„Evil Influencer“: Kommt Jodi Hildebrandt schon 2026 aus dem Gefängnis?
Die Netflix-Dokumentation „Evil Influencer“ behandelt den schockierenden Fall von Jodi Hildebrandt und Ruby Franke. Doch was wurde aus den Influencerinnen?

Als Ruby Franke mit ihrem YouTube-Kanal 8 Passengers Einblicke in den Alltag mit sechs Kindern gab, galt sie vielen als strenge, aber konsequente Mutter. Parallel dazu baute Jodi Hildebrandt, eine einflussreiche Beraterin aus Utah, ihre Coaching-Marke ConneXions auf. Beide bewegten sich im Umfeld der mormonischen Kirche und galten als moralische Autoritäten.
Ihre Begegnung sollte fatale Folgen haben. Hildebrandt gewann zunehmend Einfluss auf Frankes Familie, erklärte alltägliche Konflikte zu moralischen Verfehlungen und propagierte ein Weltbild aus Kontrolle, Schuld und „Wahrheit“.
Was als Beratung begann, entwickelte sich zu einem System aus manipulativer Kontrolle, Isolation und Angst. Besonders betroffen: zwei der jüngsten Kinder, die schließlich im Haus Hildebrandts misshandelt und festgehalten wurden.
Die Entdeckung des Grauens
Die Dokumentation „Evil Influencer“ beginnt mit einem Moment, der alles veränderte: Ein ausgehungerter Junge klingelt bei Nachbarn und bittet um Wasser, Essen und Hilfe. Später stellt sich heraus, dass es sich um den zwölfjährigen Sohn von Ruby Franke handelt, der aus Hildebrandts Haus geflohen war. Seine Verletzungen führten die Polizei direkt zu dem Ort, an dem auch seine neunjährige Schwester festgehalten wurde.
Regisseurin Skye Borgman macht deutlich, wie knapp diese Rettung war. Ohne die Flucht des Kindes hätte der Fall womöglich ein noch tragischeres Ende genommen. Auffällig war jedoch, dass sich die öffentliche Empörung zunächst fast ausschließlich auf Ruby Franke konzentrierte, während Hildebrandts zentrale Rolle lange unterschätzt wurde.
Jodi Hildebrandt: Machtverlust hinter Gittern
Heute sitzt Jodi Hildebrandt im Utah State Correctional Facility. Im Februar 2024 wurde sie wegen vierfacher schwerer Kindesmisshandlung zu vier aufeinanderfolgenden Haftstrafen von jeweils ein bis 15 Jahren verurteilt. Ihre erste Möglichkeit auf Bewährung besteht im Dezember 2026.
Erschreckend ist, was Borgman aus dem Gefängnis berichtet: Hildebrandt soll dort erneut gezielt den Kontakt zu vulnerablen Frauen gesucht haben, insbesondere zu Insassinnen mit Suchtproblemen. Die altbekannten Muster – Beratung, moralischer Druck, Abhängigkeit – scheinen sich fortzusetzen. Zwar ist ConneXions aufgelöst, doch der psychologische Schaden bei ehemaligen Klientinnen wirkt bis heute nach.
Ruby Franke: Abgrenzung im Gefängnis
Auch Ruby Franke bekannte sich schuldig und erhielt das gleiche Strafmaß wie Hildebrandt. Sie sitzt ebenfalls im selben Gefängnis, jedoch räumlich von ihr getrennt. In der Dokumentation lassen Tonaufnahmen aus der Haft erkennen, dass Ruby begonnen hat, sich innerlich von Hildebrandt zu distanzieren.
Ob diese Abgrenzung aus echter Einsicht oder aus Selbstschutz erfolgt, bleibt offen. Borgman vermutet Letzteres zumindest als Teilmotiv: Eine klare Trennung von Hildebrandt könnte juristisch und gesellschaftlich von Vorteil sein. Auch für Ruby ist die erste Bewährungsanhörung für Dezember 2026 angesetzt.
Kevin Franke und die Kinder
Nach der Verurteilung seiner Ex-Frau trat Kevin Franke öffentlich für strengere Kinderschutzgesetze ein und sprach vor politischen Gremien in Utah. Die Scheidung von Ruby wurde im März 2025 rechtskräftig, das volle Sorgerecht für die vier minderjährigen Kinder ging an ihn über.
Die beiden ältesten Kinder, Shari und Chad, waren zum Zeitpunkt der Verhaftungen bereits erwachsen. Shari veröffentlichte 2025 ihre Memoiren The House of My Mother, Chad baute sich ein eigenes Leben auf und heiratete ebenfalls. Über die jüngeren Geschwister wird aus Schutzgründen kaum öffentlich gesprochen – bekannt ist nur, dass sie nun wieder bei ihrem Vater leben.









