Zügig in Zürich

„Tatort“ heute: Starker Abschied in die Sommerpause – Kritik zum Fall „Könige der Nacht“ aus Zürich

Mit schönstem Mai-Wetter verabschiedet sich der „Tatort“ in die Sommerpause – und beweist erneut, dass mit den Ermittlerinnen aus Zürich nicht zu spaßen ist.

Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler stehen für den „Tatort“ in einer Wohnung und zielen mit ihren Waffen.
Fünf vor Zwölf: Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler) verabschieden den „Tatort“ in die Sommerpause. Foto: SRF/Sava Hlavacek

Grandjean und Ott treten diese Woche auf den Plan, um die „Tatort“-Saison zu beenden – und machen das mit einem Knall. Ihr Kriminalfall rund um Migrantinnen und reiche Schnösel ist nicht nur spannend, sondern stellt auch wichtige moralische Fragen. Aber was genau können Fans vom Zürcher „Tatort“ erwarten?

„Könige der Nacht“: Was passiert im Zürcher „Tatort“?

Fahrradkurierin Moya (Nambitha Ben-Mazwi) bangt um ihr Leben, denn sie wurde dabei gesehen, wie zwei vermummte Personen eine Leiche abtransportieren – und fortan machen diese Personen Jagd auf sie. Die gesamte Lage spitzt sich zu, als Moya, die keine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz hat, von ihrer Freundin aus der Wohnung geworfen wird und mit ihrem Sohn im Schlepptau schnell eine neue Bleibe finden muss.

Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler) treten auf den Plan, nachdem die Leiche, die die vermummten Personen transportiert hatten, vom Wasser angespült wird. Nach einigen falschen Fährten laufen die Ermittlerinnen ebenfalls Moya über den Weg und merken, dass sie essenziell für die Ermittlungen ist – weshalb Ott zunächst verschleiert, dass Moya illegal in der Schweiz ist. Ein Spiel gegen die Zeit beginnt, in dem niemand weiß, wem man überhaupt noch trauen kann.

Qual der Moral: Wenn der „Tatort“ seine Bedeutung nutzt

Personen sprechen immer wieder von Erziehungsfällen und werden das im Falle von „Könige der Nacht“ voraussichtlich wieder tun. Dabei sei aber ganz klar gesagt, dass das neueste Zürcher Gastspiel per se nur reale Umstände anspricht und dabei nie belehrend sein will.

Man nutzt den prominentesten Sendeplatz der Woche, um eine Geschichte über Heimatsverlust und Flüchtlingspolitik zu erzählen, macht diese aber nicht zur Agenda des Falls. Um zu verdeutlichen, dass diese Gratwanderung nicht häufig funktioniert, kann man den Dortmunder Fall „Schmerz“ nennen, der nicht aufhörte, seine politische Botschaft zu verbreiten und dabei völlig aus den Augen verlor, eine gute Geschichte zu erzählen.

Und eine gute Geschichte erzählt „Könige der Nacht“ auf jeden Fall, denn die Thematik wird in einen Kriminalfall eingewoben, dessen Wendung man zwar voraussehen kann, bei der man aber gleichzeitig nicht weiß, was sie mit der Motivation der potenziellen Täter zu tun hat. Darüber hinaus beweist man erneut, dass man in Zürich wandlungsfähiger ist als kaum ein anderes Team. Im direkten Vergleich zu den vorherigen Fällen „Rapunzel“ und „Kammerflimmern“ ist „Könige der Nacht“ weniger klamaukig, bleibt seinen Figuren aber trotzdem gerecht.

Grand Finale mit Grandjean und Ott: Die Figuren sind das Herz des „Tatort“

Im direkten Vergleich zu Dortmund, wo die Kollegen rund um Faber gar nicht schnell genug wieder gehen können, ist Zürich ein absolut eingespieltes „Tatort“-Team. Grandjean und Ott sind nach knapp sechs Jahren mittlerweile eingespielt und profitieren von ihrer herzlich rauen Uneinigkeit. Häufig wollen sie dasselbe, haben aber unterschiedliche Wege, von Punkt A zu Punkt B zu kommen. Und wie das unfassbar starke Ende von „Könige der Nacht“ zeigt, sind sie in den wirklich wichtigen Momenten dennoch einer Meinung.

Auch Noah Löwenherz (Aaron Arens) ist ein ungewohntes Absurdum in der „Tatort“-Reihe – zumindest in der Hinsicht, dass Nebenfiguren, die in anderen Fällen häufig Sympathieträger sein sollen, dieser Position meist nicht gerecht werden (können). Löwenherz hingegen ist ein Sympathieträger der ersten Stunde und ein fester Bestandteil des Teams, ohne den Grandjean und Ott nicht arbeiten könnten. Und unentbehrlich bedeutet am Ende des Tages auch unweigerlich liebenswert.

„Tatort“: Böses Spiel dank Bösewicht – wer sind die „Könige der Nacht“?

Ohne zu verraten, wer wirklich die „Könige der Nacht“ sind, kann man sagen, dass man zwei sehr interessante Bösewichte serviert bekommt, die in keiner Art und Weise mit den moralischen Grundfragen des Falls zusammenhängen.

Stattdessen suhlt man sich eher in etwas, das sich wie eine „Funny Games“-Referenz anfühlt, und „versteckt“ einen Teil der Lösung in klarer Sicht. Diese klare Sicht ist vielleicht aber auch das größte Problem des Falls, denn man muss als Zuschauer oder Zuschauerin niemals wirklich mitraten, wer oder was an bestimmten Dingen die Schuld tragen könnte. Andererseits ist es aber vielleicht auch mal schön, wenn das Publikum tatsächlich mitraten kann, ohne dass sich eine Wendung offenbart, die man niemals hätte vorhersehen können.

„Tatort“-Fazit: Willkommen in der Sommerpause

Und das war es mit der „Tatort“-Saison 2025/26, denn „Könige der Nacht“ läutet offiziell die Sommerpause und somit den großen Kosmos der „Tatort“-Wiederholungen ein. Tatsächlich bekommen Fans die längste Pause der Reihe (bisher) geboten und dürfen sich erst ab dem 13. September wieder über neue Fälle freuen.

Warum die Pause dieses Jahr derartig lang ist und auf welche Fälle man sich freuen kann, kann man in diesem Artikel nachlesen. Wer sich aber schon jetzt und nicht erst in den nächsten Wochen freuen möchte, sollte heute Abend definitiv den „Tatort“ schauen, denn Grandjean und Ott servieren einen gelungenen letzten Gang, der Lust darauf macht, demnächst wiederzukommen – wenn auch erst im September.