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„No Other Choice“ – außer bei den Oscars: Kritik zum neuen Film von Park Chan-wook

„No Other Choice“ war der heißeste Kandidat für den Auslandsoscar – doch er wurde nicht einmal nominiert. Ich erzähle in meiner Kritik, warum das seine Richtigkeit hat …

Der Hauptdarsteller aus „No Other Choice“ steht an einer Dachkante und hält einen Blumentopf über seinem Kopf.
Volltreffer oder voll daneben? „No Other Choice“ spaltet die Massen – insbesondere die Academy. Foto: IMAGO / Landmark Media

Die Oscars sorgen immer wieder für Frustration beim Durchschnittspublikum und bei allen Filmliebhabenden. 2024 regte man sich auf, dass Barbie nicht genügend Oscar-Nominierungen erhalten hätte. 2025 wurde Wicked nicht als das Meisterwerk verstanden, das es augenscheinlich zu sein scheint. Und 2026 sind nun alle Park-Chan-wook- – der von meiner Sitznachbarin im Kino mit Bong Joon Ho verwechselt wurde – Jünger und Jüngerinnen frustriert, weil seinem neuesten Film „No Other Choice“ die Nominierung als „Bester fremdsprachiger Film“ verwehrt wurde. Aber ist die Frustration berechtigt, oder kann es sein, dass „No Other Choice“ vielleicht nur hochgehalten wird, weil ein großer Name dahintersteckt?

„No Other Choice“: Davon handelt Park Chan-wooks neuester Film

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Video: Plaion Pictures

Für Familienvater Yoo Man-su (Lee Byung-hun) dreht sich alles um Papier, denn er ist mit voller Passion Angestellter in einer Papierfabrik. Doch aufgrund firmeninterner Umstrukturierungen wird Man-su entlassen und findet sich plötzlich in der hoffnungslosen Welt des modernen Arbeitsmarktes wieder. Während er verzweifelt nach einem Job in der Papierbranche sucht, ergreift seine Frau Lee Mi-ri (Son Ye-jin) drastische Maßnahmen und eröffnet ihrer Familie, dass Kosten eingespart werden müssen: Das Auto wird gegen ein billigeres eingetauscht, das Haus soll verkauft werden – und zum Unmut aller wird das Netflix-Abo gekündigt. Doch mit dem Hausverkauf ist Yoo Man-su nicht einverstanden und begibt sich in den Krieg. Seine Gegner? Die anderen Mitbewerber, die er nun mit gewaltsamen Mitteln aus der Welt schaffen will …

Park Chan-wook zaubert wieder: „No Other Choice“ sieht atemberaubend aus

Man kann Park Chan-wook vieles vorwerfen, aber definitiv nicht, dass seine Filme nicht immer technisch aus allen Zylindern feuern würden. Wie der brillant geschnittene Trailer vermuten lässt, ist „No Other Choice“ ein optischer Augenschmaus. Die Kamera ist hier überall: in der Hundehütte, auf dem Dach und im Bierglas. In jeder Sekunde merkt man, dass sich jemand große Gedanken darüber gemacht hat, wie jede Szene aussehen soll.

Gleichzeitig ist die optische Opulenz aber auch das größte Problem des Films. Denn so schön und durchgetaktet die Szenen wirken mögen, fällt in jeder Minute auf, dass die Geschichte diesen schönen Bildern nicht gerecht werden kann. Und das erklärt auch das Ausbleiben einer Oscar-Nominierung: Wenn alle Filme, die technisch grandios aussehen, aber sonst nicht viel mehr mitbringen, Material für den Besten Film des Jahres sind, dann müsste Christopher Nolan der Regisseur mit den meisten Oscars sein.

Erzähl mir das Lied vom Tod – aber beeile dich bitte: „No Other Choice“ lässt sich zu viel Zeit

Der Hauptdarsteller aus „No Other Choice“ richtet einem Mann auf einem Stuhl eine Schusswaffe entgegen.
Korean Standoff: Yoo Man-su (Lee Byung-hun, l.) versucht seine Konkurrenz mit unfairen Mitteln auszuschalten. Foto: IMAGO / Landmark Media

Die Ausgangslage von „No Other Choice“ klingt durchaus interessant und ist mehr als aktuell. Immerhin war es niemals schwerer als heutzutage, eine feste Anstellung zu finden und diese auch noch halten zu können. Man möge meinen, dass ebenjenes Anprangern in Vermengung mit einem mörderischen Anteil für einen interessanten Film sorgt, aber leider ist das nicht die Geschichte, für die sich Park Chan-wook interessiert.

Stattdessen erzählt der Altmeister davon, wie Yoos Arbeitslosigkeit auf seiner Ehe lastet – und jede Minute, die der Film damit verbringt, diese Geschichte zu erzählen, berührt emotional. Keine Sekunde vergeht, in der man nicht hofft, dass die Ehe der Hauptfiguren Yoos „Krieg“ unbescholten überlebt. Über die Lauflänge des Films wird man in die Familie integriert – egal ob am Esstisch oder auf dem Maskenball. Aber …

„Szenen einer Ehe“ – und dazwischen „Mord ist sein Hobby“

Die gesamte Geschichte rund um das Ausschalten der Mitbewerber ist ermüdend und nicht so spaßig, wie man denken mag. Immer wieder bringen Yoos Eskapaden den Film zum Stillstand und sorgen dafür, dass der Film mindestens zwanzig Minuten zu lang ist.

Dazu kommt, dass unser Hauptcharakter, der selbstverständlich unsympathisch wirken soll, etwas zu unsympathisch wird. Denn ab einem bestimmten Punkt des Films wird klargemacht, dass Yoos Annahme, „No Other Choice“ zu haben, nicht ganz stimmt. Viel eher hängt sie mit fehlgeleitetem Stolz zusammen, und ebenjener Stolz bringt nicht nur Yoo, sondern auch seine gesamte Familie in Gefahr. Und wenn der Protagonist kein Sympathieträger ist, wird das Filmerlebnis dadurch nicht einfacher.

Oscar-Snub: Ja oder Nein?

Hat die Academy nun die richtige Entscheidung getroffen, „No Other Choice“ nicht als „Besten fremdsprachigen Film“ zu nominieren? Wenn es nach mir persönlich geht, dann ja. „No Other Choice“ ist zwar ein feiner Film, aber sollte man einen Film automatisch zu den Besten des Jahres zählen, nur weil ein renommierter Name dahintersteht? Wohl kaum.

Andererseits darf man nicht vergessen, dass die Academy nicht das Maß aller Dinge ist. Immerhin gibt es jedes Jahr nicht umsonst Berichte, aus denen hervorgeht, dass sich nur ein Bruchteil der Mitglieder die nominierten Filme tatsächlich anschaut. Demnach kann nicht nur die Academy, sondern auch ich falschliegen. Vielleicht ist „No Other Choice“ ein Meisterwerk, das Generationen überdauern wird. Das ist das Schöne an Meinungen: Wir alle haben eine – aber nur weil wir eine haben, heißt das nicht unbedingt, dass sie richtig ist. Also brich mit der Illusion, „No Other Choice“ zu haben, und triff deine eigene …