Seine Filme machten ihn unvergesslich

Hark Bohm ist tot: Ein leiser Abschied für einen großen Erzähler

Hark Bohm ist tot. Der Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor prägte das deutsche Kino über Jahrzehnte. Nun trauert die Branche um eine Legende.

Schwarz-weiß-Porträt von Hark Bohm mit Brille, aufgenommen in jungen Jahren.
Hark Bohm in einer frühen Aufnahme: Der Regisseur, Schauspieler und Autorenfilmer prägte das deutsche Kino über Jahrzehnte. Foto: IMAGO / teutopress

Der Regisseur, Autor und Schauspieler Hark Bohm ist im Alter von 86 Jahren in Hamburg gestorben. Seine Familie bestätigte der dpa, dass der Filmemacher am Freitag im Kreis seiner Angehörigen verstorben ist. Bohm zählt zu den prägendsten deutschen Autorenfilmern der Nachkriegszeit.

Bedeutende Stimme des deutschen Autorenfilms

Hark Bohm wurde 1939 in Hamburg geboren und prägte das deutsche Kino wie kaum ein anderer. Vor allem seine sozialkritischen Coming-of-age-Filme machten ihn bekannt. Werke wie „Nordsee ist Mordsee“ (1976), „Moritz, lieber Moritz“ (1978) und „Yasemin“ (1988), für den er den Bundesfilmpreis in Gold erhielt, gelten bis heute als Meilensteine des deutschen Autorenfilms.

Auch als Drehbuchautor setzte Bohm Akzente. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Schüler Fatih Akin schrieb er das Buch zu dem international gefeierten NSU-Drama „Aus dem Nichts“ mit Diane Kruger.

Späte Ehrung in Cannes

Hark Bohm und Fatih Akin stehen gemeinsam auf einer Bühne und halten Filmpreise in den Händen.
Hark Bohm und Regisseur Fatih Akin bei der Verleihung des Deutscher Filmpreis 2018: Beide arbeiteten für das gefeierte Drama „Aus dem Nichts“ zusammen. Foto: IMAGO / Eventpress

2025 rückte Bohm noch einmal ins internationale Rampenlicht. Bei den Filmfestspielen in Cannes feierte Akins Film „Amrum“, basierend auf Bohms gleichnamigem autobiografisch inspirierten Roman, eine umjubelte Weltpremiere. Erneut war Hollywoodstar Diane Kruger Teil des Ensembles.

Wegbereiter und Filmpolitiker

Neben seiner künstlerischen Arbeit hinterlässt Bohm auch filmpolitisch deutliche Spuren. 1971 initiierte er gemeinsam mit Gleichgesinnten den Filmverlag der Autoren, der maßgeblich zur Entwicklung des Neuen Deutschen Films beitrug.

Weitere Meilensteine seiner Arbeit:

  • Mitbegründer des Hamburger Filmbüros (1979)

  • Mitbegründer des Filmfests Hamburg (1979)

  • Mitinitiator des Filmstudiums an der Universität Hamburg (1992, zusammen mit Jürgen Flimm)

Hark Bohm als Schauspieler

Bohm war auch ein markanter Darsteller. Besonders bekannt ist seine Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder, unter anderem in „Die Ehe der Maria Braun“ (1978). Er spielte außerdem in Bernhard Wickis „Das Spinnennetz“ (1989) und Helmut Dietls legendärer Satire „Schtonk!“ (1992).

Hark Bohm: Familie und Privatleben

Hark Bohm stammte aus einer hanseatischen Familie von Juristen, Bauern und Kapitänen. Mit seiner Frau, der Produzentin Natalia Bowakow, nahm er vier Adoptivkinder und zwei Pflegekinder auf – darunter den Schauspieler Uwe Bohm, der 2022 starb.

Die deutsche Filmwelt verliert mit Hark Bohm einen unbeirrbaren Geschichtenerzähler, leidenschaftlichen Vordenker und eine prägende Figur des modernen deutschen Kinos.