"One Piece", die beste und wichtigste Geschichte unserer Generation
Schon lange vor Start der 2. Staffel der Netflix Live-Action-Adaption war “One Piece” ein weltweites Phänomen. Aber woran liegt es, dass die Piratenabenteuer der Strohhut-Bande auch nach über 25 Jahren eine ganze Generation begeistern?
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Was definiert eine Generation? Nicht selten ist es ein Krieg, eine wirtschaftliche Krise oder Naturkatastrophe. Oft sind es aber auch positivere Ereignisse kultureller Natur. Die Beatles und Nirvana haben die Musikindustrie ihrer Zeit geprägt wie kaum eine andere Band. Quentin Tarantino hat mit „Pulp Fiction“ das Kino der 90er-Jahre neu definiert.
Und „One Piece“? Der Manga/Anime hat sich über Jahre von einer der besten Erzählungen des 21. Jahrhunderts zu einem Symbol gegen politische Oppression entwickelt. Ein fiktives Werk mit dem Potenzial, reale Regierungen zu stürzen.
"One Piece": Vom Manga über Anime bis zur Netflix Live-Action-Serie
Am 10. März startete auf Netflix die heiß erwartete 2. Staffel der Live-Action-Adaption zu „One Piece“. Eine der wenigen wirklich guten Anime-Realverfilmungen, die gleichermaßen bei Fans wie Kritikern Zustimmung findet. Kein Wunder also, dass derzeit schon die dritte Staffel „One Piece“ gedreht wird.
Obwohl es nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Netflix-Verfilmung der Serie einen Popularitätspush gegeben hat, ist es genauso wichtig zu sagen, dass „One Piece“ diesen Push nicht gebraucht hat. Seit 1997 erscheint die Serie aus der Feder von Eiichiro Oda als wöchentlicher Manga, der aktuell aus über 1170 Kapiteln besteht. „One Piece“ ist mit über 600 Millionen Exemplaren der meistverkaufte Manga aller Zeiten.

Seit 1999 wird wöchentlichen eine Animefolge ausgestrahlt – über 1150 Episoden gibt es bis heute. Sowohl beim Manga, also auch Anime ist noch kein Ende in Sicht. Es gibt mehrere Filme, ein sehr populäres „One Piece“-Sammelkartenspiel, Videospiele, Lego-Sets und allerlei anderes Spielzeuge zum Franchise.
Die „One Piece“-Maschinerie ist eine gut geölte. Doch diese Maschinerie würde nicht so gut funktionieren, wäre das Ausgangsmaterial und die Lieber der Fans in aller Welt zu diesem nicht so groß. Doch da stellt sich die Frage, warum und wie es eine Serie schafft, auch noch nach 25 Jahren so beliebt, unterhaltsam, relevant und schlicht gut zu sein?
Das Worldbuilding in "One Piece"
„One Piece“ ist eine Serie, die eine kontinuierliche Geschichte erzählt. Das ist bei Mangas/Animes dieser Art nicht ungewöhnlich, unterscheidet sich aber maßgeblich von der westlichen Comic-Kultur, in der nach einigen Kapiteln eine abgeschlossene Story auserzählt wird und nächsten Monat dann eine ganz neue beginnt. Einzig der Protagonist und weitere Schlüsselfiguren tauchen wieder auf, sind aber von den Ereignissen der zuvor abgeschlossenen Story in der Regel unberührt.
Natürlich ist eine kontinuierliche Geschichte an sich noch kein Qualitätsmerkmal. Es ist aber eine Erzähltechnik, die, wenn gut umgesetzt, die Leser bindet. Und wie gut Eiichiro Oda sein Werk versteht! Eine der größten Stärken der Serie ist das Worldbuilding, und dieses ist es, dass „One Piece“ nach all den Jahren noch immer zu einer so fesselnden Geschichte macht.

In der großen Ära der Piraten sticht Monkey D. Ruffy (in der Netflix-Adaption gespielt von Inaki Godoy) in See, um den legendären Schatz One Piece zu finden und so zum König der Piraten zu werden. Auf seiner Reise begegnet er dem Schwertkämpfer Zorro (Mackenyu), der Navigatorin Nami (Emily Rudd), dem Koch Sanji (Taz Skylar) und dem Scharfschützen Lysop (Jacob Gibson), die zusammen mit Luffy als Kapitän die Strohhut-Bande formen und von nun an allerlei verrückte Abenteuer erleben.
Dabei treffen sie auf jeder Insel neue Freunde und Feinde. Vermeintliche Nebenfiguren haben ihren kleinen Auftritt, spielen für hunderte von Kapiteln keine Rolle, nur um dann wieder als wichtige Protagonisten ins Rampenlicht zu rücken. Ein Erzählstrang wird in Folge 50 angeteasert und erst in Folge 750 wieder aufgegriffen, fortgeführt und zu Ende gestrickt. Wichtige Ereignisse, die relevant für die Welt von „One Piece“ sind, geschehen in einem Nebenkapitel, in dem die Strohhut-Bande abstinent ist, die Ereignisse aber viele Kapitel später zu spüren bekommt.
Die Welt von „One Piece“ ist ein komplexes Geflecht aus Individuen, Institutionen, Interessensgruppen. Es ist für einen Manga seiner Art eine unerwartet vielschichtige, gedankenvoll durchstrukturierte und intelligente Welt.
Strohhut-Flagge als Symbol für Freiheit
Zurück zu Monkey D. Ruffy, dem Protagonisten von „One Piece“. Ruffy ist ein unverbesserlicher Träumer. Ein freiheitsliebender und loyaler Optimist. Immer gut gelaunt, aber auch immer bereit, sein Leben für seine Freunde und Prinzipien aufs Spiel zu setzen. Ein Kämpfer für Freiheit und Selbstbestimmung; ein Kämpfer der Befreiung.
Auf ihrer Reise begegnen die Strohhüte Tyrannen, die ihr Volk unterdrücken. Sie werden in einen Bürgerkrieg verwickelt und bieten der menschenverachtenden Weltregierung die Stirn. Sie werden Versklavung und Rassismus konfrontiert. Und immer wieder kämpfen die Strohhüte an der Seite der Schwachen gegen die korrupten Unterdrücker für die Freiheit.

„One Piece“ und insbesondere die Piratenflagge der Strohhüte ist in den letzten Jahren bei jungen Menschen zu einem Symbol geworden gegen Machtmissbrauch und politische Oppression. Auf Protesten rund um die Welt (Indonesien, Kenia, Philippinen, Frankreich) ist die Jolly-Roger-Flagge zu sehen. Selbst zuletzt in den USA bei Demonstrationen gegen ICE wurde sie gesichtet. Sie wird in der Regel von Menschen der Gen Z gehisst, die ihren Unmut gegen die elitäre Klasse ausdrücken wollen; ihre Wut darüber, wie die Welt funktioniert.
Ein moralisch zeitloser Kompass
„One Piece“ macht die Welt zu einem besseren Platz. Nicht, weil es eine spannende, witzige, unterhaltsame und intelligente Geschichte erzählt – obwohl es immer eine Freude ist, so etwas zu sehen bzw. lesen. Sondern weil sie einen moralisch zeitlosen Kompass präsentiert, der immer Richtung Freundschaft, Loyalität, Mut, Tapferkeit, Individualität und Freiheit zeigt.
Die „One Piece“-Flagge ist zu einem Symbol geworden, etwas ändern zu wollen. Einem Symbol für den unbändigen Drang nach Freiheit und der Solidarität zwischen all jenen, die rund um den Globus für Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und gegen Tyrannei einstehen.



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