„007 First Light“ im Test: Gelingt IO Interactive die Mission Impossible?
Eine Mischung aus „Uncharted“ und „Hitman“? IO Interactive hat bei „007: First Light” mit einer Riesen-Erwartungshaltung zu kämpfen. Doch kann das Spiel überzeugen?
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Es ist ja nicht so, als ob dem Mann mit der Doppel-0 in der Vergangenheit nicht schon das eine oder andere gute Videospiel in den Schoß gelegt worden wäre. „Everything or Nothing“, „Nightfire“ oder natürlich das legendäre „GoldenEye 007“ auf dem N64 haben dem Mann mit dem Faible für flotte Autos, schöne Frauen und geschüttelte Wodka-Martinis schon durchaus mitreißend Tribut gezollt. Aber ehrlicherweise habe ich schon seit einigen Jahren davon geträumt, dass sich ein Studio dem Phänomen Bond in einem mitreißenden Action-Adventure annimmt, das uns nicht nur quer über den Erdball schickt, sondern vor allem auch gameplaytechnisch den Eigenarten von James Bond gerecht werden würde.
Schon nach den ersten Stunden mit „007: First Light“ war für mich klar: IO Interactive versteht genau diese Idee von Bond. Dass die „Hitman“-Schöpfer auf dem Papier wie ein „Match made in Heaven“ daherkommen würden, war schon recht früh klar. Doch tatsächlich entpuppt sich die Mischung aus linearen, offenen Stealth- und Action-Missionen als perfekter Fit für die Franchise. Doch als großer Filmfan freut mich vor allem, dass IO Interactive den cineastischen Anteil des Spiels perfekt getroffen hat.
„007 First Light“ erzählt die beste Bond-Story seit Ewigkeiten

Die größte Stärke von „007 First Light“ ist für mich nämlich ganz klar die Story und die wunderbaren Inkarnationen der Figuren aus dem James-Bond-Universum.
IO Interactive entscheidet sich bewusst gegen einen bereits etablierten Bond und erzählt stattdessen die Geschichte eines jungen, impulsiven 007, der erst langsam zu dem Agenten wird, den man kennt. Es ist nicht so, als ob man nicht konsequent Anleihen aus verschiedenen Bond-Äras für den jungen 007 wiedererkennen würde. Doch vom wunderbaren Geheimagenten-Training, das als Tutorial bzw. Onboarding fungiert, bis hin zu gefährlichen Missionen auf Traumschlössern oder in Vietnam verliert IO Interactive nie den Blick für seine Hauptfiguren und erzählt eine wirklich packende Bond-Geschichte, die es locker auch mit vielen Bond-Verfilmungen aufnehmen könnte.
Dazu kommt ein wirklich starkes Voice-Acting. Patrick Gibson liefert einen hervorragenden jungen Bond ab, der nie wie eine billige Daniel-Craig-Kopie wirkt. Auch die Nebenfiguren bleiben erstaunlich präsent. Lennie James als John Greenway stiehlt in manchen Szenen fast komplett die Show.
Hitman trifft Uncharted und diese Mischung geht erstaunlich gut auf
Natürlich erkennt man sofort die DNA von „Hitman“. Das wäre bei IO Interactive auch kaum vermeidbar. Viele Missionen setzen auf soziale Tarnung, große Areale und verschiedene Herangehensweisen. Man belauscht Gespräche, manipuliert Gegner, blufft sich an Wachen vorbei oder schleicht durch luxuriöse Hotels, Militäranlagen und Galas. Genau diese Abschnitte gehören zu den stärksten Momenten des Spiels, auch wenn „Hitman“-Fans natürlich ein paar Abstriche machen müssen: Die komplexe Sandbox-Freiheit der „Hitman“-Spiele sucht man hier vergeblich. Stattdessen gibt es meist zwei bis drei „richtige“ Wege, auf die man recht schnell hingewiesen wird. Hitman-Light trifft es hier wirklich ganz gut.
Gleichzeitig erinnert „007 First Light“ immer wieder an „Uncharted“. Gerade die großen Actionpassagen sind extrem cineastisch inszeniert. Explosionen, Verfolgungsjagden und Faustkämpfe wirken teilweise wie direkt aus einem Bond-Film übernommen.
Das Beeindruckende daran: Die Mischung funktioniert tatsächlich richtig gut. Denn anders als viele moderne Actionspiele fühlt sich „007 First Light“ nie wie ein reiner Deckungsshooter an. Bond improvisiert ständig. Mal schlägt man Gegner gegen Geländer, schleudert sie durch Glasflächen oder nutzt die Umgebung aktiv im Kampf. Besonders die Nahkämpfe haben enorm viel Wucht und verkaufen dieses rohe, dreckige Bond-Gefühl hervorragend. Großartig ist auch, dass die Umgebung meist ziemlich direkt darauf reagiert, wenn Bond einen Widersacher beispielsweise über die Küchenzeile in ein nahegelegenes Glasfenster „schubst“.
Auch die Gadgets sind fantastisch eingebunden. Qs Spielereien wirken nicht wie reine Gimmicks, sondern tatsächlich nützlich und beeinflussen auch maßgeblich, wie ihr die einzelnen Missionen erlebt. Ihr könnt dabei nicht immer alle Gadgets ausrüsten, sondern müsst euch von Mission zu Mission ein eigenes kleines Gadget-Arsenal aufbauen.
Audiovisuell ist das meist großes Kino
„007 First Light“ sieht stellenweise richtig gut aus. Wir haben das Spiel auf einem High-End-PC getestet. Vor allem die Beleuchtung, die luxuriösen Schauplätze und die Animationen verkaufen diese Bond-Fantasie perfekt. Ob elegante Casinos, schneebedeckte Anlagen oder glamouröse Hotels: Das Spiel trifft die Atmosphäre der Filme nahezu perfekt. Ehrlicherweise sieht man der Glacier-Engine aber auch immer wieder an, dass sie schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, was das Spielgeschehen aber nicht stört.
Noch wichtiger ist aber der Sound. Die Musik erinnert angenehm an klassische Bond-Themen, ohne einfach nur bekannte Melodien zu kopieren. Dazu kommt eben das bereits erwähnte exzellente Voice-Work und ein Sounddesign, das Schüsse, Explosionen und Faustkämpfe unglaublich wuchtig wirken lässt.
Die Gegner-KI bleibt der größte Schwachpunkt
So stark „007 First Light“ insgesamt auch ist: Ganz perfekt ist das Spiel nicht. Gerade die Gegner-KI fällt leider immer wieder negativ auf, besonders in größeren Actionsequenzen. Manche Feinde reagieren seltsam träge, verlieren schnell den Überblick oder laufen beinahe blindlings in offensichtliche Fallen.
Das fällt vor allem deshalb auf, weil der Rest des Spiels so hochwertig wirkt. In Stealth-Passagen funktioniert vieles noch ordentlich, aber sobald größere Schießereien eskalieren, benehmen sich Gegner teilweise überraschend planlos.
Auch einige Fahrzeugsequenzen bleiben hinter dem restlichen Niveau zurück. Zwar sehen die Verfolgungsjagden spektakulär aus, spielerisch wirken sie aber oft zu simpel und sind dann doch stark geskriptet.
Hier seht ihr nochmal einen Gameplay-Trailer zum Spiel:

Fazit zum „007 First Light“-Test: Das beste Bond-Spiel seit „GoldenEye“
„007 First Light“ schafft etwas, das ich ehrlich gesagt kaum noch erwartet hätte: ein modernes James-Bond-Spiel, das die Vorlage wirklich versteht.
IO Interactive kombiniert die offene Stealth-DNA von „Hitman“ mit der cineastischen Wucht von „Uncharted“ und erschafft daraus ein Agenten-Abenteuer, das sich überraschend eigenständig anfühlt. Vor allem die starke Story, die großartigen Figuren und die fantastische Präsentation heben das Spiel deutlich über viele andere Actiontitel hinaus.
Sicherlich hätte die Gegner-KI etwas besser sein können und einige Actionsequenzen spielerisch etwas abwechslungsreicher und weniger linear sein dürfen, aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich trotzdem seit Jahren nicht mehr so viel Spaß mit einem richtig gut erzählten Storyspiel.
Es bleibt nur zu hoffen, dass IO Interactive mit „007: First Light“ nicht schon den letzten Wodka-Martini serviert hat. Nicht nur James Bond hätte es verdient, dass man diesen eingeschlagenen Weg gemeinsam weitergeht.
„007 First Light“ ist seit dem 27. Mai 2026 für die PS5, Xbox Series X/S und den PC erhältlich!












