Nur Disney+ kann noch helfen

„Alarm für Cobra 11“ vor dem Aus: Kultserie zu teuer für RTL

30 Jahre nach dem Start steht die Zukunft von „Alarm für Cobra 11“ auf der Kippe. Neue Filme gibt es zwar noch – doch eine Fortsetzung ist unwahrscheinlich.

Ben (Tom Beck, li.) und Semir (Erdogan Atalay) springen mit gezogenen Pistolen nach vorne.
Schon 2026 könnten die letzten Folgen von „Alarm für Cobra 11“ erscheinen. Foto: RTL / Guido Engels

Seit drei Jahrzehnten gehört „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ zu den bekanntesten deutschen Actionformaten im Fernsehen. Doch ausgerechnet zum großen Jubiläum steht die Kultserie offenbar vor einer ungewissen Zukunft. Neue Filme wurden zwar bereits produziert – doch wie es danach weitergeht, ist derzeit völlig offen.

Produktion liegt seit zwei Jahren auf Eis

Die jüngsten Filme der Reihe wurden zwischen August 2023 und März 2024 gedreht. Zwei davon sind bereits auf RTL+ und Disney+ gestartet, zwei weitere sollen am 8. April zunächst exklusiv bei Disney+ erscheinen.

Bemerkenswert: Zwischen Dreh und Veröffentlichung liegen rund zwei Jahre – ein ungewöhnlich langer Zeitraum für eine etablierte TV-Produktion.

Ob danach neue Episoden entstehen, ist völlig unklar. Selbst bei einem Fan-Event zum 30-jährigen Jubiläum in Euskirchen konnten weder Schauspieler noch Produzenten eine klare Antwort geben.

Produzent zieht ernüchternde Bilanz

Bei dem Event sorgten Erdoğan Atalay und Pia Stutzenstein gemeinsam mit der Stuntcrew für eine spektakuläre Show mit Verfolgungsjagden, Explosionen und brennenden Autos – genau das, was Fans seit Jahren an der Serie lieben.

Hinter den Kulissen ist die Stimmung jedoch deutlich ernster. Langzeit-Produzent Hermann Joha deutete an, dass er sich womöglich bereits mit dem Ende der Serie abgefunden hat.

Es war eine schöne, erlebnisreiche, geile Zeit. Wir hätten gerne weitergemacht“, erklärte Joha.

Der 66-Jährige hatte 1992 die Produktionsfirma Action Concept gegründet, die über Jahrzehnte hinweg hinter der Serie stand. Zuvor arbeitete er selbst als Stuntman, unter anderem für den „Tatort“.

Produktionsfirma musste sich verkleinern

Die schwierige Lage zeigt sich auch an strukturellen Veränderungen. Ende 2024 verkaufte Joha das rund 20.000 Quadratmeter große Studiogelände in Hürth-Kalscheuren, auf dem Action Concept über 25 Jahre lang mit zahlreichen Mitarbeitern gearbeitet hatte.

Auf dem Höhepunkt der Produktion wurden zeitweise drei RTL-Primetime-Serien gleichzeitig gedreht. Doch mit dem massiven Auftragsrückgang in der Fiction-Branche ließ sich dieses Modell nicht mehr aufrechterhalten.

Der entscheidende Einschnitt kam 2023: Statt zuvor 14 Episoden pro Jahr entstanden plötzlich nur noch vier 90-Minuten-Filme. Gleichzeitig platzte eine geplante Zusammenarbeit mit dem Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland, nachdem dieser seine eigenproduzierten Serienprojekte stoppte.

Damit verschwanden auch geplante Projekte wie eine zweite Staffel von „Drift – Partners in Crime“ sowie eine neue Serie über Brandermittler mit dem Arbeitstitel „On Fire“.

Action-Know-how bleibt gefragt

Während Action Concept zuletzt kaum neue Produktionen umsetzen konnte, läuft es bei der Schwesterfirma Production Concept deutlich besser.

Das Unternehmen ist auf Stunts und Spezialeffekte spezialisiert und gilt als führend bei der Simulation von Fahrszenen vor LED-Projektionen. Allein im vergangenen Jahr war die Firma an rund 80 Film- und Serienproduktionen beteiligt, darunter „Babylon Berlin“, „Der letzte Bulle“, „Kommissar Rex“, „Mord mit Aussicht“ und „Oderbruch“.

RTL hält sich alle Optionen offen

Auch beim Sender selbst ist die Zukunft der Serie derzeit unklar. Ein Sprecher von RTL bezeichnete „Cobra 11“ zwar weiterhin als eine der „ikonischsten Fiction-Marken von RTL“, machte aber deutlich, dass zunächst die Auswertung der bereits produzierten Filme abgewartet werden soll.

Als starke Marke bleibt 'Cobra 11' für uns strategisch relevant. Aktuell stehen die vier bereits produzierten neuen Filme im Fokus“, erklärte der Sprecher. Erst danach wolle man über die weitere Entwicklung entscheiden und dabei sowohl die Performance im Streaming als auch im klassischen Fernsehen berücksichtigen.

Trotz der unsicheren Lage gibt es zumindest eine kleine Hoffnung. Sollte die Serie auf Streamingplattformen besonders erfolgreich sein, könnte sie möglicherweise ein ähnliches Schicksal erleben wie „Der letzte Bulle“: eine Neuauflage als internationale Koproduktion zwischen einem deutschen Sender und einem Streaminganbieter.

Quellen