan Lacant setzt auf klare Kontraste. Die sonnigen Bilder Maltas stehen im Widerspruch zu dem, was erzählt wird. Das Licht ist grell, die Farben sind warm, doch unter dieser Oberfläche liegt ein System, das von Gewalt und Entmenschlichung lebt.

Das Drehbuch von Mia Maariel Meyer verzichtet weitgehend auf Erklärungen und führt stattdessen direkt in die Strukturen des Menschenhandels. Der Film zeigt nicht nur die Verbrechen, sondern auch deren Folgen. Eine Betroffene beschreibt ihr Erleben mit den Worten, es sei gewesen, als würde ihr die Seele weggerissen. Solche Momente geben dem Film sein Gewicht.

Dabei bleibt „Zielfahnder – Kalte Sonne“ ein Krimi, der Spannung erzeugt, ohne sich allein darauf zu verlassen. Die Inszenierung ist dicht, die Erzählweise konzentriert, auch wenn einzelne Motive vertraut wirken. Entscheidend ist, dass der Film sein Thema ernst nimmt und nicht zur bloßen Kulisse degradiert.

Zehn Jahre nach dem Start der Reihe zeigt dieser vierte Teil, wie konsequent sich „Zielfahnder“ weiterentwickelt hat. Die Schauplätze wechseln, die Fälle werden größer, die Perspektive wird internationaler. In Malta erreicht die Reihe nun einen Punkt, an dem sie erzählerisch wie thematisch besonders nah an die Realität rückt.

„Zielfahnder – Kalte Sonne“ läuft heute um 20:15 Uhr in der ARD und ist bereits in der Mediathek verfügbar. Wer einen Krimi erwartet, bekommt Spannung. Wer genauer hinschaut, sieht ein System, das weit über den Film hinausweist.