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Interviews mit KI-Personen: Netflix-Doku „Der Fall Lucy Letby“ in der Kritik

Ein verstörendes Stilmittel sorgt bei Netflix für Diskussionen: In der Doku „Der Fall Lucy Letby“ wurden Interviewpartnerinnen digital anonymisiert.

Da KI-generierte Gesicht einer besorgten Frau.
Die KI-Verfremdung ist vielleicht im Interesse der betroffenen Personen, aber nicht im Interesse des Publikums. Foto: Netflix

Mit der Veröffentlichung der Netflix-Dokumentation „Der Fall Lucy Letby“ ist nicht nur der Fall selbst erneut in den Fokus gerückt, sondern auch die Art, wie er erzählt wird. Besonders ein Detail stößt vielen Zuschauerinnen und Zuschauern unangenehm auf: Zwei Interviewpartnerinnen wurden digital anonymisiert, ihre Gesichter, Stimmen und Namen künstlich verändert.

Bereits im Vorspann weist Netflix darauf hin, dass „einige Mitwirkende digital verfremdet wurden, um ihre Anonymität zu wahren“. Konkret heißt es, dass Namen, Erscheinungsbild und Stimmen verändert wurden. Was auf dem Papier nach einem Schutzmechanismus klingt, empfinden viele als befremdlich, gerade angesichts des sensiblen Themas.

Wer wurde digital verfremdet?

Eine KI-Frau.
Nicht nur bei Synchronaufnahmen setzt Netflix fortan wohl verstärkt auf KI. Foto: Netflix

Bei den anonymisierten Personen handelt es sich um zwei zentrale Zeuginnen der Dokumentation. Zum einen um die Mutter eines der verstorbenen Babys, die unter dem Pseudonym Sarah auftritt. Zum anderen um eine frühere Studienfreundin der verurteilten Krankenschwester, die in der Doku Maisie genannt wird.

Beide Frauen berichten emotional von ihren Erlebnissen. Zuschauer sehen sie blinzeln, weinen, sprechen – alles wirkt real, obwohl die dargestellten Gesichter künstlich erzeugt sind. Besonders irritierend: In der Doku werden ältere Fotos von Lucy Letby digital manipuliert, um dort ebenfalls die verfremdete Version von Maisie einzubauen. So sollen frühe Phasen ihrer Freundschaft visualisiert werden.

Auch Sarah ist in Szenen zu sehen, in denen sie persönliche Gegenstände ihrer verstorbenen Tochter – die aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes Zoe genannt wird – in den Händen hält. Für viele wirkt die Kombination aus emotionalem Inhalt und digitaler Darstellung schwer erträglich.

Zuschauerreaktionen: „Unglaublich verstörend“

In sozialen Netzwerken häufen sich kritische Stimmen. Auf X (ehemals Twitter) schreibt ein Nutzer: „Diese digitale Anonymisierung in der Netflix-Doku über Lucy Letby ist unglaublich verstörend. Ich nehme an, dass dafür KI benutzt wurde. Man hätte einfach wieder die Stimme einer Schauspielerin nehmen sollen.“

Ein anderer kommentiert: „Die Entscheidung von Netflix, KI-Gesichter für Interviewpartner zu nutzen, war ziemlich verstörend. Man hätte die Gesichter genauso gut einfach verpixeln können.“

Besonders scharf fällt die Kritik an den manipulierten Fotos aus: „Die bearbeiteten Bilder von Lucy mit einem computergenerierten Gesicht fühlten sich besonders grotesk an. Das war eine katastrophale Fehlentscheidung der Produzenten.“

Angst vor einem Trend

Auch auf Reddit wird die Darstellung intensiv diskutiert. Ein Nutzer schreibt: „Das hat mich komplett aus der Doku rausgerissen. Es fühlt sich dem Thema gegenüber unehrlich an.“

Ein anderer ergänzt: „Ich habe es auch gehasst. Es hat mich extrem unwohl fühlen lassen und ist eine riesige Ungerechtigkeit gegenüber der echten Mutter.“

Besonders drastisch formuliert ein weiterer Kommentar: „Es ist furchtbar anzusehen, richtiggehend übelkeitserregend. Wenn man jemanden anonymisieren will, dann filmt man halt aus einem anderen Winkel. Ich fürchte eine Zukunft, in der alles, was wir im Fernsehen sehen, fake ist.“

Viele Stimmen eint eine Sorge: Digitale Anonymisierung mit KI könnte zum neuen Standard in True-Crime-Dokumentationen werden. Gerade bei realen Verbrechen und echten Opfern wird diese Entwicklung von vielen als problematisch empfunden.

Quellen

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