True Crime

„Die Frau ohne Gesicht“: Der wahre Kriminalfall hinter dem ZDF-Krimi mit Heino Ferch

Ein grausamer Fund, ein realer Mordfall und Ermittlungen in Venedig. „Ingo Thiel – Die Frau ohne Gesicht“ zeigt Heino Ferch heute Abend im ZDF in einem weiteren True Crime Fall. Wir verraten, um welchen echten Kriminalfall es sich handelt.

Szene aus „Ingo Thiel – Die Frau ohne Gesicht“ mit Heino Ferch.
Heino Ferch als Kommissar Ingo Thiel in „Die Frau ohne Gesicht“, dem neuen True-Crime-Krimi auf ARTE. Foto: ZDF / Stanislva Honzik

Worum geht es in „Ingo Thiel – Die Frau ohne Gesicht“?

Der neue Fall beginnt mit einer nächtlichen Autofahrt über eine gesperrte Waldstraße. Eine junge Frau überfährt etwas, steigt aus – und findet sich in einem Albtraum wieder. Das vermeintliche Hindernis entpuppt sich als Leiche. Das Opfer ist nackt, das Gesicht vollständig zerstört, jede Spur zur Identität fehlt.

Kommissar Ingo Thiel übernimmt mit der SOKO „Frau ohne Gesicht“ die Ermittlungen. Die Analyse des Zahnbilds, digitale Rekonstruktionen und die Überprüfung sämtlicher Vermisstenmeldungen liefern zunächst kaum Hinweise. Alles wirkt wie ein Fall ohne Anfangspunkt, und die Ermittler tappen im Dunkeln.

Die Wendung kommt erst, als Waldarbeiter eine Plastiktüte mit Kleidung finden. Darunter liegt eine teure Lederjacke aus einer Boutique in Venedig. Für Thiel bedeutet das einen abrupten Ortswechsel. In der Lagunenstadt wird der Fall öffentlich, denn Thiel präsentiert in der italienischen Fernsehreihe „Chi era testimone“ (das italienische Pendant zu “Aktenzeichen XY“) das rekonstruierte Gesicht der Toten. Die schrille Moderatorin Gloria Livore (Clelia Sarto) sorgt für Unterhaltung, doch der Auftritt führt tatsächlich zu entscheidenden Hinweisen.

Besetzung von „Ingo Thiel – Die Frau ohne Gesicht“

Der siebte Fall setzt auf ein eingespieltes Team und auffällige Gaststars:

  • Heino Ferch als Kommissar Ingo Thiel

  • Kotbong Yang als Ermittlerin Lee Sooyoung

  • Karolina Horster als Rechtsmedizinerin Martha Stachowicz

  • Clelia Sarto als TV-Moderatorin Gloria Livore

  • Michele Cuciuffo als Stefano de Luca

  • Janina Fautz als Antonia, Tochter des Opfers

  • Florian Stetter als Kunsthändler Philipp Sass

Die Mischung aus ruhigem Ermittlerteam und emotional aufgeladenen italienischen Figuren sorgt für spannende Kontraste.

Kritik und Einschätzung: Wie gut ist der ZDF-Krimi wirklich?

Die Ingo-Thiel-Reihe lebt von ihrer besonderen True-Crime-Authentizität. Der echte Kommissar Ingo Thiel, der im Sommer 2025 leider verstorben ist, diente als Vorlage für die Figur von Heino Ferch. Sein Ruf als hartnäckiger Ermittler, der sich regelrecht in Fälle verbeißt, schwingt auch im neuen Film mit. Doch „Die Frau ohne Gesicht“ zeigt sich von zwei völlig verschiedene Seiten.

Die Stärke liegt eindeutig in der realistischen Polizeiarbeit, die detailliert, langsam und handwerklich sauber erzählt wird. Die komplizierte Spurensuche, die Unsicherheiten und sogar die Fehleinschätzung des ersten Altersgutachtens vermitteln ein glaubwürdiges Bild davon, wie Ermittlungen tatsächlich ablaufen.

Weniger überzeugend ist der Spannungsbogen, der im Vergleich zu früheren Folgen deutlich flacher bleibt. Einige Szenen wirken konstruiert, manche Figuren fast karikaturhaft. Besonders in Venedig driftet der Film stellenweise ins Überzeichnete ab. Die pompöse italienische TV-Show und die stark emotionalisierte Darstellung von Gloria Livore lockern zwar auf, nehmen dem Krimi aber zeitweise seine ernste Grundstimmung.

Gleichzeitig sind die Venedig-Szenen auch der große Reiz des Films. Die Lagunenstadt wird im Winter gezeigt, fernab des Touristentrubels, und die Kamera fängt eine düstere, melancholische Atmosphäre ein. Zwischen engen Gässchen, kaltem Licht und der Fremdsprache, die Thiel kaum versteht, entsteht ein ungewöhnlicher Mix aus Kulturclash und Ermittlungsrealität.

Nicht jede Nebenrolle überzeugt, manche emotionalen Ausbrüche wirken gewollt. Trotzdem bleibt der Film durch sein Setting, den echten Fall und Heino Ferchs starke Präsenz sehenswert. Die Qualität schwankt, aber die ungewöhnliche Mischung aus True Crime und Venedig-Flair ist ein Gewinn.

Hintergrund: Der wahre Fall – der Mord an Elisabeth Lansman

„Die Frau ohne Gesicht“ basiert auf einem realen Kriminalfall aus Bayern. Die Vorlage ist der Mord an Elisabeth Lansman, deren Tod die Ermittler der Kripo Garmisch-Partenkirchen über Jahre hinweg beschäftigte.

Was war passiert? Am 6. November 2001 entdeckt ein Paar aus Saulgrub im Landkreis Garmisch-Partenkirchen eine schwer entstellte Frauenleiche auf einer abgelegenen Umgehungsstraße. Die Tote ist blutüberströmt, mehrfach überfahren und zunächst völlig unidentifizierbar. Da sie weder persönliche Gegenstände bei sich trägt noch offiziell vermisst wird, stehen die Ermittler vor einem Fall ohne Anfangspunkt.

Die Identifizierung wird zu einer kriminalistischen Mammutaufgabe. Das Team untersucht jeden noch so kleinen Hinweis, rekonstruiert das Gesicht der Toten digital und vergleicht sämtliche landesweiten Vermisstenmeldungen. Eine erste Spur führt tatsächlich nach Italien, da die goldenen Ohrringe der Frau dort hergestellt wurden. Auch eine Lederjacke, die der Täter achtlos unweit des Tatorts weggeworfen hatte, führten zu einem Laden in der Nähe von Venedig. Dennoch bleibt der Fall lange ungeklärt. Erst vier Jahre später gelingt es der Mordkommission, Elisabeth Lansman zweifelsfrei zu identifizieren und die Hintergründe ihres Todes aufzuklären.

Der Fall wurde später in der ZDF-True-Crime-Reihe „Aktenzeichen XY: Gelöst“ unter dem Titel „Tote ohne Gesicht“ dokumentiert, da seinerzeit der Kommissar den Fall bei „Aktenzeichen XY“ vorstellte. Hilfreiche Hinweise gingen damals nicht ein. Die Folge ist in der ZDF-Mediathek zu finden.

Der Film übernimmt den Kern dieses wahren Falls: eine unbekannte Tote, eine mühsame Identifizierungsarbeit und Ermittler, die trotz Rückschlägen nicht loslassen. Auch das Venedig-Motiv folgt dem wahren Fall. Zusätzliche Figuren sind filmische Erweiterungen, bleiben jedoch spürbar inspiriert von der realen Ermittlungsarbeit im Fall Lansman.

Sendetermin und Streaming von „Ingo Thiel – Die Frau ohne Gesicht“

Der Krimi läuft heute Abend, am 9. Februar um 20:15 Uhr im ZDF. Der Film ist ebenfalls in der ZDF-Mediathek verfügbar.