Staffel 4

„Ku'damm 77“: Geht die ZDF-Reihe weiter? Das sagt Sabin Tambrea zur Verlängerung

Sabin Tambrea wird auch in „Ku'damm 77“ zu sehen sein – und das, obwohl seine Rolle Joachim den Serientod starb. Was sein Comeback so besonders macht und wie er zu einer Staffel 5 steht, verrät er im Interview.

Sabin Tambrea in einer Szene als Robert in Ku'damm 77.
Sabin Tambrea zeigt sich in „Ku'damm 77“ von einer anderen Seite Foto: ZDF und Conny Klein

In den vergangenen Jahren haben deutsche TV-Produktionen immer mehr an Relevanz und Beliebtheit dazugewonnen, sei es „Gestern waren wir noch Kinder“ vom ZDF oder die ARD-Drama-Serie „Oderbruch“. Eine Reihe sticht aber besonders heraus: „Ku’damm“. 2016 wurde der dreiteilige ZDF-Film „Ku’damm 56“ zum Mega-Erfolg, 2018 folgte „Ku’damm 59“, 2021 „Ku’damm 63“. Jetzt, fast fünf Jahre später, gibt es wider Erwarten eine weitere Fortsetzung, die den Titel „Ku’damm 77“ trägt. Die drei Filme sind seit dem 27. Dezember in der ZDF-Mediathek. Am heutigen Mittwoch, 14. Januar 2026, läuft um 20.15 Uhr im TV das große Finale der Staffel.

„Ku'damm 77“: Darum geht es in der Fortsetzung

Der Name legt schon nahe: Dieses Mal gibt es einen großen Zeitsprung von fast 14 Jahren. Klar, dass sich im Leben der Schöllacks einiges verändert hat, auch wenn die Frauen fast alle noch immer unter einem Dach leben. In den drei Filmen wird die Familie von der jungen Journalistin Linda Müller begleitet, die für einen Fernsehsender eine Dokumentation über das Traditionsunternehmen Galant drehen will.

Auch in Staffel 4 sind nahezu alle Schauspieler:innen der ersten drei Reihen wieder mit dabei und auch der Name Sabin Tambrea taucht in der Liste des Casts auf. Eine Überraschung gehörte der Serientod seiner Rolle Joachim doch zu den traurigsten Momenten der „Ku'damm“-Serie. Warum der Darsteller trotzdem zurück ist, wieso er sein Comeback selbst als Risiko sieht und welche Rollen für ihn ab reizvollsten sind, verrät er im Interview mit TV Movie Online.

Sabin Tambrea: Er wollte seine Rückkehr geheim halten

Deine Ku’damm-Reise begann mit der Rolle des Joachim. Wie erinnerst du dich in der Retrospektive an ihn? 

Es war eine sehr komplexe und herausfordernde Rolle. Wenn man sich anschaut, wie diese Figur eingeführt wurde, erwartet man eigentlich nicht, dass sie beim Publikum noch eine Entwicklung durchlaufen kann. Ich war sicher, dass sie nach so einem Einstieg „verbrannt“ ist. Doch die Drehbücher waren klug und vielschichtig geschrieben. Für mich war es eine spannende Reise. Ich habe die Figur sehr gern gespielt und hätte sie gern bis ins hohe Alter weiterbegleitet. 

Ich war wirklich traurig, weil ich dachte: „Bitte nicht diese eine Rolle!“ Umso mehr freut es mich, dass du trotzdem weiter Teil des Projektes bist. Das ist ja eigentlich unüblich. Wie kam es dazu? Wie bist du wieder dazugestoßen und wie hast du das Drehbuch empfunden? 

Annette Hess ist meine absolute Lieblingsautorin. Was auch immer sie schreibt, würde ich sofort zusagen – auch ohne es vorher zu lesen. Diese Arbeitsbeziehung ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe: eine treue, vertrauensvolle Verbindung über viele Jahre. Wir haben inzwischen an 17 Folgen in fünf Produktionen zusammengearbeitet. Für mich war klar: Wenn Annette mich wieder dabeihaben möchte, in welcher Form auch immer, bin ich dabei. Über alles Weitere zu sprechen, ist schwierig, ohne zu spoilern. Ich habe zugesagt unter der Voraussetzung, dass meine Teilnahme an der vierten Staffel bis zum Streamingstart beziehungsweise bis zur Ausstrahlung geheim bleibt. Da ich aber in Sekunde 1 des Trailers zu sehen bin, ist dieses Geheimnis nun gelüftet. 

Wie hast du dich von Joachim gelöst, um die Rolle Robert neu kennenzulernen? 

Ich gehe bei jedem Projekt gleich vor: Ich starte komplett bei null. So war es auch bei den letzten Ku’damm-Staffeln. Natürlich kennt man die Figuren und weiß, woher sie kommen. Aber idealerweise nähert man sich jeder neuen Rolle unvoreingenommen. Für mich war es – abgesehen vom vertrauten Ensemble und dem Team, mit dem ich so gern arbeite – wie ein gemachtes Nest, in dem ich etwas Neues ausprobieren durfte. Das war ein großes Geschenk. 

Sabin Tambrea und Sonja Gerhardt in einer Szene aus Ku'damm 77.
Mitten auf dem Kurfürstendamm treffen Robert Beck (Sabin Tambrea) und Monika Franck-Schöllack (Sonja Gerhardt) aufeinander. Doch er kennt sie nicht. Foto: ZDF und Conny Klein

Sabin Tambrea über Joachim: „Jede Entscheidung bei dieser Figur war mutig“

Du standest wieder mit Sonja Gerhardt vor der Kamera. Wie war das – dieses Mal mit ganz anderer Dynamik als zwischen Joachim und Monika? 

Ganz wunderbar. Wenn man sich über so viele Jahre kennt und so viel gemeinsam erlebt hat, herrscht ein großes Vertrauensverhältnis vor. Das macht vieles einfacher. Diese beiden neuen Figuren treffen aufeinander, und beide haben etwas aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Beide tragen Wunden mit sich – manche bewusst, manche, von denen sie noch gar nichts wissen oder die sie verdrängt haben. 

Im Trailer sieht man deine optische Veränderung. Ich hatte das Gefühl, dass bewusst klar getrennt werden soll: Joachim ist weg, Robert ist neu. War das so gewollt? 

Natürlich spielt die Zeit eine Rolle – wir haben einen großen Zeitsprung, die Frisuren sind anders, die Mode auch. Es wäre aber durchaus denkbar gewesen, dass Joachim, wenn er noch leben würde, ähnlich aussehen könnte. Deshalb war es mir umso wichtiger, eine völlig neue Figur zu spielen: eine andere Psyche, eine andere Körperlichkeit, ein anderer Charakter. Die Herausforderung war, so anders zu spielen, dass man hoffentlich gar nicht darüber nachdenkt, warum derselbe Schauspieler zwei Figuren verkörpert. 

Es ist ja auch ein Risiko, gerade weil Joachim eine der beliebtesten Figuren war. Wie bist du damit umgegangen? 

Das Risiko gehört von Anfang an dazu. Schon der Einstieg Joachims war mutig. Jede Entscheidung bei dieser Figur war mutig. Deshalb war es nur konsequent, jetzt ebenfalls ins Risiko zu gehen und zu schauen, was passiert. 

Wir bewegen uns jetzt in den 70ern. Womit verbindest du diese Zeit persönlich? 

Durch meinen Roman Vaterländer über die Fluchtgeschichte meiner Familie habe ich viel in der Vergangenheit recherchiert. Dadurch ist mein Bild der 70er stark geprägt: von dem Leben in Rumänien, der Situation meiner Eltern, der Geburt meiner Schwester. Eigene Erinnerungen habe ich keine, da ich 1984 geboren bin. 

„Ku’damm 77“ nutzt ein neues Stilmittel: Eine Dokumentarkamera begleitet die Familie. Wie wirkt das auf dich? 

Es bereichert die Serie sehr. Die Figuren werden aus einer völlig neuen Perspektive beleuchtet. Man denkt, man kennt sie inzwischen gut – und dann zeigt dieses dokumentarische Stilmittel wieder eine andere Seite. Ich bin froh, dass die Serie diesen Weg gegangen ist und es so konsequent umgesetzt wurde. 

Warum ist „Ku’damm“ trotz des historischen Settings heute noch so relevant? 

Weil die Themen universell sind. Viele der Probleme von damals existieren heute noch – leider. Emanzipation, Gleichberechtigung, Rollenbilder. Wir sind weit davon entfernt, überall von echter Gleichberechtigung zu sprechen. Und die schönen Themen wie die Liebe bleiben zum Glück immer aktuell. Ku’damm bleibt relevant, egal in welchem Jahrzehnt. 

Ist „Ku’damm 77“ für dich das Ende oder kannst du dir vorstellen, dass es weitergeht? 

Ich habe damals ziemlich rebelliert, als es hieß, Joachim müsse sterben. Man hat mich beruhigt mit: „Die Serie endet mit 63 sowieso.“ Schön zu sehen, dass man sich auf nichts verlassen kann (lacht). Für mich muss das hier nicht zwingend das Ende sein. 

Zum Abschluss: Kannst du ein wenig über dein anderes großes Projekt „Oderbruch“ erzählen? Die Rolle klingt auf den ersten Blick wie ein Antagonist. 

Es liest sich so, ja. Aber das Spannende an den Drehbüchern ist, dass alles ins Schwanken gerät. Alles, was man zu wissen glaubt, wird infrage gestellt und neu justiert. Es war meine zweite Zusammenarbeit mit Adolfo Kolmerer und eine sehr schöne Erfahrung. Ich kam in ein fantastisches Team, wurde wunderbar aufgenommen und freue mich sehr darauf, die Staffel zu sehen. 

Du spielst extrem unterschiedliche Rollen, hast unter anderem schon einen Nazi und Jesus verkörpert. Was muss eine Rolle haben, damit du „Ja“ sagst? 

Für mich ist entscheidend, dass ich etwas lernen kann, dass ich meinen Horizont erweitere. Wenn ich eine Rolle nicht sofort verstehe, macht mich das neugierig. Mir ist das Gesamtkonzept wichtiger als die einzelne Figur. Wenn ein Drehbuch mir eine klare Vision zeigt, bin ich dabei – auch wenn ich die Figur zu Beginn noch nicht vollständig greifen kann.