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Das Urteil ist gefallen: Die wohl größte Film-Überraschung des Jahres – Kritik zu „Mercy“ mit Chris Pratt

„Mercy“ mit Chris Pratt ist ein grundsolider Film: Wir verraten dir, warum das eine Überraschung ist und worum es in dem Film geht …

Chris Pratt sitzt angekettet auf einem Stuhl.
Chris Pratt auf dem heißen Stuhl: In „Mercy“ hat der Schauspieler nur 90 Minuten Zeit einer KI seine Unschuld zu beweisen. Foto: IMAGO / Landmark Media

Es herrschte allgemeine Unruhe, als der Trailer für „Mercy“ veröffentlicht wurde. Mal ganz abgesehen davon, dass besagter Trailer verhältnismäßig kurz vor dem sich anbahnenden Kino-Release erschien, waren all jene, die den Trailer gesehen haben, sehr belustigt – aber aus den falschen Gründen. Umso absurder ist es nun, dass „Mercy“ sich als ein interessanter Thriller entpuppt hat, der nicht so unwertig ist, wie er im Trailer aussieht.

„Mercy“: Was genau hat es mit dem Chris-Pratt-Film auf sich?

Los Angeles, 2029: Detective Chris Raven (Chris Pratt) schaut nicht schlecht, als er gefesselt auf einem Stuhl aufwacht und ihm eine KI namens Maddox (Rebecca Ferguson) offenbart, dass er nur 90 Minuten Zeit hat, um den Mord an seiner Ehefrau zu lösen. Denn Raven ist der Hauptverdächtigte in dem Mordfall seiner Frau und muss nun der KI innerhalb des Zeitrahmens beweisen, dass er unschuldig ist – sollte er dies nicht schaffen, sorgt besagte KI für den sofortigen Tod …

Eine gelungene Genre-Amalgamation: „Mercy“ ist mehr als nur ein schlechter Trailer

Es ist ein bisschen so, als hätten Steven Spielbergs „Minority Report“ (2002) und der Desktop-Thriller „Searching“ (2018) ein Kind bekommen, denn „Mercy“ ist vieles, aber vor allem eines: unerwartet spannend. Großartige Exposition wird clever durch einen Clip umschifft, der unserem Hauptcharakter in den ersten paar Minuten erzählt, was Mercy ist und was ihm jetzt blüht. Und danach geht es direkt ans Eingemachte.

Chris Pratt hat Zugriff auf alle Gerätschaften Los Angeles’ und kann diese benutzen, um Ermittlungen anzustellen. Dadurch bekommt man verschiedenste Perspektiven zu Gesicht: Klingelkameras, Bodycams der Polizei, POV-Shots, FaceTime-Anrufe und so viel mehr. Abgesehen davon, dass der Film die längste Zeit nie langweilig (wenn auch etwas vorhersehbar) ist, sorgen die zahlreichen unterschiedlichen Kameraperspektiven für kontinuierliche Spannung, da man nie weiß, ob man in den nächsten Sekunden plötzlich in der Luft oder doch auf dem Boden (der Tatsachen) ist.

Ist KI Freund oder Feind? Was „Mercy“ über künstliche Intelligenz zu erzählen hat

In einer Zeit, in der Twitters (bzw. X) KI Personen ungefragt auf Bildern auszieht und ChatGPT manchmal schon von selbst agiert, wird eine große Frage gestellt: Sollte eine KI über das Schicksal von Menschen entscheiden?

Wäre „Mercy“ vor 20 Jahren herausgekommen, dann wäre die Antwort voraussichtlich „Nein“ gewesen, aber in Zeiten, in denen manche Personen ohne KI kaum noch eigene Entscheidungen treffen können, fällt die Antwort etwas anders aus. Richterin Maddox ist zwar tatsächlich eine vollends unvoreingenommene Richterin und beurteilt dich nur im Rahmen der Beweislage, die ihr vorliegt, aber der Film scheut auch nicht davor zurück, anzuprangern, dass KI Fehler macht – Fehler, die manchmal sogar eher grobe Patzer sind.

Und es ist erfrischend, einen Film über KI zu sehen, der versteht, dass KI, wie fast alles im Leben, ihre guten und schlechten Seiten hat. Denn KI ist auch immer ein Produkt dessen, womit der Mensch sie füttert, was Rebecca Fergusons Richterin Maddox den Raum einräumt, eine Art Charakterentwicklung zu durchlaufen.

Etwas zu ambitioniert: Wo „Mercy“ schwächelt

„Mercy“ ist in einer Hinsicht etwas inkonsequent. So erfrischend es sein mag, dass „Mercy“ gerade mal eine Lauflänge von 100 Minuten mitbringt, stört es etwas, dass der Film seinem Gimmick nicht gerecht bleibt:

Raven hat nur 90 Minuten Zeit, seine Unschuld zu beweisen, und ist dafür in einem Raum isoliert. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Der Film erreicht einen Punkt, an dem Chris Pratt ebenjenen Raum verlässt, und ab da bricht man mit dem Konzept des Films. Schöner wäre es gewesen, wenn der Film ein Kammerspiel geblieben wäre und seine Geschichte isoliert gehalten hätte, denn das, was in den letzten zehn Minuten passiert, passt nicht unbedingt zu dem, was man vorher gesehen hat.

Unser Urteil: „Mercy“ ist besser als gedacht

Wer hätte gedacht, dass ein Chris-Pratt-Film, der derartig quatschig verkauft wurde, eigentlich ein lückenlos geschriebener Thriller mit spannender Handlung ist? Wahrscheinlich niemand. Aber umso größer ist die Überraschung, dass man sich „Mercy“ definitiv als eines der Highlights des Jahres vormerken sollte.

Aber: Auch wenn ich immer die Haltung vertrete, dass man das, was einen interessiert, im Kino sehen sollte, muss man anmerken, dass „Mercy“ nicht vieles mitbringt, was man unbedingt auf der großen Leinwand sehen muss. Umso passender, dass der Film voraussichtlich schneller als gedacht auf Netflix und/oder Amazon Prime Video erscheinen wird. Unabhängig davon, wo man „Mercy“ nun schauen wird, sollte gesagt sein, dass sich der Film definitiv uneingeschränkt empfehlen lässt. Oder um all dies mit einem schlechten Witz abzurunden: das Gegenteil von „mit der KI geschrieben“.