Kommt HBO doch nicht zu Netflix? Paramount und Warner verhandeln wieder
Neue Wende im Warner-Deal: Netflix gilt als Favorit – doch Warner öffnet erneut das Verhandlungsfenster für Paramount. Steht der Deal auf der Kippe?

Im milliardenschweren Übernahmepoker um Warner Bros. Discovery gibt es die nächste überraschende Wendung. Das WBD-Board hat das neueste Angebot von Paramount Skydance als „Company Superior Proposal“ eingestuft und Verhandlungen für sieben Tage wieder aufgenommen.
Obwohl der Konzern weiterhin den Netflix-Deal empfiehlt, verändert sich dadurch die Lage und es steht wieder infrage, ob Warner Bros. samt HBO von Netflix geschluckt wird.
Neue Frist für Paramount – Netflix bleibt Favorit, aber…
Warner Bros. Discovery bestätigte, dass das erhöhte Paramount-Angebot – inklusive 31 Dollar je Aktie in bar – vernünftigerweise zu einem überlegenen Deal führen könnte, wie es im bestehenden Netflix-Fusionsvertrag definiert ist. Dadurch darf WBD weitere Gespräche führen, um zu prüfen, ob eine Einigung möglich ist.
Das bisherige, mehrfach nachgebesserte Paramount-Angebot in Höhe von 108 Milliarden Dollar hatte Warner zuvor abgelehnt. Nun umfasst die Süßung:
31 Dollar je WBD-Aktie in bar (von 30 Dollar erhöht).
Eine tägliche „Ticking Fee“ von 0,25 Dollar je Aktie pro Quartal ab 30. September 2026 bis zum Abschluss.
7 Milliarden Dollar Regulierungs-Termination Fee, falls der Deal an Behörden scheitert.
Übernahme der 2,8 Milliarden Dollar Netflix-Vertragsstrafe, die WBD zahlen müsste.
Zusätzliche Equity-Finanzierung zur Sicherung der Solvenzbescheinigung für Paramounts Banken.
Eine „Company Material Adverse Effect“-Klausel, die Leistungseinbrüche im Kabel-TV-Geschäft (Global Linear Networks) ausschließt – ein kritischer Punkt, den Warner zuvor bemängelt hatte.
Paramount begrüßt die Entscheidung und betont: „Wir freuen uns über die Feststellung des WBD-Boards und sehen der konstruktiven Fortsetzung der Gespräche entgegen, um den Vorteil unseres Angebots für Aktionäre, Kreative und Konsumenten zu sichern.“
Trotzdem: Das WBD-Board hat noch keine finale Überlegenheit festgestellt und betont explizit: „Es gibt keine Garantie, dass das PSKY-Angebot (Paramount Skydance) tatsächlich überlegen ist oder dass eine endgültige Vereinbarung entsteht. Das Board empfiehlt weiterhin den Netflix-Deal und zieht seine Empfehlung nicht zurück.“ Netflix hat bei einer offiziellen Feststellung vier Geschäftstage, um nachzuziehen.
Die Abstimmung der Warner-Aktionär:innen ist weiterhin für den 20. März geplant.
Zwei Angebote, zwei Strategien
Der Bieterwettbewerb dreht sich um grundverschiedene Ansätze:
Netflix bietet 83 Milliarden Dollar (vollständig in bar) für das Filmstudio Warner Bros. sowie HBO-Streaming – 27,75 Dollar je Aktie. Warner würde seine TV-Sender in eine separate börsennotierte Gesellschaft (z. B. Discovery Global) ausgliedern, an der Aktionäre Anteile erhalten. Netflix fokussiert sich auf Premium-Streaming.
Paramount zielt auf die 100%ige Übernahme des gesamten Konzerns ab, inklusive CNN und linearer TV-Sender – nun mit 31 Dollar je Aktie und den genannten Zusatzsüßungen.
Paramount hatte seit dem Herbst 2025 (nach Abschluss der Skydance-Fusion) wiederholt Angebote direkt an Aktionäre gerichtet, die WBD bislang zurückwies – bis zu diesem Durchbruch.
Paramount unter Zugzwang: „Für Paramount wird die Zeit knapp“
Paramount warf Warner zuvor vor, nicht ernsthaft zu verhandeln, und bot zusätzliche Zahlungen sowie die Übernahme von Finanzierungsrisiken an. Nun hat der Zuschlag zur Prüfung des Angebots Momentum verschafft. Analyst Paolo Pescatore (PP Foresight) warnt: „Für Paramount wird die Zeit knapp. Es ist in niemandes Interesse, wenn sich diese Saga weiter hinzieht.“
Warner-Entscheidung im März: Wem gehört HBO?
Die kommenden sieben Tage (bis Montag) sind entscheidend: Kann Paramount eine endgültige Überlegenheit erreichen? Netflix hätte dann vier Tage Nachbesserung. Der Netflix-Deal bleibt vorerst in Kraft, inklusive fiduziarischer Pflichten des Boards, alle Optionen zu prüfen.
Sollte Netflix den Zuschlag erhalten, verändert das die Streaming-Welt: HBO (mit Serien wie „Heated Rivalry“, „A Knight of the Seven Kingdoms“ oder „Harry Potter“) würde in Netflix’ Portfolio integriert – nach Ausgliederung der TV-Sparte.
Bei einem Paramount-Sieg bliebe HBO Teil eines integrierten Medienkonzerns mit TV, Nachrichten und Streaming – außerhalb von Netflix.
Die finale Entscheidung liegt bei den Aktionär:innen am 20. März – unter Beobachtung von Kartellbehörden. Der Milliardenpoker ist noch lange nicht entschieden!











