„Inside the Manosphere“ bei Netflix: Was wurde aus den Influencern?
In der neuen Netflix-Doku „Inside the Manosphere“ trifft Louis Theroux antifeministische Influencer. Hat einer von ihnen heute eine andere Meinung?

Die Erkenntnisse, die der britisch-US-amerikanische Journalist Louis Theroux in seiner neuen Netflix-Doku „Inside the Manosphere“ gewinnt, sind nichts Neues. Dass es da draußen Influencer gibt, die ihren Frauenhass im Internet verbreiten und anderen zeigen wollen, wie sie endlich wieder „richtige Männer“ werden, wissen wir bereits dank Andrew Tate und Dan Bilzerian. Dennoch ist „Inside the Manosphere“ erschreckend, weil es zeigt, welchen Einfluss diese Männer auf Jungen im Teenageralter haben können.
HSTikkyTokky attackiert Justin Theroux im Netz
Viele der Personen, die Louis Theroux in seiner Dokumentation trifft, haben Millionen Fans online und immer wieder werden die Influencer auch auf der Straße angesprochen und frenetisch gefeiert. Dass ihre Ansichten mehr als fragwürdig, gar gefährlich sind, wird komplett ausgeblendet. Doch was wurde eigentlich aus den Männern, mit denen der Journalist mehr oder weniger ins Gespräch gekommen ist?
Der Influencer HSTikkyTokky, mit dem Theroux wohl die meiste Zeit verbracht hat, hat fast alle seine Beiträge in seinem Instagram-Account nach Veröffentlichung der Doku gelöscht und nur aktuelle Bilder und Videos in seinem Profil. In einem Video spricht er über die Interviews mit dem Journalisten und behauptet, dass er einige Dinge nur sagen würde, weil er eine Reaktion provozieren wolle. Selbstreflexion scheint es nicht zu geben – im Gegenteil. In einem mittlerweile nicht mehr aufzufindenden Instagram-Post soll Harrison Sullivan, so sein bürgerlicher Name, laut „The Tab“ erklärt haben: „Alle, die auf die Theroux-Dokumentation herabblicken … sind Männer mit niedrigem Testosteronspiegel … und dicke Frauen. Sie sind wütend auf das Leben … wütend, dass sie kein Geld und keine Chancen haben. Roboter. Schafe. Vieh, das im System gefangen ist.“
Myron Gaines: Zweistündiges YouTube-Video über die Doku
Wie zu erwarten, hat sich Myron Gaines Meinung zu Menosphere nicht geändert. In der Doku erklärte er, dass er darüber entscheiden dürfe, wann er mit seiner Freundin Sex habe und neben ihr noch andere Frauen treffen dürfe. Sie könne im Gegensatz dazu aber keine anderen Sexpartner haben. Zudem kommandierte er seine Freundin während der Dreharbeiten ständig herum. Mittlerweile – so verriet es die Doku – sind Myron und seiner Partnerin kein Paar mehr. In einem über zwei Stunden langen YouTube-Video lässt sich der Influencer über Theroux und die Dreharbeiten aus, bezeichnete den Briten als „Lügner“ und die Doku als „einen Haufen woker Müll“.
Justin Waller: Das hat er zu Theroux nach der Doku gesagt
Auch Justin Waller reiht sich in die Gruppe von misogynen Influencern ein. Der Amerikaner prahlt in der Doku mit seinem Unternehmergeist und reduziert Frauen auf die Rolle als Hausfrau und Mutter. In einer Szene erklärt er, es gebe nichts, was Frauen erfunden oder erbaut hätten. Schmerzhaft falsche Aussagen wie diese liefert die Doku am laufenden Band.
Anders als seine Mitstreiter attackiert Waller Theoux zwar nicht aggressiv im Netz, dass er dennoch ganz klar an seinen Meinungen festhält, wird durch Aussagen von Louis Theroux im Podcast „The Romesh Ranganathan Show“ deutlich. Darin erzählt der Journalist, dass Waller ihm nach den Dreh erklärt habe: „Was auch immer du tun willst, ist okay, ich sehe das ganz gelassen.“ Theroux interpretierte das Ganze als eine Art „Alpha-Manöver“.
Fest steht: Keiner der Männer scheint nach der Dokumentation seine Meinung geändert zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Sendung zumindest aber einigen der Fans der antifeministischen Influencer die Augen geöffnet hat.








