Tatort sorgt für mächtig Ärger – zu Recht!
Der ARD-Tatort „Letzte Ernte“ zeigt den Obstbau im Alten Land als kriminell und gesundheitsschädlich – doch Realität und Drehbuch klaffen weit auseinander.

Kommentar
Als eine Zuschauerin, die sich regelmäßig durch Tatort-Folgen klickt, hätte ich nicht gedacht, dass mich ein Film über Obstbau so sehr aufregen könnte. „Letzte Ernte“, ausgestrahlt am 26. Oktober, lockte 8,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor die Bildschirme und sorgte anschließend für Kopfschütteln bei den Menschen, die wirklich im Alten Land arbeiten.
„Letzte Ernte“ zeigt plakative Zuspitzungen statt Realität
Die Folge spielte auf einem Bio-Apfelhof und erzählte die Geschichte eines Mordes. Doch anstatt die komplexen Herausforderungen der heutigen Landwirtschaft abzubilden, setzte der Film auf plakative Zuspitzungen: Die konventionellen Obstbauern erscheinen als „gefährdet durch Chemie“, die Biobäuerin als moralische Heldin im Kampf gegen eine „kriminelle Glyphosat-Mafia“. Szenen, in denen ein Apfelbaum angeblich mit Glyphosat „eingenebelt“ wird, sind wissenschaftlich schlicht unmöglich – Glyphosat wirkt als Totalherbizid und tötet nahezu alle Pflanzen, mit denen es in Kontakt kommt.
Die Darstellung ist nicht nur irreführend, sondern auch schädlich für das Image der Region. In einer Szene wird etwa ein Altbauer im Rollstuhl gezeigt, der an Krebs und Parkinson leidet, angeblich durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Der Landhändler empfiehlt dem verzweifelten Apfelbauern weitere 100 Liter Chemie. Solche Bilder erwecken den Eindruck, dass der gesamte Obstbau im Alten Land gesundheitsschädlich und zu Teilen kriminell sei.
Kritik der Bundesfachgruppe Obstbau
Die Bundesfachgruppe Obstbau meldete sich unmittelbar nach Ausstrahlung zu Wort. Vorsitzender Jens Stechmann kritisierte, dass der Film „ein verzerrtes und in Teilen sachlich falsches Bild“ vermittle. „Die pauschale Gleichsetzung von Pflanzenschutz mit Gesundheitsgefahr und kriminellem Handeln entbehrt jeder Grundlage. Diese Form der Zuspitzung trägt nicht zu einem besseren Verständnis für den heimischen Obstanbau bei, sondern vertieft bestehende Gräben zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.“
Moderne Obstbaupraxis hat im Tatort keinen Platz
Tatsächlich spiegeln die Szenen weder den konventionellen noch den ökologischen Obstbau realistisch wider. Moderne Betriebe arbeiten streng reguliert, verantwortungsvoll und mit moderner Technik. Pflanzenschutzmittel werden dokumentiert, Risiken minimiert und Glyphosat wird im Apfelbau ohnehin nicht eingesetzt wie im Film gezeigt. Die vermeintliche Realität, die „Letzte Ernte“ zeichnet, ist klischeehaft und übertrieben.
Der Tatort verpasst damit die Chance, die faszinierende, komplexe Realität der regionalen Landwirtschaft differenziert zu zeigen.







