The girls are fighting

„Tatort“ heute: Speer im Arsch und Sommerpause – Kritik zum Münster-Fall „Man stirbt nur zweimal“

Münster läutet mit „Man stirbt nur zweimal“ die Sommerpause ein – und gibt sich (bemüht) spaßig, vulgär und streitsüchtig. Aber sollte man sich das auch ansehen?

Jan Josef Liefers und Axel Prahl stehen im spärlichen Kerzenschein in der Dunkelheit.
Team Münster tappt im Dunkeln: Der Fall „Man stirbt nur zweimal“ ist der offizielle Beginn der „Tatort“-Sommerpause. Foto: WDR/Taimas Ahangari

Herzlich willkommen im Nirvana der „Tatort“-Sommerpause, wo eine scheinbar wahllose Auswahl an Wiederholungen gezeigt wird. Den Anfang macht „Man stirbt nur zweimal“ aus Münster, der versucht, den Mangel an neuen „Tatort“-Fällen mit Humor und Krawall auszugleichen. Ist diese Kombination genau das, was die Fans jetzt brauchen, oder forciert Münster wie eh und je nur Fremdscham?

„Man stirbt nur zweimal“: Darum geht es in der „Tatort“-Wiederholung

Doreen Prätorius (Cordelia Wege) erlebt den schönsten Tag ihres Lebens: Ihr Anwalt Weintraub (Nils Brunkhorst) hat für sie drei Millionen Euro herausgeklagt, die ihr im Rahmen der Lebensversicherung ihres verstorbenen Mannes (Christian Erdmann) zustehen. Doch als Weintraub Prätorius einige Unterlagen vorbeibringt, findet er heraus, dass ihr Ehemann gar nicht tot ist – prompt wird er vom Treppengeländer gestoßen und im Fall von einem Speer aufgespießt.

Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) sind sich über den Tathergang unsicher. Während Thiel glaubt, dass es Notwehr war, ist sich Boerne sicher, dass der Fall deutlich komplexer ist. Beide wissen nicht, dass ihre falschen Annahmen sie trotzdem auf die richtige Spur führen werden …

Die üblichen Münster-Probleme – und noch ein paar mehr

Das Team aus Münster spaltet das deutsche Publikum mittlerweile schon seit über zwanzig Jahren. Bei dem Versuch, lustig zu sein, treten sie immer wieder Personen freiwillig und unfreiwillig auf die Füße – nur mir nicht, weil ich den Humor zwar meist nicht lustig finde, aber froh genug bin, in der häufig doch recht ähnlichen Suppe etwas Abwechslung zu bekommen.

Und dasselbe Spiel wird auch hier gespielt. Thiel und Boerne hauen sich einen Spruch nach dem anderen um die Ohren … gelegentlich werden sie sogar vulgär. Prinzipiell ist das nichts Besonderes, sollte aber schon ausreichen, um einige Zuschauende aus der Fassung zu bringen.

Ich hingegen schäme mich diesmal nur für das Team aus Münster, denn eine Szene wirft etliche Fragen auf: Thiel und Boerne diskutieren darüber, ob man die alte Bezeichnung für amerikanische Ureinwohner noch verwenden dürfe, und der Ausgang dieser Szene ist so unklar, dass man nicht weiß, ob man sich progressiv oder regressiv geben will. Tendenziell fühlt es sich eher so an, als wolle man sich über all jene lustig machen, die den Anstand besitzen, politisch korrekt zu sein. Später wird dann ein Witz darüber gemacht, ob man denn noch Indiana Jones sagen dürfe – wenn man nur wüsste, dass der Charakter nach einem US-Bundesstaat benannt ist.

„Keine Witze jetzt“: Welcher Personengruppe man noch auf die Füße tritt

Ein weiterer mehr als regressiver Witz kommt von Kollege Boerne. In einer Szene soll seine kleinwüchsige Assistentin (Christine Urspruch) ihn mit all ihrer Kraft schubsen. Es folgen mehrere süffisante Blicke seitens Boerne, die der „Tatort“ ad absurdum führen will, indem sie ihn tatsächlich mit voller Wucht über eine Liege schubst.

Doch die erhoffte Retourkutsche zerfällt nach wenigen Sekunden, weil Boerne seine Verletzung nur mit dem Satz „So viel Kraft in so wenig Physik“ abtut. Das ist nicht nur despektierlich, sondern auch wieder regressiv – typisch konservative ARD-Haltung.

Wo der wahre Humor und die Prächtigkeit liegen

Was ich hingegen sehr amüsant finde, ist, dass sowohl Thiel als auch Boerne auf einem derartig hohen Ross sitzen und gar nicht merken, dass sie in die vollkommen falschen Richtungen ermitteln und trotzdem fündig werden. Arroganz, die kontinuierlich unterwandert wird, ist ein mehr als lustiger Umstand.

Und auch optisch macht der Fall hin und wieder etwas her. Die Exposition wird umgangen, indem man Thiel und Boerne immer wieder dabei zeigt, wie sie sich die Situationen vorstellen. So wird Thiels Sofa samt nahestehender Einrichtung in den Garten der Eheleute Prätorius gestellt, damit die beiden sich vorstellen können, was vorgefallen ist. Solche Situationen passieren immer wieder und sind stets unterhaltsam.

Darüber hinaus findet man auch in der Dunkelheit ein paar schöne Bilder. Thiel und Boerne sitzen zum Beispiel im Rotlicht in einem Bunker fest, während Frau Prätorius durch den düsteren Nebel stolpern darf. Abgesehen von einer mehr als hässlichen Sequenz, in der ein Greenscreen verwendet wird, kann sich „Man stirbt nur zweimal“ allein wegen der Bilder ansehen.

„Man sieht nur zweimal“: Hoffentlich wird der Sommer weniger mittelmäßig

Ob das kein schlechtes Omen ist, wie das Team aus Münster die Sommerpause einleitet? Andererseits: Was sollte man schon erwarten, wenn man den Kriminalkaspern den Vortritt lässt?

Man kann heute Abend sicherlich einige schlechtere Sendungen über sich ergehen lassen, aber es gibt sicher auch bessere Unterhaltung, die einem am Sonntagabend über den Weg laufen könnte. Wer wissen will, was in der Sommerpause sonst noch so lauert, kann das in unserer Bildergalerie herausfinden.