„Babo“: Haftbefehls Brüder – Rap, Reue und Knast
Nach der Netflix-Doku „Babo – Die Haftbefehl-Story“ steht nicht nur Haftbefehl im Mittelpunkt, sondern auch seine Brüder. Capo, der selbst als Rapper Karriere machte – und Aytac, der aus anderen Gründen für Schlagzeilen sorgte.

Die Netflix-Produktion „Babo – Die Haftbefehl-Story“ zeigt den Offenbacher Rapper so offen wie nie zuvor – und rückt auch seine Familie ins Licht. Haftbefehls jüngerer Bruder Capo, bürgerlich Cem Anhan, nutzt die Aufmerksamkeit, um sich mit einer Videobotschaft an Fans und Zuschauer zu wenden.
„Wir verstellen uns nicht – das war ein großer Wunsch meines Bruders“, erklärt er gleich zu Beginn. Die Dokumentation zeige das Leben der Familie, wie es wirklich sei – ohne Filter und Inszenierung. Capo bedankt sich bei Netflix für die Zusammenarbeit, die insgesamt drei Jahre dauerte.
Eine klare Botschaft an die Jugend
In seiner Botschaft spricht Capo offen über die Schattenseiten des Erfolgs und richtet sich gezielt an junge Menschen: „All diese Scheinlichter, die da funkeln, haben auch eine Schattenseite. Und diese Schattenseite verfolgt euch.“
Er warnt eindringlich vor Drogen, Illusionen und falschem Ruhm – Themen, die im Umfeld des Deutschraps immer wieder auftauchen. Stattdessen betont er die Bedeutung von Familie, Werten und Stabilität: „Achtet auf eure Familie, achtet auf euch selbst und macht was aus eurem Leben.“
Unter dem Video meldeten sich viele Wegbegleiter zu Wort – darunter Haftbefehl selbst, der mit einem Herz reagierte, sowie Summer Cem. Capos Appell, Verantwortung zu übernehmen, stößt in der Szene auf viel Zustimmung.
Capos Karriere: Zwischen Bruderliebe und eigener Stimme
Schon früh trat Capo musikalisch an der Seite seines älteren Bruders auf. Erste Aufmerksamkeit erhielt er durch Gastbeiträge auf Haftbefehls Songs, bevor er sich eine eigenständige Karriere aufbaute. Fünf Soloalben hat er bislang veröffentlicht, zuletzt „Alles auf Schwarz“.
Obwohl Capo nicht die gleichen kommerziellen Höhen wie Haftbefehl erreichte, gilt er als künstlerisch authentisch und reflektiert. Seine Texte handeln oft von Verlust, Herkunft und dem inneren Konflikt zwischen Straßenrealität und Selbstfindung. Durch die Popularität der Netflix-Doku entdecken nun viele Zuschauer seine Musik neu.
Aytac Anhan: Der tragische Weg des älteren Bruders

Weniger positiv verlief das Leben des ältesten Bruders, Aytac Anhan. Er geriet 2017 wegen eines missglückten Banküberfalls in Babenhausen in die Schlagzeilen – ein Ereignis, das nicht Teil der Netflix-Dokumentation ist, aber zeigt, wie unterschiedlich die Lebenswege der Brüder verliefen.
Laut Gerichtsunterlagen hatten Aytac und zwei Komplizen – Nikolaos D. und Walter S. – unter Drogeneinfluss versucht, eine Sparkasse zu überfallen. Der Plan war schlecht durchdacht: Mit einer Schreckschusspistole und ohne klare Fluchtstrategie stürmte einer der Täter die Bank und erbeutete rund 18.600 Euro.
Doch die Flucht scheiterte kläglich. Eine couragierte Hilfspolizistin notierte das Kennzeichen des Fluchtwagens und alarmierte die Polizei. Nur kurze Zeit später wurden die drei Männer festgenommen.
Aytac Anhan wurde schließlich zu vier Jahren Haft verurteilt. Laut Prozessakten war er zu diesem Zeitpunkt stark drogenabhängig und hatte mit finanziellen Problemen zu kämpfen.
Berichten zufolge arbeitete er zuvor zeitweise in Haftbefehls Shisha-Bar „Babos“ in Babenhausen – ein Versuch, wieder auf die Beine zu kommen. Doch die Rückfälle in den Drogenkonsum machten den Neustart unmöglich.
Der Vorfall zeigte auf tragische Weise, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Abgrund im Umfeld der Anhan-Brüder sein kann.









