Interview

„Das Geisterhaus“ als Serie: Diese Änderungen waren unvermeidlich

„Das Geisterhaus“ wird bei Prime Video zur Serie: Warum die Macher:innen zentrale Elemente ändern mussten und welche Entscheidungen hinter der Adaption des Kultromans stecken, erfährst du hier.

Alfonso Herrera und Nicole Wallace in „Das Geisterhaus“
Alfonso Herrera und Nicole Wallace in „Das Geisterhaus“. Foto: Amazon MGM Studios

Ein literarisches Meisterwerk wird zur Serie und sorgt schon im Vorfeld für Diskussionen: „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende gilt als einer der bedeutendsten Romane der Gegenwartsliteratur. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Serienadaption. Doch schnell wird klar: Nicht alles aus dem Buch konnte übernommen werden.

Warum das so ist, welche Änderungen unvermeidlich waren und wie die Stars ihre Figuren interpretieren – das verraten die Beteiligten im Gespräch mit TV Movie.

Eine große Vorlage bedeutet große Verantwortung

Mit „Das Geisterhaus“ bringt Amazon Prime Video eine Geschichte auf den Bildschirm, die Generationen bewegt hat. Familiengeschichte, Politik, Liebe und Schicksal – all das vereint der Roman auf mehreren Zeitebenen.

Doch genau diese Komplexität stellte das Team vor eine enorme Herausforderung. Wie lässt sich ein so vielschichtiges Werk in ein Serienformat übersetzen, ohne seinen Kern zu verlieren?

Showrunnerin Francisca Alegría erinnert sich noch genau an den Moment, als sie den Auftrag erhielt: „Ich weiß noch genau, wo ich war, weil ich sofort angefangen habe zu weinen.“ Für sie war schnell klar: Dieses Projekt würde alles verändern.

Darum passt nicht alles aus dem Buch in die Serie

Eine der größten Hürden: Die Vielzahl an Figuren und Nebenhandlungen. Während Leserinnen sich Zeit nehmen können, in die Welt des Romans einzutauchen, verlangt eine Serie eine klarere Struktur. „Es gab viele Momente, in denen es wehgetan hat“, sagt Alegría über die notwendigen Kürzungen. Gemeinsam mit ihrem Team musste sie entscheiden, welche Handlungsstränge bleiben und welche weichen müssen.

Dabei half ausgerechnet die Autorin selbst: Isabel Allende gab den Macher:innen freie Hand. „Wenn ihr etwas streichen müsst, dann streicht es“, habe sie ihnen mit auf den Weg gegeben. Eine Entscheidung, die den kreativen Prozess deutlich erleichterte.

Bei Clara und Esteban prallen zwei Welten aufeinander

Im Mittelpunkt der Serie stehen zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Clara, gespielt von Nicole Wallace, ist tief mit ihren Gefühlen verbunden. Für die Schauspielerin ist klar: „Sie glaubt sehr stark daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert.“ Doch auch Clara entwickelt sich weiter. Im Laufe der Geschichte erkennt sie, dass das Leben nicht vollständig vorhersehbar ist. Gerade diese Entwicklung macht ihre Figur so greifbar und menschlich.

Ganz anders ist Esteban Trueba, verkörpert von Alfonso Herrera. Für ihn ist Dominanz das zentrale Motiv. „Sein Hauptziel ist es, Macht zu erlangen“, erklärt der Schauspieler. Selbst in der Liebe denkt Esteban in Besitzansprüchen.

Kann man Liebe besitzen?

Der Gegensatz zwischen Clara und Esteban ist kein Zufall – er ist das Herzstück der Geschichte. Während Clara für Vertrauen steht, versucht Esteban, Kontrolle auszuüben. „Er glaubt, Liebe ist etwas, das man besitzen kann“, beschreibt Herrera seine Figur. Doch genau darin liegt die Tragik: Liebe lässt sich nicht festhalten.

Diese Spannung macht die Serie nicht nur emotional, sondern auch hochaktuell. Denn die Fragen, die „Das Geisterhaus“ stellt, sind zeitlos: Wie viel Kontrolle brauchen wir? Und wann wird sie zur Belastung?

Unvollständigkeit wird zu keinem Problem

Dass nicht jede Szene aus dem Buch ihren Weg in die Serie gefunden hat, bedeutet nicht, dass die Geschichte an Kraft verliert – im Gegenteil. Die Konzentration auf die zentralen Themen ermöglicht es, Tiefgründigkeit und klare Erzählstrukturen zu schaffen. Für Zuschauer:innen wird die Geschichte dadurch zugänglicher.

Nicole Wallace bringt es auf den Punkt: Für ihre Figur gehe es letztlich um „etwas Größeres als sie selbst“. Eine Aussage, die sich auf die gesamte Serie übertragen lässt.