Fakten vs. Fiktion

Wie viel Wahrheit steckt in Netflix’ „Monster: Die Ed Gein Story“?

Wie viel Wahrheit verbirgt sich in „Monster: Die Ed Gein Story“? Wir enthüllen die Geschichte hinter Ed Gein – düster, verstörend und voller unerwarteter Details!

Ed Gein mit einem verstörten Gesichtsausdruck. Seine steht links von ihm und starrt ihn an.
„Monster: Die Ed Gein Story“ läuft seit dem 04. Oktober bei Netflix. Foto: COURTESY OF NETFLIX

Seit dem 4. Oktober läuft „Monster: Die Ed Gein Story“ auf Netflix und zieht Zuschauer:innen mit seiner düsteren Atmosphäre in den Bann. Doch wie viel von dem Gezeigten entspricht wirklich der Wahrheit? Wir nehmen die Geschichte des berüchtigten Serienmörders genauer unter die Lupe – und trennen Fakten von Fiktion.

Hat Ed Gein Evelyn Hartley umgebracht?

In der Serie sehen wir Evelyn Hartley (Addison Rae) – ein reales 15-jähriges Mädchen, das 1953 in La Crosse, Wisconsin, spurlos verschwand. In der Show wird dargestellt, wie Gein sie entführt und ermordet, nachdem sie als Babysitterin für ihn arbeiten soll.

In Wirklichkeit bestritt Gein jegliche Verbindung zu Evelyns Verschwinden, und es gab nie belastende Beweise gegen ihn. Laut dem Charley Project bleibt ihr Fall bis heute ungeklärt.

Wie viele Menschen hat Ed Gein getötet?

Ed Gein gestand den Mord an zwei Frauen: der 54-jährigen Wirtin Mary Hogan und der 58-jährigen Eisenwarenhändlerin Bernice Worden. Hogan wurde 1954, Worden 1957 getötet. Laut der New York Times erklärte Gein gegenüber den Behörden, er habe die beiden Frauen ermordet, weil sie ihn an seine verstorbene Mutter erinnerten.

Obwohl Gein im Verdacht stand, weitere Morde begangen zu haben, konnte ihm kein weiterer nachgewiesen werden.

Waren Adeline Watskins und Ed Gein wirklich ein Paar?

In der Serie sehen wir Adeline Watkins (Suzanna Son), die in einer romantischen Beziehung zu Gein steht. In einer Szene begleitet sie ihn bei einem Grabräuber-Ausflug und erzählt ihm von der NS-Kriegsverbrecherin Ilse Koch. Diese Darstellung soll jedoch stark überzogen sein.

Die echte Watkins sprach nach Geins Verhaftung mit der Minneapolis Tribune und behauptete, sie hätten 20 Jahre lang eine Beziehung geführt und Gein habe ihr sogar einen Heiratsantrag gemacht. Zwei Wochen später widerrief sie diese Aussagen gegenüber dem Stevens Point Journal. Sie stellte klar, dass sie Gein zwar seit 20 Jahren gekannt habe, aber niemals in seinem Haus gewesen sei – ihre früheren Aussagen seien übertrieben wiedergegeben worden.

Charlie Hunnam sagte gegenüber Tudum: „Meiner Interpretation nach ist sie größtenteils eine Fantasie von Ed. Er findet in ihr – sei es real oder in seiner Vorstellung – eine verwandte Seele, jemanden, der seine tiefsten Triebe und Impulse versteht.

+++ „Monster: The Ed Gein Story“ auf Netflix – die wahre Geschichte hinter Adeline Watkins +++

Hat Ed Gein tatsächlich Gräber ausgeraubt?

Wie die Warsaw Times im November 1957 berichtete, gestand Gein, die Gräber von neun Frauen geplündert zu haben. Bei der Überprüfung der von Gein genannten Grabstätten stellten die Ermittler fest, dass mehrere Särge leer waren, was seine Aussagen untermauerte. Laut New York Times fanden die Grabraubzüge zwischen 1944 und 1952 statt.

Wie TIME 1957 berichtete, entwendete Gein meist nur die Köpfe der Leichen, in einem Fall gestand er jedoch, einen kompletten Körper mitgenommen zu haben.

Hat Ed Gein Masken und Anzüge aus menschlicher Haut gemacht?

Laut einem Bericht von TIME entdeckten Ermittler in Geins Farmhaus eine regelrechte „Kammer des Grauens“. Dazu gehörten unter anderem „zehn Häute menschlicher Köpfe, sauber vom Schädel getrennt; verschiedene Hautstücke – einige zwischen den Seiten von Zeitschriften, andere zu kleinen Gürteln verarbeitet oder als Polster für Stühle verwendet. Das größte Stück, zusammengerollt auf dem Boden, war der vordere obere Torso einer Frau. Außerdem fanden sie eine Schachtel voller Nasen.“

In Folge 2 sieht man Gein (Charlie Hunnam), wie er aus einer Schale isst, die aus einem menschlichen Schädel gefertigt ist. Dieser makabre Gegenstand soll sich laut Berichten tatsächlich in Geins Haus befunden haben – ebenso wie eine Gesichtsmaske aus Mary Hogans Haut, ein Gürtel aus Brustwarzen und die Einzelteile eines sogenannten „Frauenanzugs“: Leggings und ein Korsett aus menschlicher Haut, angeblich dazu gedacht, um buchstäblich in den Körper seiner Mutter zu „schlüpfen“, wie die Northeastern University berichtet.

Hat Ed Gein seinen Bruder getötet?

In den ersten Episoden wird gezeigt, wie Ed Gein seinen Bruder Henry mit einem Holzscheit erschlägt und den Mord durch einen inszenierten Buschbrand vertuscht.

Tatsächlich kam Henry Gein bei einem Buschfeuer ums Leben. Es gibt jedoch keine Beweise, dass Ed dafür verantwortlich war. Die offizielle Todesursache lautete: Erstickung. Allerdings weist Harold Schecter in seiner Biografie „Deviant“ (1998) auf auffällige Details hin. So habe Henrys Leiche zwar auf verbrannter Erde gelegen, aber keinerlei Verbrennungen aufgewiesen. Die Kleidung war zwar mit Ruß bedeckt, blieb aber unversehrt – ebenso wie die freiliegenden Körperstellen.

War Ed Gein ein Kannibale oder Nekrophiler?

So grotesk und verstörend Geins Umgang – sowohl in der Serie als auch im echten Leben – mit Leichen auch war, es gibt keine Hinweise, dass er seine Opfer oder ausgegrabenen Leichen aß oder sexuell missbrauchte.

Laut einem Bericht von TIME „praktizierte Gein weder Kannibalismus noch Nekrophilie – er bewahrte die Überreste lediglich auf, um sie anzusehen.“ Der Sender A&E berichtet zudem, dass Gein zwar eine „erotische Besessenheit“ gegenüber weiblichen Leichen gestand, sie jedoch nie sexuell missbrauchte – weil sie „zu übel gerochen hätten“.

Hatte Ed Gein etwas mit der Verhaftung von Ted Bundy zu tun?

In der letzten Folge wird gezeigt, wie zwei FBI-Agenten mit Ed Gein sprechen, während sie auf der Suche nach einem Serienmörder sind – dieser entpuppt sich später als Ted Bundy. Die Serie legt jedoch nahe, dass diese Begegnung nur in Geins Vorstellung stattfindet – was auch gut so ist: Bundy wurde tatsächlich im August 1975 verhaftet, nachdem er versucht hatte, sich einer Polizeikontrolle zu entziehen.

Quellen