Kritik

„Bring Me The Horizon – L.I.V.E. in São Paolo“: So viel mehr als nur ein Konzertfilm

Am 25. März veröffentlichte die englische Band Bring Me The Horizon ihren Konzertfilm „Bring Me The Horizon – L.I.V.E. in São Paulo“. Doch was steckt hinter dem Streifen – und lohnt sich der Kinobesuch oder bzw. der Kauf der DVD?

Oliver Sykes auf der Bühne bei einem Auftritt von Bring Me The Horizon
Die englische Rockband Bring Me The Horizon rund um Frontmann Oliver Sykes steht bereits seit 2004 auf der Bühne. Foto: IMAGO / Avalon.red

Bring Me The Horizon gehören längst zur absoluten Speerspitze moderner Rock- und Metal-Acts. Spätestens mit ihrer Show am 30. November 2024 im Allianz Parque in São Paulo, bei der sie vor rund 50.000 Fans spielten – der bislang größte Auftritt ihrer Karriere – haben sie diesen Status eindrucksvoll zementiert. Und eben genau dieses Konzert bringt die Band aus Sheffield nun als Kinofilm auf die große Leinwand!

Mehr als „nur“ ein Konzertfilm

Konzertfilme folgen oft einem simplen Prinzip: Das Licht geht an, die Band spielt, und in einigen Shots sieht man, wie das Publikum den Auftritt feiert. Ob das funktioniert auf der großen Leinwand funktioniert, hängt natürlich davon ab, wie stark die Live-Performance selbst ist – ist die Show schwach, kann auch der Film wenig retten.

Bei Bring Me The Horizon besteht daran eigentlich kein Zweifel: Seit Jahren gestaltet die Band ihre Live-Shows als konsequent durchkomponiertes Gesamtkonzept aus Sound, visuellen Elementen und erzählerischen Motiven – ein Erlebnis, das sich für das Publikum ohnehin schon wie ein fertiger Film anfühlt. Gerade deshalb überrascht es umso mehr, dass der Kinofilm genau diesen Aspekt nicht ins Zentrum rückt.

„Bring Me The Horizon – L.I.V.E. in São Paolo“ rückt Fans in den Fokus

Zwar bildet das komplette Set die Grundlage, doch im Zentrum stehen weder Songs noch Band – sondern die Fans und die emotionale Wirkung der Musik auf sie.

Visuell pendelt der Film konsequent zwischen zwei Stilwelten. Auf der einen Seite stehen bewusst rohe Bilder: wackelige Perspektiven aus dem Pit, unscharfe Momente, Blickwinkel direkt aus der Menge. Dabei fängt die Kamera vorallem auch die emotionalen Zwischentöne ein: Menschen, denen sichtbar die Tränen kommen, und sogar gleich zwei Heiratsanträge während „Follow You“.

Diese Szene transportieren die Energie, die Euphorie und dieses schwer greifbare Gemeinschaftsgefühl, das ein Konzert dieser Größenordnung ausmacht. Immer wieder erwischt man sich dabei, wie man am liebsten selbst aufspringen und mitklatschen würde.

Dem gegenüber steht eine hochpolierte Inszenierung: Zeitlupen, präzise Kamerafahrten, Drohnenaufnahmen und intensive Close-ups von Oli Sykes, Lee Malia, Mat Nicholls und Matt Kean. Zwischendurch blitzen zudem immer wieder kurze Backstage-Momente auf – Sekundenbruchteile, die einen Blick hinter die Fassade erlauben und das Stadionerlebnis intimer wirken lassen sowie die Menschen hinter der Band greifbarer machen.

Altbekanntes Konzept – doch für Fans gibt es einige Überraschungen

Wer bereits mit Bring Me The Horizon und ihrem „Post Human“-Showkonzept vertraut ist und befürchtet, hier lediglich eine Wiederholung der regulären Auftritte zu sehen, kann beruhigt sein. Zwar bleibt die Grundstruktur erhalten, doch der Film verzahnt die Live-Show stärker mit der übergeordneten Mythologie rund um Figuren und Elemente wie Angeldust, E.V.E. oder das Spi(Ritual).

Zusätzliche Live-Debüts wie das von „N/A“ und neue Einbindungen wie das „Lesser Banishing Ritual“ erweitern das Konzept sinnvoll und sorgen dafür, dass selbst erfahrene Konzertgänger noch Neues entdecken können.

Fazit: Lohnt sich der Film?

Unterm Strich ist dieser Film kein klassischer Konzertfilm – und genau darin liegt seine größte Stärke. Statt sich darauf zu beschränken, einen ohnehin spektakulären Live-Auftritt möglichst makellos abzubilden, entscheidet sich Bring Me The Horizon bewusst für einen anderen Fokus: das Gefühl, das hinter der Musik steht.

Die Band liefert zwar weiterhin eine visuell wie musikalisch beeindruckende Show auf höchstem Niveau, doch der Film interessiert sich stärker für das, was davor passiert – für die Menschen, die diese Songs zu etwas Größerem machen.

Für Fans ist der Film deshalb ohnehin Pflichtprogramm, nicht nur als Erinnerung, sondern als neue Perspektive auf etwas, das sie vielleicht schon live erlebt haben. Für alle anderen bietet er einen überraschend zugänglichen Einstieg in die Welt von Bring Me The Horizon, weil er weniger erklärt, wie die Band klingt, sondern vielmehr zeigt, warum sie für so viele Menschen eine Bedeutung hat.

„Bring Me The Horizon – L.I.V.E. in São Paolo“ lief ursprünglich nur am 25. und 28. März in den Kinos, vereinzelt gibt es aber auch noch Screenings am 29. März – es lohnt sich also, die Kinos vor Ort im Blick zu behalten. Wer es nicht mehr ins Kino schafft, muss sich jedoch keine Sorgen machen: Ab dem 10. April erscheint der Film auch auf DVD.

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