„The Perfect Neighbor“: Was wurde aus den Kindern von AJ Owens?
Zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Ajike „AJ“ Owens stehen ihre vier Kinder im Mittelpunkt der Netflix-Doku „The Perfect Neighbor“. Wie geht es ihnen heute – und wer kümmert sich um sie?

Als Ajike „AJ“ Owens im Juni 2023 durch die Tür ihrer Nachbarin Susan Lorincz erschossen wurde, verloren ihre vier Kinder auf einen Schlag ihre Mutter. Owens war erst 35 Jahre alt – und ihre Kinder mussten mitansehen, wie sie starb.
Was als Nachbarschaftsstreit begann, endete in einer Tragödie, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Wellen schlug. Die Netflix-Dokumentation „The Perfect Neighbor“, die am 17. Oktober 2025 veröffentlicht wurde, blickt nun mit bisher unveröffentlichtem Polizeimaterial auf die Tatnacht zurück.
Im Mittelpunkt: die Frage, wie es so weit kommen konnte und was aus den vier Kindern wurde, die ihre Mutter verloren haben.
Ein Leben ohne Mutter
AJ Owens hinterließ vier Kinder – die Söhne Isaac, Israel und Titus sowie ihre Tochter Afrika. Zum Zeitpunkt der Tat waren sie zwischen drei und zwölf Jahre alt.
Owens war alleinerziehend, arbeitete in der Gastronomie und galt als unermüdliche Kämpferin für ihre Familie. „Sie war Supermom“, sagte ihre Mutter Pamela Dias später im Interview mit CNN. „Alles, was sie tat, drehte sich um ihre Kinder.“
Trotz langer Arbeitstage fand Owens Zeit, als „Team Mom“ bei den Sportteams ihrer Kinder mitzuhelfen – sie war nicht nur Mutter, sondern auch Mentorin, Trainerin und stärkende Hand zugleich.
Die Nacht, die alles veränderte
Am Abend des 2. Juni 2023 spielten die Kinder draußen, als es erneut zu einer Auseinandersetzung mit Nachbarin Susan Lorincz kam. Lorincz, die sich bereits mehrfach über die Kinder beschwert hatte, warf laut Zeugenaussagen eine Rollschuhkufe nach Israel und traf ihn am Fuß. Das Tablet des Jungen zerbrach – und mit ihm offenbar die letzte Chance auf Frieden.
AJ Owens ging mit ihrem Sohn zur Wohnungstür von Lorincz, um sie zur Rede zu stellen. Als sie klopfte und nach ihr rief, fiel ein Schuss durch die geschlossene Tür. Die Kugel traf Owens in die Brust – sie starb noch am Tatort.
Ihr neunjähriger Sohn Israel stand direkt neben ihr. Isaac, damals zwölf Jahre alt, rannte panisch zu einem Nachbarn und rief den Notruf. „Er konnte kaum sprechen“, erinnerte sich Nachbarin Phyllis Wills. „Er sagte nur: ‚Die Frau hat meine Mama erschossen!‘“
Ein Prozess und viele offene Wunden
Obwohl Lorincz sich zunächst auf das in Florida geltende „Stand Your Ground“-Gesetz berief und Selbstverteidigung geltend machte, wurde sie im August 2024 wegen Totschlags verurteilt – zu 25 Jahren Haft.
Während des Prozesses standen Owens’ Söhne Isaac und Israel auf der Liste möglicher Zeugen, mussten letztlich aber nicht aussagen. „Ich wünschte, sie müssten das nicht erleben“, sagte ihre Großmutter damals. „Aber wenn es nötig ist, um Gerechtigkeit zu bekommen, dann werden wir es tun.“
Schuldgefühle, Trauer – und unglaubliche Stärke
Nach der Tat kämpften die beiden ältesten Kinder mit schweren Schuldgefühlen. In TV-Interviews sprach Dias offen darüber, wie sehr ihre Enkel die Ereignisse quälten.
„Der Neunjährige glaubt, wenn er sein Tablet nicht vergessen hätte, würde seine Mutter noch leben“, erzählte sie in der Talkshow „The View“. „Der Ältere sagt, er hätte sie retten müssen.“ Beide Jungs machten eine Traumatherapie, um das Erlebte zu verarbeiten.
Trotz allem zeigen sie eine bemerkenswerte Widerstandskraft. „Ich sehe die Werte meiner Tochter in ihnen“, sagte Dias. „Ihre Güte, ihre Liebe, ihren Glauben – das tragen sie weiter.“
Ein Jahr später: Gedenken statt Verzweiflung
Zum ersten Jahrestag des Todes von AJ Owens versammelten sich Familie und Freunde, um ihr Leben zu feiern. Die Kinder hielten Reden, tanzten und trugen Gedichte vor.
„Meine Mama ist meine Heldin. Für immer wird sie in meinem Herzen sein“, zitierte der Sender Fox 35 Orlando eines der Kinder. Für ihre Großmutter war dieser Moment besonders bewegend: „Ich glaube, sie haben für ihre Mutter getanzt – und sie hat ihnen von oben zugelächelt.“
Leben bei der Großmutter
Seit dem Tod ihrer Mutter wachsen Isaac, Israel, Afrika und Titus bei ihrer Großmutter Pamela Dias auf. Sie kümmert sich nicht nur um den Alltag, sondern auch um die seelische Heilung der Kinder. Besonders der kleine Titus, der erst drei Jahre alt war, hatte nach dem Verlust mit Wut und Orientierungslosigkeit zu kämpfen.
„Es ist schwer, sie aufwachsen zu sehen, ohne ihre Mutter“, sagte Dias in einem aktuellen CNN-Interview. „Aber sie sind stark – stärker, als ich es je gedacht hätte.“
Neben der Erziehung ihrer Enkel hat Dias auch eine Stiftung gegründet: den Standing in the Gap Fund, benannt nach einem Bibelvers, der für Schutz und Fürsorge steht.
Die Organisation unterstützt Familien, die Opfer von Waffengewalt oder rassistisch motivierten Angriffen wurden, und kämpft für Gesetzesänderungen – insbesondere gegen Missbrauch der „Stand Your Ground“-Gesetze.
„Ihr Name steht jetzt für Veränderung“, so Dias. „AJ wollte immer für andere einstehen – und durch ihre Kinder tut sie das auch heute noch.“
Was du als Nächstes streamen kannst, erfährst du in unserer aktuellen Netflix-Neuheiten-Übersicht.










