Fernsehen

Rosamunde Pilcher: ZDF äußert sich zur gewagten „Grenzüberschreitung“

In einem neuen Rosamunde-Pilcher-Film wird mit den familienfreundlichen Traditionen der Reihe gebrochen – und das ZDF reagiert überraschend gelassen.

An der Küste Cornwalls: Johanna Rashford (Anna Hausburg) und Bill Reynolds (Kerim Waller) stehen eng beieinander und blicken sich tief in die Augen.
"Rosemunde Pilcher"-Filme bieten dem Publikum sichere Beständigkeit – eigentlich. Foto: ZDF/Steve Tanner

Rosamunde Pilcher steht seit Jahrzehnten für eine sehr klar umrissene Fernsehwelt: sanfte Romantik, große Gefühle, malerische Landschaften – und vor allem Harmonie. Umso größer ist die Irritation beim neuen Film „Einspruch für die Liebe“, der am vergangenen Wochenende im ZDF gezeigt wurde. Denn dort wird erstmals etwas gezeigt, das bislang als Tabu galt: Cannabis-Konsum.

Die Handlung basiert auf einer Kurzgeschichte von Pilcher und dreht sich um Frederic, gespielt von Felix Vörtler, der im Garten seiner Nachbarin Diane eine Cannabis-Plantage entdeckt. Diane, verkörpert von Nina Kronjäger, nutzt die Pflanzen nach eigener Aussage nicht aus Vergnügen, sondern zur Linderung von Schmerzen – verarbeitet als Salbe und Tee. Frederic wiederum bedient sich an der Teedose und dreht sich einen Joint. Ob aus medizinischen oder eher privaten Gründen, bleibt bewusst offen.

Produzent spricht von bewusster Grenzverschiebung

Dass es sich dabei um einen bewussten Bruch mit bisherigen Regeln handelt, bestätigt Produzent Michael Smeaton offen. Bisher habe für die Reihe gegolten: kein Sex, keine Drogen. Nun wollten die Autoren genau hier ansetzen. „Die Autoren hatten die Idee, das zu ändern“, erklärt Smeaton. „Wir dachten, das bringt vielleicht noch einmal einen anderen Zug in die Geschichte.“

Im Zentrum der internen Diskussion stand die Frage, ob man damit die Pilcher-Welt beschädige. „Wir haben dann darüber gesprochen, ob das eine zulässige Grenzüberschreitung ist oder nicht. Verändern wir damit die Pilcher-Welt?“ Die Antwort fiel für das Team eindeutig aus. Man habe sich darauf verständigt, dass der Film lediglich abbilde, „dass wir mit der Zeit gehen“.

ZDF reagiert überraschend offen

Besonders bemerkenswert: Auch das ZDF hatte laut Smeaton keine Einwände. „Der Sender hatte damit kein Problem“, sagt der Produzent. Für ihn sei das ein positives Signal gewesen. Er spricht von einem „mutigen Schritt in die richtige Richtung“ und beschreibt den Film als „einen jüngeren Pilcher geworden – mit modernen Themen und schnellem Erzähltempo“.

Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, das Grundprinzip der Reihe aufzugeben. „Mord und Totschlag oder Sex vor der Kamera überlassen wir weiter dem ,Tatort‘“, stellt Smeaton klar. Vielmehr handle es sich um „einen behutsamen Schritt in eine neue Welt, nicht mehr und nicht weniger“.

Nina Kronjäger bezieht klar Stellung

Auch Hauptdarstellerin Nina Kronjäger unterstützt die neue Offenheit – nicht nur im Film. Sie äußert sich klar zur Legalisierung von Cannabis und sagt: „Grundsätzlich finde ich, dass Legalisieren eine gute Idee war, denn die Typen sind unterschiedlich. Die einen trinken lieber, die anderen kiffen.“ Ihre Begründung ist eindeutig: „Kiffer sind friedlich. Betrunkene hingegen oft aggressiv. Warum sollen dann die Kiffer kriminalisiert werden?

Kronjäger verweist dabei auch auf persönliche Erfahrungen. „Dem langweiligen Argument: Kiffen ist der Anfang einer Drogenabhängigkeit setze ich als Tochter eines Alkoholikers entgegen: Wie viele Menschen in Deutschland sind Alkoholiker und können ganz legal ihrer Sucht nachgehen?“

Privat habe sie Cannabis allerdings hinter sich gelassen. „Mit Kiffen hab ich als Jugendliche genau drei Erfahrungen gemacht“, erzählt sie und zählt diese offen auf – vom Erbrechen bis zum Lachanfall. Ihr Fazit: „Ich trinke lieber ein Glas Wein. Das kann ich besser handeln.“

Quellen