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„Mein Vater, der BTK-Killer“ auf Netflix: Wo sind Kerri Rawson und Dennis Rader heute?

Die neue Netflix-Doku „Mein Vater, der BTK-Killer“ erzählt eine der erschütterndsten Geschichten des US-True-Crime-Genres. Wo stehen Vater und Tochter heute – und wie lebt man mit der Wahrheit, dass der eigene Vater ein Mörder ist?

Dennis Rader wird von zwei Polizisten ins Gefängnis in El Dorado geführt.
Viel zu lange lebte Dennis Rader in Freiheit. Foto: IMAGO / Newscom World

Die Netflix-Dokumentation „Mein Vater, der BTK-Killer“ von Regisseurin Skye Borgman beleuchtet eines der berüchtigtsten Kapitel der amerikanischen Kriminalgeschichte – diesmal aus einer ungewohnten Perspektive. Im Mittelpunkt steht Kerri Rawson, Tochter des Mörders Dennis Rader, der sich selbst den Namen „BTK“ gab – ein Kürzel für Bind, Torture, Kill (Fesseln, Foltern, Töten).

Während frühere Berichte vor allem die brutalen Morde und die Jagd nach dem Täter in den Fokus rückten, richtet diese Doku den Blick auf die Menschen, die am meisten von seinen Taten überschattet wurden – seine Familie.

Kerri erzählt, wie sie am Morgen des 25. Februar 2005 erfuhr, dass ihr Vater, den sie für einen liebevollen Ehemann und hilfsbereiten Nachbarn hielt, in Wahrheit ein Serienmörder war. „Ich konnte es einfach nicht glauben“, sagte sie später in Interviews. „Ich dachte, sie hätten sich geirrt.“

Eine Kindheit in trügerischer Normalität

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Video: Netflix

Geboren 1978 als erstes Kind von Dennis und Paula Rader, wuchs Kerri in Wichita, Kansas, in einem typischen Mittelklassehaushalt auf. Ihr Vater arbeitete als Sicherheitsinspektor, war Mitglied in der Christ Lutheran Church und galt als engagierter Gemeindevorsteher.

Nach außen schien alles perfekt: Der Vater baute seinen Kindern ein Baumhaus, brachte Kerri das Fahrradfahren bei und war bei jeder Schulveranstaltung dabei. Nachbarn beschrieben ihn als freundlich, hilfsbereit und äußerst zuverlässig.

Doch im Haus galten strenge Regeln. Dennis kontrollierte viele Details des Familienlebens – von Essenszeiten bis zu Freizeitaktivitäten. Niemand stellte diese Regeln infrage. Dass sich hinter der Fassade ein Mann verbarg, der nachts mordete und seine Taten akribisch dokumentierte, ahnte niemand.

Der „BTK-Killer“ – ein Leben zwischen Alltag und Albtraum

Zwischen 1974 und 1991 ermordete Dennis Rader mindestens zehn Menschen. Seine Opfer wählte er scheinbar wahllos aus. Besonders grausam: Er inszenierte die Tatorte, machte Fotos und schrieb Briefe an Medien und Polizei, in denen er mit seinen Morden prahlte.

Die Abkürzung BTK war sein Markenzeichen und seine Botschaft an die Öffentlichkeit. Er genoss die Aufmerksamkeit, die ihm die Presse schenkte, und suchte immer wieder aktiv den Kontakt zu Journalisten.

Nach einer langen Pause meldete er sich 2004 erneut zu Wort. Als er begann, Disketten an eine Lokalzeitung zu schicken, wurde ihm zum Verhängnis, was er für technische Raffinesse hielt: Ermittler fanden auf dem Datenträger Spuren, die zu einem Computer in seiner Kirche und schließlich zu Dennis Rader führten.

Am 25. Februar 2005 wurde der 59-Jährige festgenommen – ohne Widerstand, ohne Reue.

Die DNA seiner Tochter brachte die Wahrheit ans Licht

Kerri Rawson sitzt auf ihrem Bett.
Kerri befindet sich in einer Situation, die kaum jemand nachempfinden kann. Foto: Netflix

Um Rader zweifelsfrei zu überführen, griffen die Ermittler zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie beschafften sich heimlich eine DNA-Probe von Kerri Rawson aus dem medizinischen Archiv ihrer Universität. Der Abgleich war eindeutig – die Spuren vom Tatort stimmten überein.

Für Kerri war das ein weiterer Schock. Ihr Vater, der sie zum Fleiß und Gehorsam erzogen hatte, war derselbe Mann, der Frauen und Kinder gefesselt, gefoltert und getötet hatte.

Der doppelte Schmerz der Opferfamilie

„Mein Vater, der BTK-Killer“ zeigt eindringlich, dass nicht nur die Opfer selbst, sondern auch deren Familien – und in diesem Fall die Täterfamilie – ihr Leben lang mit den Folgen der Verbrechen kämpfen.

Kerri beschreibt, wie sie sich nach der Verhaftung ihres Vaters plötzlich selbst als Verdächtige fühlte. Freunde, Nachbarn und Kollegen begegneten ihr mit Misstrauen. Medien belagerten das Haus. Ihre Familie zerbrach – ihre Mutter Paula Dietz ließ sich scheiden, ihr Bruder zog sich völlig zurück.

Kerri begann, über das Trauma zu schreiben – zunächst, um zu verstehen, dann, um anderen Angehörigen von Straftätern Mut zu machen. Ihr Buch „A Serial Killer’s Daughter“ wurde 2019 veröffentlicht und machte sie zu einer gefragten Rednerin bei Opferhilfsorganisationen.

Hat Dennis Rader auch seine Tochter missbraucht?

Die Dokumentation geht auch der Frage nach, ob Kerri selbst direkt Opfer ihres Vaters geworden sein könnte. In seinen Aufzeichnungen fand man Hinweise auf Fantasien, die sie betreffen könnten.

Kerri selbst erinnert sich an ein unbestimmtes Angstgefühl in ihrer Kindheit – an das Gefühl, dass „ein böser Mann im Haus“ sei. Ob Dennis Rader tatsächlich übergriffig gegenüber seiner Tochter war, ist nie bewiesen worden. Doch allein die Möglichkeit, dass dies geschehen sein könnte, verfolgt Kerri bis heute.

Bei einem der letzten Gefängnisbesuche konfrontierte sie ihren Vater mit diesen Vorwürfen. Rader bestritt alles. Danach brach Kerri jeden Kontakt ab.

Wo ist Kerri Rawson heute?

Kerri Rawson schaut draußen in die Ferne.
Kerri versucht, positiv nach vorne zu blicken. Foto: Netflix

Heute lebt Kerri Rawson zurückgezogen, vermutlich weiterhin im Bundesstaat Kansas. Sie hat zwei Kinder und arbeitet als Autorin und Aktivistin. Ihre genaue Adresse hält sie geheim – aus Angst vor Anfeindungen und Nachstellungen.

Öffentlich tritt sie regelmäßig auf, um über die psychologischen Folgen zu sprechen, die das Leben mit einem Verbrecher als Vater mit sich bringt. Sie engagiert sich für Opferhilfe, Traumatherapie und Aufklärungsarbeit über häusliche Gewalt.

Ihre Beziehung zu ihrer Mutter gilt als schwierig. Während Paula Dietz nach der Verhaftung ihres Mannes völlige Ruhe und Anonymität suchte, entschied sich Kerri für den offenen Umgang mit ihrer Geschichte.

Und Dennis Rader?

Dennis Rader verbüßt seit 2005 seine zehn lebenslangen Haftstrafen in der El Dorado Correctional Facility in Kansas. Er ist heute 80 Jahre alt. Medienberichte deuten darauf hin, dass er weiterhin detailreiche Briefe aus dem Gefängnis schreibt – sowohl an Ermittler als auch an Journalisten.

Er zeigte auch Jahre nach seiner Verurteilung keinerlei Reue. Ermittler prüfen immer wieder, ob er möglicherweise für weitere Taten verantwortlich sein könnte.

Das Haus, in dem Rader mit seiner Familie lebte, wurde von den Behörden abgerissen – zu groß war die Gefahr, dass es zu einem makabren Wallfahrtsort werden könnte.

Quellen